[home]



Daddy Nostalgie
F 1989/90 105 Min
R.: Bertrand Tavernier
D.: Jane Birkin, Dirk Borgade, Odette Laure
Die letzten Tage, Wochen im Leben. Was bleibt, außer sich Erinnerungen hinzugeben und den ein oder anderen verbotenen Whisky zu erschleichen? Was tun, wenn die Schönheit und die Jugend, von denen frau gelebt hat, fort sind, und sie sich selbst angesichts des nahen Verlustes des Mannes keine Gefühle zu zeigen erlaubt? Und was bleibt der Tochter anderes übrig, als Optimismus zu verbreiten, zu versuchen, jetzt noch feste Strukturen aufzubrechen, und ihr eigenes Leben dennoch nicht zu vernachlässigen?
Ein leicht sentimentaler, lebensbejahender und sehr schöner Film, der zum Glück erst gar nicht versucht, auf obige Fragen Antworten zu geben.



Dance me
Outside
Can 1994 87 Min. OmU
R : Bruce McDonald
B : Bruce McDonald, Don McKellar nach dem Buch von W.P. Kinsella
K : Miroslaw Baszkak
M : Mychael Danna
D : Ryan Black, Adam Beach, Lisa Lacroix, Michael Greyeyes, Kevin Hicks, Jennifer
Podemski, Sandrine Holt
Wenn man morgens um 11 bestens gelaunt aus dem Kino kommt und sich trotzdem sicher ist, einige unerfreuliche Sachen gesehen zu haben, ist eines klar: was ich da gesehen habe, taugt was.
Der Film spielt in einem Indianerreservat in Ontario. Er ist nah dran - am Leben dort und an seinen Figuren, Silas und Frank, und ihren Freundinnen Sadie und Poppy, die so ganz andere Vorstellungen vom politischen Tun haben als die beiden Jungs. Aber erstmal hängen sie zusammen 'rum, träumen, lieben und trennen sich, und tun, was halt mit 18 alles so üblich ist - bis ein Mord geschieht. Ein Weißer vergewaltigt und tötet eine junge Indianerin. Das Strafmaß fällt sehr milde aus, und so muß das Recht in die eigenen Hände genommen werden. Regisseur Bruce McDonald hat diesen Film ebenso liebe- und humorvoll (auch wenn sich dies ein wenig merkwürdig lesen mag) inszeniert wie zuvor schon 'Highway 61' und 'Roadkill', die wohl manchem noch in guter Erinnerung sein werden.



Dance of Dust
Eine karge Gebirgslandschaft im Iran. Saisonarbeiter formen aus der angefeuchteten Erde Backsteine, schichten sie zum Trocknen, brennen sie dann in einem großen, primitiven Ofen. Eine anstrengende, harte Arbeit. Auch der junge Llia, fast noch ein Kind, schuftet hier. Ein Mädchen, das mit ihrer Mutter gekommen ist, lächelt ihn an, streift ihr Kopftuch vom Haar. Llia verliebt sich auf der Stelle in Limua. Als der Regen fällt und die Arbeiter abziehen, ist Llia wieder allein. Das einzige, was von Limua bleibt, ist ein Backstein mit ihrem Handabdruck. In Dance of Dust", seinem siebten Kinofilm, beobachtet Abufazl Jalili zwei Kinder und ihre verschwiegenen, nur durch Blicke und Gesten angedeuteten Gefühle. In einfachen Bildern schildert er den harten Arbeitstag: das Wecken am Morgen, die Mittagspause mit einem Stückchen Melone und einem Schluck Tee, das Abwaschen des Staubs am Abend. Und im Hintergrund immer das Heulen des Windes. Eine bezwingende Beschreibung einer fremdartigen, archaischen Welt, die geprägt ist von stiller Melancholie. Beim Filmfestival von Locarno wurde Dance of Dust" mit dem Silbernen Leoparden ausgezeichnet.
"Raghs-e-Khak" Iran 1998, 73 Min. (ohne Dialog) R: Abulfazl Jalili, D: Mahmoud Khosravi, Limua Rahi.


Dance of the
Wind
Ein indischer Film über eine junge Sängerin, die den plötzlichen Tod ihrer Mutter und Lehrerin (Die Frau war beides gleichzeitig) nur schwerlich bewältigen kann. Ihre Stimme versagt und sie ist gezwungen, sich neu zu orientieren. Der Film zeigt eine recht fremde Welt, in der Musik sehr streng nach den überlieferten Traditionen ausgeübt wird, und für die die Existenz eines Schallplattenspielers schon ein Einfluss ist, über den man nicht einfach hinweggehen kann. "Der Film handelt vom Kampf dieser Sängerin, von ihrer Suche nach der eigenen Stimme. Sie hat den Eindruck, die Stimme ihrer Mutter zu imitieren. Sie ist von ihr beeinflußt und möchte slch von ihr lösen. Jeder Mensch, der in einem Abhängigkeitsverhältnis zu einem Lehrer oder einer Lehrerin steht, versucht sich daraus zu befrelen, um eine eigene Weltanschauung zu gewinnen, um die Welt rnit eigenen Augen zu sehen. Es handelt sich um einen inneren Kampf, der schwer faßbar ist und etwas Poetisches, Erhabenes, ja Spirituelles an sich hat.
Indien/GB/BRD 1997, 85 Min., OmU
R.: Rajan Khosa, B.: Rajan Khosa, Robin Mukherjee, M.: Shubba Mudgal, D.: Kitu
Gidwani, Bhaveen Gosain, Roshan Bano, Kapila Vatsyayan



Danzón
Mexiko 94
96 Min. O.m.U.
R: Maria Novaro
D: Maria Rojo, Carmen Salinas, Blanca Guerra, Tito Vasconcelos,
Keinerwegs ein Tanzfilm oder ein Film über das Tanzen, wenngleich eben jener Tanz, der dem Film den Titel gab, den Rahmen für eine Geschichte bildet. Eine Geschichte über das Altern. Julia, eine Frau Ende Dreißig, erfährt auf der Suche nach ihrem Tanzpartner und unerfüllten Liebe, eine neue Art von Anerkennung und Aufmerksamkeit, die es ihr wieder leicht macht in ihr altes Leben zurückzukehren. Hart an der Grenze, im Schmalz und Kitsch zu versinken, schafft der Film es doch immer wieder, zu seinem eigentlichen Thema zurückzufinden und sich ernsthaft mit seinen Hauptfiguren auseinanderzusetzen. Ganz nebenbei wird natürlich auch ganz viel getanzt und trompetet, eben Danzón, ein Tanz, der ursprünglich von den Sklaven auf Haiti praktiziert und im letzten Jahrhundert in Mexiko bekannt wurde.


Dark Star
USA 1973 83min
R+B+M.: John Carpenter
D.: Brian Narelle, Dre Pahich, Caj Kuniholm
"He..." flüstert Lieutnant Pinback. - " Das einzige, was existiert, bin ich selbst," fuhr die Bombe fort."Ich habe nur für meine Existenz Beweise. Alles andere ist unwesentlich und vielleicht nur Einbildung."- "Äh, bleib auf dem Teppich, Bombe."-"Am Anfang war Finsternis," intonierte die Maschine, "und die Finsternis war wüst und leer." - "He, hallo Bombe," flüsterte Pinback. "Und in der Finsternis," fuhr die Bombe fort, "war nur noch ich. Und ich schwebte über der Finsternis. Ich sah, das ich allein war, und das war nicht gut. Ich beschloß, das zu ändern." "Oh,
mein Gott," stöhnte Pinback. Und die Bombe sagte: "Es werde Licht."



Das Asthenische Syndrom
UdSSR, 1989
(Astenitcheski Sindrom) O.m.U., 153 min
R: Kira Muratowa, B: Sergej Popov, Aleksandr Tschernych,Kira Muratowa, K:
Vladimir Pankow, T: Elena Demidova, D: Sergej Popov, Olga Antonova, Natalja
Busko, Galina Sachurdaewa, u.a., P: Odessa Kinostudio
Der "Held" des Films ist "ein geplagter Intellektueller, der nie dazu kommt, seinen Roman zu Ende zu schreiben, sein Geld als Englischlehrer verdient und an Körperschwäche leidet -jenem asthenischen Syndrom. Er schläft nämlich überall ein: in der Metro (...), in ewig langen Perestroika-Versammlungen (...), im Irrenhaus, in das die Familie ihn letzlich einsperrt, und auch bei der Flucht (...), - ein eingeschlafener Gekreuzigter in einem leeren Metrowagen, der im schwarzen Tunnel verschwindet. (...) Das Asthenische Syndrom ist der stärkste und pessimistischste Film, den ich in letzter Zeit sah. Im Kontext des Perestroika-Kinos wirkt er wie ein Komprimierung der Endzeitstimmung, die nicht in die Zukunft, in die ökologische Katastrophe, delegiert wird, sondern die Katastrophe verloren gegangener Menschlichkeit in der Gegenwart beschreibt. Es gibt hier keine durchgehende Story, nur die Rückkehr zu einigen Figuren, rondoartige Wiederholungen eines sich chaotisch entfaltenden, hysterischen Theaters der Alltagsgrausamkeit." " (Oksana Bulgakowa). Das asthenische Syndrom wurde zum ersten wiederverbotenen Film der Perestroika. Er gewann 1989 den silbernen Bären. (Bulgakowa, 107).
Kira Muratowa, geboren 1934 in Sorokim (Moldawien) als Tochter rumänischer Emigranten, wuchs in der UdSSR auf. 1954-59 studierte sie am WGIK bei Gerassimow und Makarowa. 1961 wurde sie als Regisseurin bei Odessafilm eingestellt. Von 1967 bis 1986 (5. Kongress des sowjetischen Filmverbandes) landeten alle von ihr autorisierten Filme im Regal, Muratowa selbst wurde mit zeitweiligem Berufsverbot belegt.



Das Capitol
D 1992 89 Min
B,R : Trevor Peters
K : Nils Bolbrinker
Dies ist die wirklich sehr traurige Geschichte des 'Capitol'-Kinos in Schwerin von der Wende in der DDR bis zum Dezember 1991 und von 1936 bis heute, und vor allem die Geschichte der Menschen, die dort arbeiteten. Und natürlich geht es um das, worum es allen geht und was nicht nur die Filmwelt regiert. - Leider.



Das deutsche Kettensägenmassaker
BRD 1990 63 Min.
R.: Christoph Schlingensief
D.: Karina Fallenstein, Susanne Bredehöft, Artur Albrecht, Alfred Edel "Sie kamen als Freunde und wurden zu Wurst -jetzt beginnt der Markt" schrieb Schlingensief zur Uraufführung seines deutsch-deutschen Wiederbegegnungsfilms vor knapp zwei Jahren -oh, wie hellsichtig. Gucken doch die Brüder und Schwestern aus dem Osten inzwischen dumm aus der Pelle, weil die Realität die Fiktion überholt hat und die Ex-DDR sich quasi als besetztes Land fühlen kann.
Anläßlich des vom 17. Juni auf den 3. Okt. verschobenen Tags der deutschen Einheit und wegen des damals sehr regen Publikumsinteresses zeigen wir den Film noch einmal.



Das Ende der
Welt
Polen 1988 60 Min.
R.: Dorota Kedzierzawska
D.: Emilia Ziòlkowska, Antoni Majak, Barbara Ludwizanka
OFm.engl.UT. : Da in dem Film praktisch nicht gesprochen wird, zeigen wir ihn, obwohl es nur eine polnische Originalkopie gibt. Die wenigen Worte sind englisch untertitelt, eine deutsche Übersetzung der zehn englischen Untertitel liegt an der Kinokasse aus.
Ein altes Ehepaar am Ende des Lebens. Sie fürchten sich vor dem Tod und sehnen ihn gleichzeitig herbei, denn sie sind müde und einsam. In einer kleinen Wohnung hausen sie zusammen, getrennt nur durch einen Vorhang, den sie im Fall von Zwistigkeiten zwischen die beiden Hälften ihres Zimmers spannen. Die Anhänger des Erzählkinos seien gewarnt: In diesem Film "passiert" praktisch nichts. "Das Ende der Welt" ist radikales Bilderkino, er erzählt keine Geschichte, sondern beschreibt einen Zustand: Die beiden Alten an diesem Punkt ihrer Ehe. Sie lieben sich, streiten, hassen sich. In brillianten Schwarzweißbildern zeigt der Film die kleinen Niggeligkeiten des Ehekrieges ebenso wie die Freuden des lebenslangen Einander-Kennens, trotz des eher traurigen Themas geschieht das mit bisweilen bemerkenswerter Komik.



Das Ende
der alten Zeiten
CSSR 1989 94min
R.: Ji i Menzel
B.: Jirí Blazek
D.: Josef Abrham, Marián Labuda, Jaromil Hunzlik
Menzels bisher letzter Film spielt kurz nach dem I.Weltkrieg auf einem Schloß, daß einem neureichen Gutsverwalter gehört, dem aber die Manieren fehlen, um die Rolle des Schloßherren zu füllen. Die hat dafür der Emigrierte Fürst Megalvogow, der sich eines Tages mittellos, aber pünktlich zum Essen bei ihm einnistet, eine Mischung aus Don Juan, Quichotte und Münchhausen bietet und den dafür alle Frauen nett finden, sodaß sich alle anderen sein baldiges Verschwinden wünschen.



Das Feld
Irland 1990 90 Min.
R.: Jim Sheridan
D.: Richard Harris, John Hurt, Tom Berenger, Sean Bean, Brenda Frickery
Ein Heimatfilm reinsten Wassers, in dem ein despotischer Vater den Tod seiner Kinder verursacht, weil er nicht in der Lage ist, von Traditionen abzuweichen. Nur, daß er eben nicht in den Alpen spielt, sondern in Irland, und der Widersacher des Helden kein Charakter, sondern ein Mann namens "The American" ist; angesichts kontinuierlicher Kolonisierung Irlands erst durch England, dann durch Amerika, sind die Personen des Films in ihren Handlungen eben immer selbst nur Opfer, auch wenn sie individuell schuldig werden.



Das Fest
(Festen)
Dänemark 1997 106 Min. dän.O.m.U.
R.: Thomas Vinterberg
D.: Ulrich Thomsen, Henning Moritzen, Thomas Bo Larsen
1995 beschließen ein paar dänische Regisseure einige äußerst sinnvolle Regeln des Filmemachens, das DOGMA 95. U.a. : Keine Kulissen, Kostüme, Requisiten, Scheinwerfer, platte Action. Und: der Ton darf nur zusammen mit dem Bild aufgenommen werden, was uns dankenswerterweise von der unsäglichen Sitte befreit, an dramatischen oder romantischen Stellen des Films Musikgefidel aus dem Off einzuspielen.
"Das Fest" ist der erste nach diesen Regeln entstandene Film, und sie bekommen ihm gut. Die brutale Härte der Geschichte (ein junger Mann erzählt den versammelten Geburtstagsgästen seines Vaters, daß dieser ihn in seiner Kindheit mißbraucht hat, wird aber von diesen komplett ignoriert und vom Vater der Lüge bezichtigt) wird durch die grobkörnigen ohne zusätzliches Licht entstandenen Bilder und den rauhen Direktton unterstrichen. Ein bis zur letzten Minute enorm spannender Film über einen erbitterten Generationenkampf.



Das
Gefühl des Augenblicks -
Auf den Spuren des Fotografen Robert Frank
BRD 88/89 92 Min. amerik. O.m.U.
R.: Thomas Schadt
30 Jahre nach Entstehung von Frank's Fotos für sein Buch "The Americans", daß inzwischen ein Klassiker geworden ist, klappert Schadt die Orte, an denen sie aufgenommen wurden, mit der Kamera ab. Was als Hommage an Frank beginnt, wird mehr und mehr zu einem eigenen Versuch Amerika abzubilden, und Frank's Antwort auf die Frage, was das Entscheidende an der Fotografie sei, beschreibt denn auch Schadts Arbeitsweise: "...daß man ein Mitgefühl hat für die Menschen und daß man nicht den großen Künstler spielt."



Das
Gespenst der Freiheit
Fra 1974 103min
R.: Luis Bunuel
D.: A.Asti, J. Bertheau, J.C. Brialy, M.Piccoli
Ohne zu wissen aus welchem Film folgende Szene ist, gei stert sie seit Jahren schon in meinem Kopf herum: Eine Gruppe von Leuten sitzt im Kreis auf Kloschüsseln und scheißt; gegessen wird alleine im Kämmerchen. 'Das große Fressen' war auf meine Frage hin die obligatorische Ant wort. Jetzt wissen wir es besser und zeigen deswegen diesen Film. - Ach ja! Und deshalb auch: "Die Waffen, mit denen er (Bunuel) morali schen und psychischen Zwang zu zerstören versucht, schließen Blasphemie, Anti klerikalismus, schwarzen Hu mor und das Unbewußte ein. Die Mittelstandsmoral ist für ihn unmoralisch, da sie auf sozialer Ungerechtigkeit gegründet ist: der einzige Weg, den ein Mensch gehen kann, ist der des Wider standes."
(rororo-Filmlexikon)



Das Irrlicht
Die letzten zweieinhalb Tage im Leben eines Selbstmörders: Zusammentreffen mit Menschen, die etwas bedeutet haben, die Widersprüche bestätigen, die zum Zusammenbruch der Beziehungen führten und die Konsequenz daraus ziehen.






Das Jahr,
das zu lang war
Rumänien, 1990
(Un an ceva mai lung) O.m.Üb., 21 min
R.: Ada Pistiner
Dokumentarfilm über das Jahr "1989".
ADA PISTINER (*1938), zuvor hochgelobte Dokumentarfilme u.a. Costinesti on the Black Sea Coast und A Cultural House.



Das Leben
ist ein Spiel
Fra 1997, 113 Min., R.: Claude Chabrol, D.: Isabelle Huppert, Michel Serrault
Eine in den Scharnieren knirschende Geschichte um vertauschte Geldkoffer, einen Toten und die Abrechnung auf den Antillen. Michel Serrault und Isabelle Huppert als liebenswertes, undurchschaubares Gaunerpaar. Eine freude, von solchen Leuten reingelegt zu werden. (tip)




Das Leben und nichts anderes
Frankreich 1988 136min
R.: Bertrand Tavernier
D.: Philippe Noiret, Sabine Azéma
Eineinhalb Millionen Tote hinterließ der 1. Weltkrieg auf den Schlachtfeldern Europas. Elf Tage und elf Nächte würde nach Dellaplanes (Philippe Noiret) makaberer Rechnung ihr Aufmarsch auf den Champs Elysées dauern. Mit Zahlen, findet der eigenwillige Kommandant eines französischen Vermißten- Suchdienstes, ist nicht zu spaßen. Eine Frage der Moral.
Im Herbst des Jahres 1920 setzt Frankreich seinen Helden Denkmäler. Den Bildhauern geht es gold. 35000 Gemeinden verewigen ihre Gefallenen in Stein. In Paris soll unter dem Arc de Triomphe der Unbekannte Soldat bestattet werden. Eine anonyme Leiche wird benötigt, aber eine französische: Bloß kein Engländer oder Boche.
In einer kriegsverwüsteten, herbstgrauen nord- französischen Landschaft spielt Bertrand Taverniers "Das Leben und nichts anderes", ein Film, der so lebt von aufrechter Überzeugung und seinen Diskurs so souverän führt, daß man nicht zögert, dies Manifest der Verabscheuung des Krieges, des Beharrens auf einem menschenwürdigen Leben, auf dem Glück, schon jetzt unter die Klassiker einzureihen. (Christoph Terhechte im tip)



Das
Leben ist ein Chanson
Frk/CH/GB 97 O.m.U.
120 Minuten
R.: Alain Resnais
D.:Pierre Arditi, Sabine Azéma, Jean - Pierre Bacri, Jane Birkin,
Man zankt sich ein bißchen und man versöhnt sich, man belügt sich ein wenig oder auch mehr, und dann verzeiht man einander oder auch nicht. Man verliebt sich in den Falschen und bekommt den Richtigen, oder man verläßt die Frau, nach der man sich dann sehnt.
Und wenn man dann gar nicht mehr weiter weiß, fängt man halt an zu singen. Schlagerweisheiten von Charles Aznavour, Gilbert Bécaud, Maurice Chevalier, Serge Gainsbourg.



Das Netz
usa 1995
R : Irwin Winkler
B : John Brancato, Michael Ferris
K : Jack N. Green
M : Mark Isham
D : Sandra Bullock, Jeremy Northam, Dennis Miller, Diane Baker
Sandra kommt vorzeitig aus dem Urlaub, nachdem ihr der Lover nach dem Leben trachtete, zurück, um festzustellen, daß ihre Wohnung völlig leergeräumt ist und sich zudem ein Makler darin herumtreibt. Die Nachbarin behauptet, sie sei vor 2 Tagen ausgezogen und bei der Polizei ist sie plötzlich wegen diverser Vergehen aktenkundig. Aber hier beginnt der Albtraum erst richtig, schließlich ist die Computerspezialistin unabsichtlich einer ziemlich großen Sache auf die Spur gekommen. Ähnlicher Thriller wie 'Die Akte', nur muß Angela ganz allein mit der Situation fertig werden, und die 'Action' kommt aus dem Kopf und weniger aus Feuerwaffen.



Das Piano
Australien 1992 120min
R.und B.: Jane Campion
M.: Michael Nyman
D.: Holly Hunter, Harvey Keitel, Sam Neill, Anna Paquin
Ich hab mich immer gefragt warum Filme zum Thema Leidenschaft oft so verdammt unrealistisch gezeichnet werden. Fast immer grundlos verfällt Mann oder Frau dem jeweiligem Partner um am Ende daran zu Grunde zu gehen. Das Piano ist ein Film über Liebe und vor allem Leidenschaft, aber alles andere als irrational. Enorm ehrlich und für den Zuschauer mehr als nachvollziehbar wird hier die Geschichte einer verheirateten Frau erzählt, die sich der verbotenen Liebe hingibt. Durchaus Frau ihrer Dinge entscheidet sie sich erst langsam und vor allem überlegt für die Liebe, auf Kosten der Sicherheit und Konventionen. Harvey Keitel mit seinem muskulösem, gedrungenem Körper ist die Inkarnation des erotischen Mannes, überaus präsent und fast anfaßbar. Und doch reicht diese Ausstrahlung für Ada nicht aus sich ihm hinzugeben. Erst die ganze Person, Freund, leidenschaftlicher Liebhaber und verstehende Person bilden die Einheit für einen Schritt, der den Tod bedeuten kann.



Das Rote Eichhörnchen - La Ardilla Roja
Spanien 1993 110min O.m.U., B+R.: Julio Medem, D.: Nancho Novo,
Emma Suáres, Maria Barranco
Jota, ein Ex-Rockmusiker, sieht nachts einen Motorradunfall einer jungen Frau. Sie hat das Gedächtnis verloren und er erzählt ihr und allen anderen, er wäre ihr Geliebter und sie glaubt ihm. Eine ziemliche, atemberaubende Tour de force durch ziemlich viele absurde Unwahrscheinlichkeiten und ein noch unwahrscheinlicheres Musikvideo.



Das Schweigen der Männer
Ein nach gängigen Kriterien erfolgreicher Musiker und ein eher erfolgloser Schauspieler - beide tief in den 40ern - philosophieren über die Qualität der Schweiz, über die Scham ein Schweizer zu sein und vor allen Dingen immer wieder über Frauen. Ein "walk and talk" Film, der uns über die Schweiz und Italien bis nach Kairo führt und doch immer wieder in der Schweiz endet. Zwei menopausierende Männer, lächerlich, hilflos, Zoten reissend und doch so vertraut, daß einem oft der Spiegel vors Gesicht gehalten wird. Ein überaus amüsanter Film nicht nur über die Befindlichkeit der Schweiz.
Schweiz 96 85 Min OmU R.&B.: Clemens Klopfenstein D.: Polo Hofer, Max Rüdinger


Das
Spiegelbild
GUS, 1992
(Otraschenije w serkalje) O.m.engl.U., 78 min
R: Swetlana Proskurina, B: Andrej Tschernych, K: Dmitrij Mass, M: W. Gaiwaronskij, T:
Wladimir Persow, D: Victor Proskurin, Inna Piwars, Wladimir Iljin, Natalja Pawlowa, P:
Lenfilm/Kanar
Victor, ein beliebter Schauspieler, erleidet eine scheinbar grundlose Midlifecrisis. Er ist erfolgreich, seine Frau liebt ihn und doch hat er Angst. Er sucht die Gründe in seinem Schauspielerberuf, der es ihm immer schwieriger macht, zwischen Rolle und Selbst zu unterscheiden. "Die Emotionen des Schauspielers werden mittels einer einzigartigen Kombination aus Lichtgestaltung, Farbgebung und W. Persows Toneffekten ausgedrückt. Ein weiterer wichtiger kreativer Input kommt von Drehbuchautor A. Tschernych, einem bekannten avantgardistischen Schriftsteller und selbst Regisseur, der während der Dreharbeiten eng mit der Regisseurin zusammenarbeitete." (Andrea Hirsig)
Swetlana Proskurina (*1948) absolvierte das Filmstudium in Leningrad, arbeitete als Kritikerin, studierte dann weiter Regie in Moskau. Zusammenarbeit mit A. Sokurow und K. Lopuschanski im Trinity Bridges Studio St. Petersburg.



Das
Tagebuch des Verführers
(Le journal du seducteur) Frankreich 1995, Regie + Buch: Dani le Dubroux,
Kamera: Laurent Machuel, Darsteller: Chiara Mastroianni, Melvil Poupard, Jean
Pierre Léaud
Vielleicht hätte Claire das 'Tagebuch des Verführers', das sie auf einer Bank fand, niemals an sich genommen, wenn sie gewußt hätte, was dadurch auf sie zukommt. Das Buch gehört Gregoire, einem scheuen und romantischen jungen Mann. Durch ihn begegnet Claire anderen ungewöhnlichen Leuten, darunter Grégoires Nachbarn, einem unheimlichen Erfinder, der seinem jungen Freund besonders ergeben zu sein scheint. Wie das Mädchen in Kierkegaards Werk ist sich Claire nicht darüber im klaren, daß sie von ihrem besten Freund Sébastien als Versuchskaninchen benutzt wird. Und Claire wird verführt, aber von Gregoire, der ihr Herz gewinnt, ohne es zu wollen. Sébastien bleibt nichts anderes übrig, als Claires Mutter Anne zu verfuhren. Nur Grégoire will nichts von Claire wissen, weil er ein schreckliches Geheimnis verbirgt.
"Ich versuche, alle Wege der Verführung zu erforschen, indem ich einzelne Kapitel konzipiere, eine Abfolge von Variationen: der Verführerlehrling, der Verführer, die Kristallisation (nach Stendhal: der Punkt, an dem ein Gefühl in Liebe übergeht), die Phantome des Morgengrauens, der Analytiker.Und der Film nimmt insofern die Form einer Kriminalkomödie an, als man es mit verwirrten Helden zu tun hat, die nicht wissen, wie sie eine Leiche loswerden können. Der Film ist jedoch eher eine philosophische Komödie, weil er kritische Themen berührt wie Existenzangst, zeittypische Neurosen und den Tod.' Dani le Dubroux


Das Wissen vom
Heilen
Schweiz 1996, 90 Min., OmU
Regie: Franz Reichle, mit Dr. Tenzin Choedrak, H.H. Tenzin Gyatso XIV Dalai Lama, Dr.
Chimit-Dorzhi Dugarov
"Der Titel fahrt in die esoterische Irre. Das Wissen vom Heilen ist keine verklärende Versenkung in die tibetische Kräuterwelt. Franz Reiches Dokumentarfilm unternimmt die neugierige Erkundung einer jahrtausendealten Medizin, deren Wirksamkeit westliche Wissenschaftler immer noch fassungslos in Laboren hinterherforschen. Auf den Spuren des so runzligen wie sympathischen Leibarztes des Dalai Lama, Dr. Tenzin Choedrak, begibt man sich in die Sprechstunde eines buddhistischen Klosters, macht sich mit anderen, umfassenden Auffassungen von Gesundheit und Krankheit vertraut, lernt Behandlungsmethoden kennen, blättert in uralten Schriftrollen, verfolgt die komplizierte Herstellung der Arzneien vom Klassifizieren der Pflanzen bis zum Verpacken per Hand. Neben erstaunlichen Krankengeschichten, die Reichle Über Monate verfolgt, verblüfft vor allem das sachliche Selbstverständnis, mit dem die Ärzte Medizin, Philosophie und Tradition verbinden. Der Respekt, mit dem ein Wissenschaftler des Wiener Atomforschungsinsrituts die Effizienz der östlichen Kollegen rühmt, laßt Für einen Augenblick sogar von einer Brücke zwischen tibetischer und westlicher Schulmedizin träumen." Katja Nicodemus



Das
Wunder von Mâcon
( The baby of Mâcon )
NL/E/F/D 1992, 119Min, OmU
R.+ B.: Peter Greenaway
K.: Sacha Vierny
D.: Julia Ormad, Ralph Fiennes, Philip Stone, Jonathan Lacey, Don Henderson, Jeff
Nuttual
Eine alte Frau bringt eine Baby zur Welt. Das ist das Wunder. Die Schwester des Jungen gibt sich als dessen jungfräuliche Mutter aus, um Profit aus diesem vermeintlichen Wunder zu schlagen. Sie setzt damit einen Prozeß in Gang, bei dem Neid, Gewinnsucht, Machtstreben und Rache eine Folge von Grausamkeiten verursachen. Jedoch : Was sehen wir, was glauben wir zu sehen? Realität oder 'nur' Spiel - im Laufe des Films werden die Zuschauer immer mehr Teil der Inszenierung, und selbst die Schauspieler scheinen irritiert davon zu sein, was sie mit ihrem 'Spiel' anrichten können. Nicht nur bei Filmkritikern, sondern auch bei uns ist der Film umstritten . Von 'ziemlich toll' bis 'große Quirlkacke' reichten die Beurteilungen. Seht selbst.



Dazed and
Confused
USA 1993, 100min, R.: Richard Linklater, D.: Michelle Burke, Christin
Hinojosa, Jason London, Sasha Jenson
High School Kids bei ihren üblichen Ritualen: Rumfahren, Party organisieren, die Neuankömmlinge demütigen, die Eltern nichts wissen lassen, kiffen, dummes Zeug blabbern, Hackordnungen sortieren und vor allem: das emotionale Durcheinander bewältigen. Einer sagt mal: "Wenn das die schönste Zeit meines Lebens sein soll, bring ich mich lieber um".



Dead Man
USA 94/95 121 Min.
R.: Jim Jarmush
D.: Johnny Depp, Gary Farmer, Robert Mitchum
M.: Neil Young
Dieser Film wird umso besser, je länger es her ist, daß ich ihn gesehen habe, je mehr er Zeit hat, seine Bilder in mir herumspuken zulassen, weil er so wunderbar unvollendet ist, daß er in jedem Zuschauer einen anderen Film erzeugen kann. Er zeigt eine Reise durch Amerika, durch seine Geschichte oder auch ins Innere des Helden, der sich in einem Trancezustand zwischen Leben und Tod befindet. Dieses Unvollendete wird verstärkt durch Neil Youngs knirschende Filmmusik, die den Zuschauer in einen Zustand versetzt, der der Trance des Helden verdammt nahekommt.
Ach ja, darum geht es: William Blake fährt in den Wilden Westen, um eine Stelle als Buchhalter anzunehmen, wird aber durch widrige Umstände gezwungen, ein gefürchteter Revolverheld zu werden...



Dealer
Willst du als Dealer nicht bei deinen Hintermännern in Ungnade fallen, darfst du dich nicht mit Zivilbullen sehen lassen. Willst du auf keinen Spitzel hereinfallen, darfst du niemandem trauen. Willst du deine Familie zusammenhalten, mußt du dein Versprechen, mit dem Dealen aufzuhören, irgendwann einlösen. Can verletzt diese Regeln und verliert wachen Auges seine Freunde, seine Freiheit und seine Familie. Das ist die Handlung von Thomas Arslans drittem Spielfilm Dealer, der freilich weniger äußere Vorgänge, als innere Zustände beschreibt. Dominierten in Geschwister noch die Interak- tion des Protagonisten mit seinen Altersgenossen, die langen Gänge durch ein charak- teristisches Kreuzberg, so zeigt Dealer im Wesentlichen ein statisches, verschlossenes, fast unkenntliches Berlin: anonyme Wohnstätten mit der obligatorischen Satellitenschüssel, heruntergekommene Gewerbehöfe, den dunklen Flur eines Altbaus. In unwirklich schönem Kontrast dazu die klaren, intensiven Farben des Sommers, bunte Wände, saubere Stiegen, das saftige Grün der Bäume, die vor den Fenstern im Wind rauschen. Mit minimalistischen Mitteln beschreibt Dealer den Geisteszustand seiner Hauptfigur: knappe Dialoge, angedeutete Bewegungen, kaum Musik. Gedankenverloren steht Can nachts auf der Straße, hinter ihm die verschwommenen Verkehrslichter, auf dem Soundtrack leiser Trip Hop. (Ch. Terhechte)
Bei der Darstellersuche zu Geschwister sind wir einer Reihe von Personen begegnet, die sich mit einem oder beiden Beinen in einer kleinkriminellen Szene bewegt haben. Einer von ihnen war auch für eine größere Rolle vorgesehen, was sich jedoch zerschlagen hat, da er kurz vor Beginn der Dreharbeiten im Jugendgefängnis gelandet ist. Es gab etwas, das mir bei vielen von ihnen aufgefallen ist: diese Mischung aus Vitalität und Fatalis- mus, eine ganz eigentümliche Konfusion. Das hat mich interessiert. Das war nichts, was in Geschwister unterzubringen gewesen wäre. So ist schließlich ein eigenes Projekt daraus geworden. Ich habe mir zur Aufgabe gemacht, den Alltag einer solchen Person zu erzählen. Es war mir klar, daß dieses Thema verstellt ist durch einen Haufen von Klischees, insbe- sondere von denen des kriminellen Auslän- ders'. Ich habe mich gefragt, ob es nicht doch möglich ist, es etwas anders zu zeigen. Und ich habe mir gedacht, wenn es schon nicht möglich ist, völlig an den Klischees vorbeizu- gehen, dann kann man vielleicht versuchen, durch sie hindurchzugehen, d.h. von ihnen auszugehen, sie zu benutzen, um sie dann nach und nach aufzulösen, so daß etwas anderes sichtbar werden kann. Hierbei war es wichtig, bei der Darstellung der Personen türkischer Herkunft auf jedes folkloristische Detail, auf jede Behauptung oder Problematisierung einer Fremdartigkeit' zu verzichten. Des weiteren galt es, die Hauptfi- gur nicht in der Opferrolle einzuschließen, ohne schlicht in das Gegenteil, die ungebro- chene Darstellung eines harten Burschen' zu verfallen. Ich wollte in diesem Zusammenhang auch von den Dingen reden, an denen sich jemand wie Can den Kopf einrennt. Dinge, die er nicht in der Hand hat. Er bewegt sich in einem Umfeld, das ihm kaum Handlungsspiel- raum läßt. Dennoch überträgt er die Verant- wortung für sein Handeln niemand anderem als sich selbst. Auch wenn es ihm in seiner Verwirrung nicht gelingt, seine Situation klar zu erfassen, ist Cans Zustand nicht einfach nur pathologisch, sondern ist auch Ausdruck eines Gespürs für die Krankheit der ihn umgebenden Wirklichkeit." (Thomas Arslan)
BRD 1999, 74 Min., R+B.: Thomas Arslan, K.: Michael Wiesberg, D.: Tamer Yigit, Idil
Üner, Birol Ünel, Hussi Kutlucan, Lea Stefanel



Delikatessen
F 1990 99 Min.
R.: Jeunet+Caro
D.: Marie-Laure Dougnac, Dominique Pinon, Jean-Claude Dreyfus, Karin Viard
Alles Tierfleisch ist schon aufgegessen, und so kommen nun die Menschen unter's Messer. Doch geschlachtet werden ist nicht schön, darum pflegen die designierten Delikatessen Fluchtversuche zu unternehmen. Dabei kippt das, was als Horrorfilm beginnt, in eine Groteskkomödie mit zahlreichen Slapstickeinlagen.


Demain et encore demain (Journal 1995)
Morgen und wieder morgen (Tagebuch 1995)
F 1997 O.m.U. 79 Min.
R.: Dominique Cabrera
"Demain et encore demain ist weniger ein Tagebuch als ein poetischer Essay, dessen Grundstoff eine in der ersten Person erzählte persönliche Erfahrung ist, ohne daß die Offenbarung dieser Erfahrung zum Selbstzweck würde. Es ist aber nicht nur ein Film über den Problemfall Cabrera (Bulimikerin, ungeschickte Mutter, Tochter mit schwierigen Beziehungen zu ihren Eltern), sondern auch ein sich entwickelndes Selbstporträt der Regisseurin, eine spannende Reflexion über ihre künstlerischen Fähigkeiten... Wenn die Depression dem Gefühl gleicht, taub und stumm zu werden und in sich selbst zu versinken, bringt uns dieser oft leichtfüßige Film, der von einer wunderbaren Großzügigkeit und einer großen Fähigkeit zuzuhören zeugt, gute Nachrichten von seiner Autorin. Er ist der Beweis einer
wiederaufgenommenen Verbindung mit der Außenwelt und dafür, was Film vermag."
Jean-Marc Lalanne



Der Aal
Takuro hat aus Eifersucht seine Frau und deren Liebhaber erstochen und ein paar Jahre im Gefängnis gesessen. Dort begann seine Freundschaft mit einem Aal, den er ob seiner Schweigsamkeit schätzt. Mit ihm zusammen läßt er sich in einer abgelegenen Gegend nieder und gründet einen Friseursalon, in dem sich bald eine Menge kauziger Figuren einfindet, die der Film liebevoll porträtiert. Als Takuro eine junge Frau vor dem Selbstmord bewahrt, die der Ermordeten sehr ähnlich sieht, beginnen ihn die Schatten seiner Vergangenheit einzuholen und sein Weg zurück ins normale Leben führt ihn durch allerlei absurde Turbulenzen.
Japan 1997. O.m.U., 117 Min.
R.: Shohei Imamura, D.: Koji Yakusho, Misa Shimizu, Fujio Tsuneta



Der Aufstieg
UdSSR, 1976
(Woschozdenie) DF, 109 min
Regie: Larissa Shepitko B: L. Shepitko u. J. Klepikow, nach der Erzählung
"Sotnikow" von Wassil Bykau, K: Wladimir Tschuchnow, M: A. Schnittke, D: Boris
Plotnikow, Anatoli Solonizin, W. Gostjuchin, Sergej Jakowlew, Ludmila Poljakowa
u.a., P: Mosfilm
"Der Film handelt als erster sowjetischer Film von Kollaboration und Verrat wäh-rend
der deutschen Besatzung. Die expressiven Bilder erinnern an Passolinis
Mathäusfilm. Tatsächlich ist es die Geschichte von Judas' Verrat und Christi Passion
im Gewand russischer Partisanen.(...) Aufstieg wurde zu einem Kultfilm der
russischen Intelligenz."(Felicitas von Nostiz) Die Partisanen Sotnikow und Rybak
(heißt im Russ. "Fischer") sollen für ihren Trupp Lebensmittel beschaf-fen. In den
verschneiten Wäldern fallen sie den deutschen Besatzern und damit Portnow in die
Hände, einem gebildeten Kollaborateur (gespielt von Anatoli Solo-nizin, dem Andrei
Rubelew von Tarkowski). Aufstieg gewann 1977 den Goldenen Bären.
Larissa Shepitko (* 1938 in der Ukraine) studierte von 1954-63 am WGIK bei
Dowschenko und Romm. Sie starb 1979 bei den Dreharbeiten zu "Abschied von
Matjora". Ihr Mann Elem Klimov führte das kaum begonnene Projekt zu Ende.
Weitere Filme u.a. Das Vaterland der Elektrizität (1968), Du und ich (1971).



Der
Autobahnkrieg
BRD 1991 60min R,B+K.: Thomas Schadt
"Ich bin ein leidenschaftlicher Autofahrer, das heißt: Ich war es. Autofahren macht
keinen Spaß mehr, auf Deutschlands Autobahnen herrscht Krieg. Dichtes Auffahren,
Drängeln, rechts Überholen, Lichthupe, Ausbremsen, Rasen, rechthaben wollen,
schneller sein, stärker sein, den Vogel zeigen, links wieder einscheren, und
Tschüss...
Das, was dort draußen tagtäglich abläuft, entnervt selbst einen hartgesottenen
Kilometerfreak wie mich. Brutalismus auf Deutschlands Straßen, niemand darf das
überraschen, das ist Alltag. Dem Verkehr droht der Infarkt.
Auf Autobahnraststätten habe ich im Juni/Juli 1991 ganz normale AutofahrerInnen
gefragt, ob sie uns ein Stück mitnehmen, um mit mir vor der Kamera über
Autofahren zu sprechen. Aus diesen Interviews, Streiffahrten mit der Verkehrspolizei
und Polizeivideos ist dieser Film entstanden.
'Der Autobahnkrieg' ist ein Psychogramm des deutschen Autofahrers."
(Thomas Schadt)



Der
Bauch des Architekten
GB/I 1986 113 Min
R.+B.: Peter Greenaway
K.: Sacha Vierny
M.: Wim Mertens
D.: Brian Dennehy, Lambert Wilson, Chloe Webb
Wie schon 'Der Kontrakt des Zeichners' ist dies ein Film über die Arroganz eines
Künstlers und die Macht, die ihn dadurch leicht in die Knie zu zwingen vermag, und
auch über ideelles contra materielles Denken.
Und wie immer bei Greenaway geht es um das 'wie + was' sehen und deuten, ( was
z.B. bedeutet es, wenn der Protagonist die Vorlage falsch auf den Kopierer legt und
trotzdem die richtigen Kopien herauskommen ?), um Beobachtungen und
Abbildungen.
Ein wunderschöner Film, natürlich völlig künstlich; nichtsdestotrotz hatte ich am
Ende ebenfalls Bauchschmerzen.



Der Baum, der Bürgermeister und die Mediathek
F 1993 105 Min.
R + B : Eric Rohmer
K : Diane Baratier
M : Sébastien Erms
D : Fabrice Luchini, Pascal Greggory, Arielle Dombasle, François-Marie Banier
Der Film spielt in einem Dorf, doch das Problem dürfte auch Städtern durchaus bekannt sein : Der neue Bürgermeister , ein aus Paris kommender romantizierender Grüner, möchte in 'sein' Dorf das Medienzeitalter einziehen lassen und sich gleichzeitig ein Denkmal setzten ( so wie es auch Präsidenten, Kanzler usw. gerne tun ). Er plant eine 'Mediathek', ach was, ein Kultur- und Freizeitzentrum mit Kino und Schwimmbad und Bibliothek und ... .Leider, leider aber steht auf dem Baugelände ein Baum, den der Lehrer des Dorfes mit allen Mitteln verteidigen will. Und so wird geredet und gestritten, gesungen und erklärt, bis ... Nehmt das Ende als Märchen!



Der Blick
des Odysseus
(To vlemma tou Odyssea)
Griechenl., F, I 1995
DF / OmU 175 Min
R : Theo Angelopoulos
B : T.A., Tonino Guerra, Petros Markaris, Georgio Silvagni
K : Giorgos Arvanitis, Andreas Sinanos
M : Eleni Karaindrou
D : Harvey Keitel, Ma a Morgenstern, Erland Josephson, Thanassis Vengos u.a.
'Es gibt Regisseure, deren Absichten jede Reklame schadet. Theo Angelopoulos
muß jeder für sich entdecken.' (Dorothée Kreuzer in fd 19/95)
Der Film hat den Krieg auf dem Balkan zum Thema, 'einer weitgespannten modernen Variante der Homerschen Odyssee. Ein amerikanischer Regisseur (grandios : Harvey Keitel), selbst griechischer Abstammung, wird von der Athener Kinemathek gebeten, drei verschollene Rollen mit nicht entwickeltem Filmmaterial der ersten griechichen Filmpioniere zu finden. Auf seiner Suche nach den Spulen und sich selbst, auf seinen Irrfahrten quer durch den vom Bürgerkrieg geschüttelten Balkan sieht er die Wunden, die die wechselhafte Geschichte jener Region seit dem Ende des letzten Jahrhunderts geschlagen hat. Individuelle Geschichte, Länder- und Filmgeschichte durchdringen sich in einem dreistündigen Meisterwerk, dessen Facettenreichtum sich zur Gänze erst nach mehrmaligem Sehen erschließen dürfte.'
(Frank Klubertz)



Der diskrete Charme der Bourgoisie
Fra 1972 101min
R.: Luis Bu uel
D.: Fernando Rey, Delphine Seyrig, Stepán Audran, Bulle Ogier
Der Bunuel, in dem endlich einmal die Bourgoisie nichts zu essen kriegt.



Der einzige Zeuge
USA 85 112min
R: Peter Weir
D: Harrison Ford, Kelly McGilles
Ein Polizeidetektiv aus Philadelphia kommt bei der Bearbeitung eines Mordfalls ins Gebiet der Amish, einer deutschstämmigen Sekte, die alle Errungenschaften der modernen Zivilisation ablehnt. Der Zusammenprall unterschiedlicher Lebensauffassungen und die ständige Bedrohung des Lebens und des Traums von einer besseren Welt bilden den Hintergrund der spannenden 'Action- und Liebesgeschichte'.


Der eiskalte
Engel
le Samoura
Fra. 1967 98min
B+R.: Jean-Pierre Melville
D.: Alain Delon, Nathalie Delon, François P rier, Cathy Rosier
"Ich verliere nie, niemals wirklich" ist einer der wenigen Sätze die wir von Jeff zu hören bekommen. Jeff ist Killer und in der Ausführung seines Berufs perfekt bis zur letzten Konsequenz. Funktionell, isoliert und tragisch.



Der Eissturm
USA 1997, 112 Min., R.: Ang Lee, D.: Kevin Cline, Joan Allen, Sigourney
Weaver
November 73: Die sexuelle Revolution hat New Canaan, Connecticut, erreicht. Man praktiziert Partnertausch und Selbstverwirklichung, doch das Leben scheint eher zu einem Stillstand zu kommen.



Der Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam
(The Englishman who went up a hill and came down a mountain)
GB 1995 95 Min.
R + B : Christopher Monger
K : Vernon Layton
M : Stephen Endelman
D : Hugh Grant, Tara Fitzgerald, Colm Meany, Ian McNeice, Ian Hart, Kenneth
Griffith
Der Ffynnon Farw ist der Stolz der gleichnamigen waliser Gemeinde, war er doch die erste in Wales als Berg ausgewiesene Erhebung. Unerwartet tauchen im Dorf zwei Engländer auf: da neue Landkarten erstellt werden sollen, muß alles neu vermessen werden. Das Meßergebnis ist für das Dorf eine mittelschwere Katastrophe : Ffynnon Farw ist zu niedrig für einen Berg, es ist ein - ähem - Hügel. Nun ist, über alle sonstigen Zwistigkeiten hinweg, solidarisches Handeln, Witz und Einfallsreichtum gefragt, denn zwei Aufgaben sind zu lösen : wie macht man aus einem, ja, Hügel einen Berg, und wie behält man die beiden gegen ihren Willen länger im Dorf, damit sie erneut nachmessen können?



Der
Feuerwehrball
CSSR 1967 73min
R.: Milo Forman
D.: Václav Stockel, Josef Sv t, Jan Tostril
Eigentlich sollte es ein prima Feuerwehrball werden; mit Ordensverleihung, Wahl der "Miss Feuerwehrball" und so weiter. Doch die Feuerwehrleute der tschechischen Kleinstadt haben es dann doch wieder mit anderen Elementen zu tun.



Der Garten
Slowakei 1995 95 Min.
R.: Martin Sulik
D.: Roman Luknár, Marian Labuda, Zuzana Sulajová, Jana Svandová, Katarina
Vrzalová, Dusan Trancik
Martin Sulik mag Taugenichtse. Wie schon Thomas, der Held seines Films "Alles, was ich mag", hat es auch Jakub in fortgeschrittenem Alter noch zu nichts gebracht: Die Wohnung teilt er mit dem Vater, seine Geliebte mit ihrem Ehemann, und von einer gescheiten Arbeit kann auch keine Rede sein. Eines Tages läßt er alles stehen und liegen, um sich im verwilderten Garten seines Großvaters in einem baufälligen Häuschen niederzulassen. Dort findet er dessen Tagebuch und beginnt zu lesen, worauf sich merkwürdige Dinge ereignen und skurrilste Typen im Garten ein Stelldichein geben...



Der geflüsterte
Film
Ein Film mit Blinden für Hörende und Sehende
BRD 1992 67 Min.
R.: Nina Rippel
Sie sehen u.a.: Einen Dirigenten, der nicht dirigiert, einen Mann, der seinem Freund ein Bild vorsingt, eine Frau, die einer anderen das Fahrrad vom Gepäckträger aus lenkt und einen Fotografen, der seine Kamera vor seine Nase hält, während er den Auslöser drückt. Und zu hören gibt es auch eine ganze Menge.



Der gelbe Stern - Die Juden verfolgung 1933-1945
BRD 1980
R. u. B.: Dieter Hildebrandt
Dokumentarfilm über "Die jüdische Passions- Geschichte einer Verfolgung" - Die Dokumenta tion schildert den Leidensweg des jüdischen Volkes unter den Nationalsozialisten. Beschrie ben wird auch die Vorgeschichte dieses bis zum Völkermord getriebenen Antisemitismus. Der Film fragt nach den psychologischen und gesellschaftlichen Wurzeln des Rassenwahns. Gleichzeitig erinnert er an Rettungsversuche, Fluchtwege und Überlebensversuche der Ju den.



Der
Geschmack der Kirsche
Ein Mann fährt mit seinem Auto erst durch Teheran, dann durch riesige Baustellen in wüstenähnlicher Landschaft , auf der Suche nach einem Helfer für seinen geplanten Selbstmord - ein eher schwieriges Unterfangen, wie sich nach und nach herausstellt. Eigentlich erfährt man so gut wie nichts über ihn: Nichts über seine Motive, nichts über seine Biographie, außer daß er Soldat war und das als seine schönste Zeit im Leben bezeichnet. Gegen Ende findet er einen Mann - oder umgekehrt - von Beruf Tierpräparator (sic!), der ihm seine Hilfe anbietet, nicht ohne aber ihn zu überzeugen versucht, daß nicht alles sinnlos ist: `Willst du alles aufgeben? Auch den Geschmack der Kirsche? `
Iran 1997, O.m.U., 99 Min.
R. Abbas Kiarostami
D. H. Ershadi, A. Bagheri, A. Moradi, H. Noori A. Ansari



Der Glanz des Hauses Amberson
( The Magnificent Amberson )
USA 1941 88 Min.
R: Orson Welles
D: Joseph Cotton, Dolores Costello, Anne Baxter
Eine Familiensaga vor dem Hintergrund der industriellen Revolution, Unternehmertum contra Aristokratie. Die Ambersons gehörten zu den angesehensten Familien im Staate Indiana, und so heiratet Isabel Amberson natürlich nicht Eugene Morgan, den leichtfertigen Erfinder pferdeloser Wagen, sondern den ehrbaren Kaufmann Wilbur Minafer. Zwanzig Jahre später kommt der inzwischen als Autofabrikant erfolgreiche Eugene mit seiner Tochter Lucy in die Heimat zurück und steht - nach Wilburs Tod - dicht davor, Isabel zu heiraten, aber deren Sohn George vereitelt diese Verbindung.



Der Illusionist
Nl 1984, 85 Min.
R.: Jos Stelling
D.: Frek de Jounge, Wim van der Woode
Eine Freakige Gruppe sitzt beim Essen und fängt Fliegen. Einer sagt: "Fliegen ficken, Fliegen ficken". Geredet wird sonst kaum. Ein Fahrrad kippt vom Deich. Ein angeblich Verrückter kommt in die Klapse - auch wieder raus? Ich erinnere mich nicht mehr genau. Nur: komisch und sehr trocken war das ganze schon , aber auch ein wenig traurig.



Der kleine Gangster
(Le Petit Criminel)
F 1990 100 min
R.: Jacques Doillon
D.: Richard Anconina, Gérald Thomassin, Clotiilde Courau
Der Junge, das Mädchen und der Polizist, alle sind sie ratlos und deshalb müssen sie zusammen in ein Auto, ganz viel fahren und reden und sich so oft mit einer Pistole bedrohen, daß einem ganz schwindlig wird bei dem Versuch mitzuzählen, wie oft die tödliche Waffe den Besit zer wechselt. Ein Doillon-Film für all diejenigen, denen dieser Regisseur bisher zu schwierig war: traurig, komisch und merkwürdigerweise unglaublich schnell.



Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber
E/F/N 1989 125 Min
R. u. B.: Peter Greenaway
D. : Michael Gambon, Richard Bohringer, Helen Mirren
Unter einem riesigen Haufen barocker Bilder versteckt Greenaway die etwas schlichte Story des vulgären, brutalen Mafiosi Albert, der allabendlich in sein Lieblingsrestaurant einfällt, seine Frau demütigt und die Umgebung tyrannisiert. Die Frau erholt sich heimlich auf der Toilette mit ihrem Liebhaber von Albert, aber der kommt ihnen auf die Schliche. Ein stilvolles Rachemenü, man sollte aber vor dem Anschauen nicht zu viel essen.



Der
Kontrakt des Zeichners
GB 1982 108 Min.
R.: Peter Greenaway
D.: Anthony Higgins, Janet Suzman, Anne Louise Lambert
Der Kontrakt des Zeichners liest sich wohl am besten als Kontrakt des Künstlers (mit der Gesellschaft), schafft unser Zeichner sich doch durch einen Vertrag mit der Herrschaft ideale Arbeitsbedingungen, glaubt, alle Macht in Händen zu halten und erkennt seinen Irrtum erst im Augenblick seines Todes: Nicht er hat die Mächtigen ausgetrickst, sondern sie ihn.
Diesseits des Gleichnisses ein schöner spannender Bilderfilm mit Musik (von Michael Nyman).



Der Kopf des Mohren
Österreich 1995
116 Min.
R. Paulus Manker
B. Michael Haneke
D. Gert Voss, Angela Winkler, Manuel Löffler, Leni Tanzer
Da gibt es Bedingungen oder Situationen, die einen schlagartig, wie aus heiterem Himmel sensibilisieren, wo zeitweise jede lebensnotwendige Verdrängung nicht mehr zu funktionieren scheint. Die äußere Bedrohung wird zu einer inneren. In dieser Lage befindet sich der Wissenschaftler Georg Hartmann, der von einer Umweltkatastrophe hört, die ihn plötzlich aus der Fassung geraten läßt. Seine Familie schickt er in Urlaub und fängt an, aus seiner Wohnung eine grüne Festung zu basteln. Aber das ist nur der Anfang...
Mit triefiger Betroffenheit hat der Film wenig zu tun. Dazu ist die Inszenierung zu kühl und distanziert, fast wie bei einem Michael Haneke-Film ( `Bennys Video`) , der hier auch das Drehbuch schrieb. Jede Wette, daß der Film für jede Menge Diskussionen sorgen wird. Vergessen jedenfalls wird man ihn nicht so schnell.



Der Krieg ist vorbei
Frankreich/Schweden 1966
R.: Alain Resnais
D.: Yves Montand, Ingrid Thulin, Genevieve Bujold
Ein Revolutionär (Yves Montand) in der Krise. Als Kurier zwischen der republikanischen Führung in Paris und der Opposition gegen das Franco-Regime in Spanien selbst unterwegs, überwirft er sich mit den Funktionären im Exil, die die politische Wirklichkeit des Landes längst aus den Augen verloren haben.



Der Kühlschrank
USA 1991 88 Min.
R.: Nicholas A.E.Jacobs
D.: Julia McNeal, David Simonds
Ein junges Paar zieht erwartungsfroh nach New York City. Großstadtabenteuer, Karriere und allerspießigstes Eheglück drohten, gäbe es in diesem schrecklichen Yuppie-Haushalt nicht eine charakterstarke Figur: Den Kühlschrank. Gefräßig, aber naturgemäß der einzige, der einen kühlen Kopf bewahren kann. Ein witziges, kleines Monster-Movie, daß dereinst ein Kultfilm werden könnte.



Der perfekte Kreis (Savrseni krug)
Bosnien/Frankreich 1997 108 Min. O.m.U.
R.: Ademir Kenovic
B.: Ademir Kenovic, Abdulah Sidran
K.: Milenko Uherka
D.: Mustafa Nadarevic, Almedin Leleta, Almir Podgorica
Der Dichter Hamza versucht im belagerten Sarajevo zu überleben. Seine Familie hat die Stadt bereits verlassen, er selbst träumt von Essensvorräten, die seine Frau irgendwo in der Wohnung angelegt haben könnte. Zufällig nisten sich zwei Kinder bei ihm ein, deren Eltern umgebracht wurden und Hamza verspricht, ihre Verwandten zu finden, inmitten des Chaos einer zerstörten Stadt. "Der perfekte Kreis" wurde während des Krieges in Sarajevo geschrieben und gedreht und es ist der Blick von Innen, der den Film außergewöhnlich macht und der Sinn fürs Lakonische, der einen Alltag unter Lebensgefahr beschreibt ohne ins pathetische abzugleiten.



Der Postmann
( Il Postino )
I 1994, 108 Min.,
R : Michael Radford
B : Anna Pavignano, M. R., Furio Scarpelli, Giacomo Scarpelli, Massimo Troisi, nach
einer Erzählung von Antonoi Skarmeta
K : Franco Di Giacomo
M : Luis Enrique Bacalov
D : Massimo Troisi, Philippe Noiret, Maria Grazia Cucinotta, Linda Moretti, Renato
Scarpa
'Wenn ein Mann anfängt, dich mit seinen Worten zu berühren, ist er mit den Händen nicht mehr weit!' ( Donna Rosa )
Auf einer Insel vor der Küste Neapels bezieht der kommunistische Dichte Pablo Neruda Exil. Held der Geschichte ist jedoch Mario, ein Fischerssohn, der nicht zur See fahren möchte und dadurch, daß er lesen kann, die Stelle als persönlicher Postbote Nerudas bekommt. Der am Anfang etwas einfältig wirkende Mann liest dessen Gedichte, die auf Frauen eine so unwiderstehliche Wirkung auszuüben scheinen, sucht die Freundschaft zu dem Autor und wächst im Laufe dieser Begegnung über sich hinaus.



Der
Prozeß der Jeanne d'Arc
Frankreich 1961 64min
R.: Robert Bresson
B.: R.B. nach den Akten des Prozesses
D.: Florence Carrez, Jean-Claude Fourneau, Marc Jacquier
Der Prozeß der Jeanne d'Arc ist historisch und spielt trotzdem in der Jetztzeit. Grundlage sind die Protokolle des Prozesses, der 1431 stattfand. Aus ihnen entnahm Bresson den Dialog, wobei er gerade jene Stellen auswählte, die sich auf die Person der Jeanne selbst beziehen. Von Interesse sind weniger die Hintergründe der politischen Ereignisse, der Machtkonstellationen, als vielmehr der Charakter des Verhaltens der Frau, die sich weigert ihre eigene Erfahrung, die im Gegensatz zur Ordnung steht, zu leugnen.



Der Prozeß
BRD/Frk/Ita 62
R: Orson Welles
D: Anthony Perkins, Jeanne Moreau, Romy Schneider, Orson Welles,
Josef K wird am frühen Morgen verhaftet. Die Fäden eines kommenden Prozesses spinnen sich um ihn, unsichtbar und anonym.Gefangen in einem immer engmaschiger werdenden Netz, sieht er sich einem imaginären, überall und nirgendwo gegenwärtigen Gericht konfrontiert. Wohin er sich auch wendet, er trifft nur auf untergeordnete Instanzen, aber er findet den Vorhang nicht, hinter dem sich die zentrale Gewalt verbirgt. Josef K., der weder die Anklage, noch den Prozeßverlauf kennt, wird zur Exekution gebracht.



Der Saustall
Fra 1981 128min, R.: Bertrant Tavernier, B.: B.T. nach dem Roman
Pop1280 von Jim Thompson, M.: Phillppe Sarde, D.: Philippe Noiret, Isabelle
Huppert, Jean- Pierre Marielle, Stéphan Audran, Guy Marchand
"Am Vorabend des zweiten Weltkrieges führt die weißr Verwaltungselite in dem staubigen schwarzafrikanischen Städtchen am Fluß ein langweiliges Leben sorglosen Müßiggangs. Im Zentrum des Films steht der ziemlich nachlässige, dabei gutmütige Polizist Lucien (Philippe Noiret), Er, der jahrelang den Trottel spielt und so manche demütigung von Seiten seiner Frau (Stéphane Audran) und seiner Mitfranzosen achselzukend einsteckt, dreht auf einmal den Spieß um. Lucien Cordier räumt den Saustall richtig auf und entwickelt bei der Beseitigung seiner Peiniger ungeahnte Virtuosität. Taverniers Film wurde Zynismus vorgeworfen. Doch wenn man sich als Zuschauer diebisch dabei amüsiert, wie ein gutmütiger Killer ohne Gewissensbisse noch fieseres Gesindel zur Strecke bringt, verschieben sich die Sympathien und moralische Wertungen auf eine andere Ebene. Einer der besten Filme der Achtziger." Gerald Jung in der Zitty
Der Film ist von 1981, hat aber seit einigen Jahren, wie so viele, auch jüngere Filme wegen Lizenzablauf keinen Verleih mehr. Dies finden wir so schade, das wir uns hier (wie auch schon bei z.B. 'Dust'), trotz erheblichen Mehraufwands, um eine Filmkopie und Aufführungsrechte bemüht haben.




.



Der Schätzer
(The Adjuster)
Kanada 1991 102min
R: Atom Egoyan
D: Elias Koteas, Arsinee Khanjian, Maury Chaykin,
Noah Render ist Versicherungsvertreter. Seine Aufgabe besteht darin Menschen, die soeben durch einen Brandschaden ihre ganze Existenz verloren haben, bei der Bewältigung und Feststellung des Schadens zur Seite zu stehen. Noah/ eine Klientin: - Was genau listen wir hier auf?
- Ihre Habe, Arianne.
- Die eines bestimmten Lifestyles. Wenn dieser Lebensstil mal zerstört ist...
- Dann bauen wir ihn wieder auf.
- Wovon, Noah? Wozu?
Er selbst bewohnt ein herrliches Haus, das einsam die Landschaft beherrscht, ein Modell-Haus: Relikt eines kühnen Bauprojekts, das mangels Finanzierung, vor dem eigentlichen Baubeginn wieder aufgegeben werden mußte. Von Zeit zu Zeit spannt Noah seinen Bogen und schießt durch das Fenster seines Zimmers, Reklametafeln als Zielscheibe. Hera ist seine Frau und überprüft bei der staatlichen Behörde Pornofilme. Das geht ungefähr so:
- Bert (ein Kollege)
Gut wir scheinen uns ja einig zu sein: 25 As, 13 Bs, 2 Cs, 43 Es, 39 Fs, keine Gs,
erstaunlich, und 3 Hs. Noch Anmerkungen, Fragen? Gut Jerry, was haben wir als
nächstes?
Es gibt natürlich noch viel mehr herrliche Episoden und skurile Personen und alle diejenigen die noch nie etwas von Atom Egoyan gehört haben, sollten sich diesen Film anschauen. Einmal auf den Geschmack gekommen ist "Calendar", der neueste Film von ihm, natürlich ein Muß.



Der siebte Himmel (le septième ciel)
F 1997 O.m.U. 91 Min.
R.: Benoit Jacquot D.: Sandrine Kiberlain, Vincent Lindon, François Berléand, Francine
Bergé, Pierre Cassignard, Léo Le Bevillon
Mathilde geht es schlecht, sie arbeitet nicht mehr, stiehlt zwanghaft Spielzeug in Kaufhäusern und fällt gelegentlich in Ohnmacht. Ihr Mann Nico, ein hemdsärmeliger, pragmatischer Chirurg, steht solch komplizierten psychischen Problemen ratlos gegenüber und kann ihr nicht helfen. Mit Hilfe eines Psychiaters -ob erträumt oder echt, sei dahingestellt- heilt sie sich, überwindet auch ihre sexuellen Störungen so rasch, daß nunmehr Nico, der seine Frau nicht mehr wiedererkennt und darum hinter all diesen Vorgängen einen Nebenbuhler wittert, in eine heftige Krise stürzt. Er versucht nun ebenfalls, sich ebenfalls von einem Psychiater -der ist nun definitiv nicht erträumt, sondern äußerst realistisch und liefert zwei Szenen voll wunderbar lakonischer Komik- helfen zu lassen.
Ein Film mit zwei Teilen, zwei Geschichten und einem sehr fließenden Übergang.



Der Sturm
(Eine überraschende Komödie)
USA 1982 142min
R.: Paul Mazursky
D.: John Cassavetes, Gina Rowlands, Susan Sarandon
John Cassavetes spielt den Stararchitekten Philip, der seine gesamte Existenz, die Beziehung zu seiner Frau, seiner Familie und auch sein architektonisches Werk in Frage stellt. Er weigert sich, einen Auftrag zu Ende zu führen, und überläßt den Skyscraperrohbau sich selbst und kehrt zusammen mit seiner Tochter der Stadt New York den Rücken, um auf einer griechischen Insel in selbstgewählter Verbannung zurück zu seinen Wurzeln und einem völlig neuen Ich zu finden. Philip ist fest davon überzeugt, daß er in Wirklichkeit gar kein Architekt ist. Auf dieser einsamen, wunderschönen Insel, wo es für den erfolgsgewohnten Architekten aus New York rein gar nichts zu tun gibt, außer das Leben zu genießen, dauert es nicht lange, bis in seiner Kargen Kemenate an den Wänden erste Entwürfe und Architekturskizzen zu sehen sind. Und schon ist er mit Enthusiasmus dabei, ein altes verfallenes Amphitheater wieder aufzubauen.



Der Teufel
möglicherweise
(Le Diable probalement)
F 1976 95 Min O.m.U.
R + B : Robert Bresson
M : Philippe Sarde
D : Antoine Monnier, Tina Irrisari, Henri de Maublanc
Charles, ein junger Mann aus Paris, versucht, angesichts der immer weitergreifenden Umweltzerstörung, der Kom munikationsunfähigkeit der Menschen und der Auslöschung durch Verwaltung der Phantasie eine Antwort auf die Frage 'wie, oder: wozu weiterleben?, zu finden. Die einzige Lösung, die ihm richtig erscheint, ist letztendlich die völlige Verweigerung: er läßt sich erschießen. Der Film ist sowohl inhaltlich als auch formal radikal genug, um seinerzeit vom Filmfest in Cannes abgelehnt zu werden.



Der Tod kennt keine Wiederkehr
USA 1972 112min
R.: Robert Altman
D.: Eliot Gould, Nina von Pallant
Altmans Detektiv Marlowe ist eine Oberflasche: Er hat Angst vor Hunden, bremst für Tiere und schafft es nicht, seiner Katze ungewohntes Futter anzudrehen. Trotzdem ist dieser Film keine Satire, die ja doch nur gewohntes aufwärmen würde. Das Bild vom Privatdetektiven, seine Verlorenheit, seine Coolness, irgendwo auch seine Revolte, wird hier gleichzeitig bestätigt und zerstört. Wenn man "Der Tod kennt keine Wiederkehr" sieht, muß man wissen, daß man einen Detektivfilm sieht.
Marlowe: So you used me.
Terry: Hell that's what friends are for, nobody cares.
Marlowe: Yeah, nobody but me.
Terry: Well, that's you, Marlowe. You'll never learn, you're a born loser.
Marlowe: Yeah, I even lost my cat.
(Der Film läuft in dt. Fassung)



Der Totmacher
BRD 1995 114 Min.
R.: Romuald Karmakar
D.: Götz George, Jürgen Hentsch, Pierre Franckh
Fritz Haarmann hat einige Kinder getötet und zerstückelt. Er ist geständig, sodaß für das Gericht nur noch die Frage seiner Zurechnungsfähigkeit von Bedeutung ist. Es bestellt einen Psychologen, der Haarmann untersuchen soll. Die Protokolle dieser Untersuchungsgespräche sind Grundlage des Films, der sich so auf der Grenze zwischen Dokumentar- und Spielfilm bewegt. Der Psychologe, der zunächst davon überzeugt ist, es mit einem Monster zu tun zu haben, muß immer mehr einsehen, daß jemand nicht schuldig sein kann, der einfach nicht das geringste Bewußtsein von Unrecht und Schuld besitzt und entwickelt beinahe fürsorgliche Gefühle für den kindlichen Haarmann. Angesichts der hier zitierten Protokolle erscheint es wie ein Hohn, daß Haarmann auf Druck der Obrigkeit in vollem Umfang für zurechnungsfähig befunden und geköpft wurde. Ein gelungenes Kammerspiel - auch deshalb, weil Götz George es wider Erwarten fertigbringt, einmal nicht das sexstrotzende, lebensfrohe Urviech zu geben, sondern wirklich das verzweifelte arme Würstchen Haarmann.




Der vierte Mann
Niederlande 1983 102 Min
R.: Paul Verhoeven
D.: Renee Soutendijk, Geert de Jong, Hermann van Veen
Der vom Katholizismus angegriffene Schriftsteller Gerard lernt eine verführerische, dreifache Witwe kennen. Sein Freund verfällt ihr und möchte sich mit ihr vermählen. Gerard beklemmen grauenvolle Visionen und Nachtmahre. Gleich der Schwarzen Witwe unter dem Spinnengetier scheint ihm die Frau, seinen Freund wähnt er dem Verderben nah. Preisgekrönte, morbide Spielerei um Magie und Zukunftsangst.



Der Weichensteller
Ndl. 1985 96min
R.: Jos Stelling
D.: Jim van der Woude, Stéphane Excoffier, John Kraaykamp
Irgendwo in der Pampa lebt ein Mann - von Beruf Weichensteller. Weitab der Zivilisation geht er seiner Arbeit gewissenhaft und sehr kunstvoll nach. Eines Tages wird er für längere Zeit gestört: Eine Frau erreicht irrtümlich seine Station und mit ihr verändert sich vieles. Alles gerät irgendwie aus der Balance und wird sich auch nie wieder einrenken lassen. - Bei uns nennt man das wohl Sozialisation. Kulturen haben die Initiation als Einrichtung erfunden: Alleine sein klappt wohl nicht. Schade!



Der Wilde
( The Wild One )
USA 1953
R: Laslo Benedek
D: Marlon Brando, Lee Marvin, Mary Murphy,
Brando spielt Johnny, den Anführer der vierzigköpfigen "Blind Rebels", die in einer kalifornischen Kleinstadt ihr Unwesen treiben. Sie sind von einem Motorradrennen ausgeschlossen worden und lassen nun ihren Frust an den Bewohnern der Stadt aus. Langsam aber sicher, nachdem sie keinerlei Gegenwehr verspüren, versetzen sie die Stadt in Angst und Schrecken. Sie rasen in die Geschäfte, provozieren die Bürger, zertrümmern Ladeninventar, belästigen Frauen und besetzen alkoholisiert die Straßen. Mitten in diese Krawalle gerät Chino (Lee Marvin) mit seiner Gang, ein Rivale Johnnys. Im Gegensatz zur einheitlich in Leder gekleideten Gang Brandos wirken die Mannen und Frauen die sich um Lee Marvin gruppiert haben, wie eine Vorwegnahme der Hippiekultur. Schluderig und heruntergekommen und mit einem Anführer, der viel zu lange Beine hat. Gemeinsames Attribut ist allen nur das Motorrad, aber selbst die wirken bei Lederjackenkerlen einfach besser. Chino verliert den unumgänglichen Zweikampf mit Johnny und braust ab in die Wüste. Dieser Zweikampf ist übrigens eine der besten Szenen und eigent- lich ist Lee Marvin der heimliche Star von 'The Wild One'.



Der Willi-Busch-Report
BRD 1979 120 min
R.: Niklaus Schilling
D.: Tilo Prückner, Dorothea Moritz, Kornelia Bojs u.a.
Das Zonenrandgebiet gibt es inzwischen nicht mehr (oder doch?), aber in diesem Film markiert es ohnehin keine politische Grenze, sondern die zum Unbekannten, das gleichzeitig aus alter Zeit so merkwürdig bekannt ist. Hier lebt Willi Busch. Um seine sterbende Provinzzeitung zu retten, schafft er selbst Nachrichten, die bald ein Eigenleben annehmen, dem er kaum gewachsen ist.


Der Würgeengel
Mexiko 62 92min
R: Luis Bunuel
D: Silvia Pinal, Lucy Gallardo,Jacqueline Andere, Augusto Benedico
Eine vornehme Gesellschaft wird wie durch eine unsichtbare Wand in einen Raum eingeschlossen. Konventionen werden in dieser Notlage überflüssig und menschliche Umgangsformen zusehends roher. Mit sichtlichem Vergnügen führt Bunuel vor, was mit Herrschaften passiert, die plötzlich der Requisiten ihres vornehmen Getues beraubt werden, (sie scheißen in den Wandschrank) natürlich benehmen sie sich viel schlechter als die, die immer ohne diese Requisiten auskommen müssen. Ein großer Spaß für all diejenigen, die diese Typen noch nie leiden konnten.



Der Zementgarten
BRD,GB,F. 1992 O.m.U. 105 Min.
R. Andrew Birkin
D. Andrew Robertson, Charlotte Gainsbourg
In einem - außerhalb der Stadt gelegenen - Haus, das mehr einem Bunker ähnelt, lebt eine Familie, die bald, durch den Tod von Vater und Mutter, auf die vier Geschwister reduziert ist. Diese beschließen, indem sie die Leiche der Mutter im Keller einzementieren, alleine und zusammen zu bleiben. Zwischen den beiden älteren Geschwistern bahnt sich nach und nach eine Liebesgeschichte an, was so schüchtern und zerbrechlich wirkt, das es einem warm ums Herz wird.



Des Nouvelles du bon dieu
Frankreich, Schweiz, Portugal 1996 100 Min. O.m engl.Ut.
R. u. B.: Didier le Pecheur
D.: Marie Trintignant, Maria de Medeiros, Christian Charmetant
Das Problem mit dem lieben Gott, das wir ja alle gelegentlich hatten, oder haben, das die Esoterikbranche und andere häßliche Nebenwirkungen hervorrief, wird hier nur nebensächlich und kindgerecht behandelt. Eigentlich laufen sich verschiedene, höchst sympathische Menschen warm für eine Reise durch Zeit und Raum, die verändert, fortgesetzt oder beendet werden kann. In diesem Fall durch einfaches Füsilieren. Es geht also darum, morgens aus dem Bett in die nächste Kaffeekanne zu kriechen, danach schlimmeres zu erleben und schließlich nichts davon zu erinnern. Die Filmfiguren tun dies, indem sie den Thesen ihres Lieblingsautors folgen, der sich mit seinem Wagen totfuhr, um zu beweisen, daß man seinem Schicksal entkommt, wenn man es selbst in die Hand nimmt. "Nouvelles..." ist übrigens eine Komödie.



Devils don't dream!
Nachforschungen über Jacobo Arbenz Guzmán
Schweiz 1995 90 Min.
Regie und Buch : Andreas Hössli
Guatemala 1950 - Jacobo Arbenz, Sohn eines verarmten schweizer Einwanderers, wird zum Präsidenten gewählt. Zuvor hatte er den erfolgreichen Aufstand gegen die Militärdiktatur, die seit der Kolonialisierung das Land beherrschte, angeführt. 1954 wurde er gestürzt, ging in die Schweiz ins Exil. Wer war dieser Mensch, der einen neuen Weg gehen wollte, aber keiner Partei angehörte, der von seinen Feinden verteufelt wurde ('...ein Fremder, von einer fremden Macht manipuliert'- Richard Nixon), und was geschah in diesen 4 Jahren, zu Beginn des kalten Krieges? Wie entstanden die Bilder von ihm - der Held, der schwache Verräter, der betrogene Mann, der Kommunist -, wie wurden die Geschehnisse seinerzeit erklärt und wie werden sie heute interpretiert? Blickt man auf Geschichte, blickt man zuerst aus seiner Zeit heraus, und so fasste Hössli Ereignisse und Statements, politische Reden und Interviews von damals und heute zusammen. Die chronologische Geschichtsschreibung, bei der uns suggeriert wird, es handle sich um 'die Geschichte', wird so unterlaufen.



Devils Island
Island in den fünfziger Jahren. Ähnlich wie hier träumt man auch dort von Amerika. Doch ist es nicht so einfach den Sprung über den großen Teich zu schaffen. Und so lebt man eher unter ärmlichen Verhältnissen in verlassenen US- Militärkasernen bzw. Wellblechhütten und träumt und träumt. Irgendjemand schafft dann doch den Sprung ins gelobte Land, doch ändern tut sich nichts. Eine rüde Komödie über eine nicht ganz alltägliche Familie und ein alltägliches Land. Ach ja, der Film hatte in Island mehr Zuschauer als das Land Einwohner zählt.
Island 96, 103 Min., OmU
Regie.: Fridrik Thor Fridriksson
D.:Baltasar Korm kur, Gisli Halld rsson, Sigurveig J nsd ttir



Dezember, 1-31
...'Also heute ist der 1. Dezember und ich steh jetzt doch wieder vor meiner Kamera und quatsche drauflos. Also, "doch wieder" muß ich sagen, weil ich mir eigentlich vorgenommen hatte, nachdem ich letztes Jahr das Projekt November" gemacht habe, daß es keine Wiederholung geben sollte. Alleine schon deshalb nicht, um nicht wie ein Frühvergreister dazustehen, der keine neuen Ideen mehr hat...' Warum Jan Peters seine Meinung geändert hat, erfahren wir im folgenden. Es wäre aber auch sehr schade gewesen, immerhin war der Film eines der Glanzlichter der letzten Berlinale. Wie schon bei November..." filmte Peters jeden Tag 3 Minuten (eine Filmrolle), und so entstand eine Art Filmtagebuch": eine selbstironische, manische, unterhaltsame, konsequente und auch komische Trauerarbeit, bestehend aus Alltagsbeobachtungen, philosophischen Reflexionen und den Versuchen, Zusammenhänge zu erkennen. Er führt uns über Hannover nach Paris, von Telefonzellen zum Radioteleskop in Nancy, ins Internet, zu einer Geisterbeschwörung, und über die Berge schließlich in die Wolken...
BRD 1999 97 Min. R + B + K : Jan Peters



Dezemberbraut
Decemberbride
Irland/GB 1990 OmU 90 min., R.: Thaddeus O'Sullivan, B.: David Rudkin nach dem
Roman von Sam Hanna Bell, K.: Bruno de Keyzer, D.: Donal McCann, Saskia
Reeves, Ciaran Hinds
Nordirland, um die Jahrhundertwende. Sarah hat sich entschieden. Sie setzt sich durch, auch gegen den Widerstand der Gemeinde : mit beiden Männern, die sie liebt, will sie zusammenleben, keinen von beiden heiraten. Dennoch ist dies keine der üblichen (Film-) Dreiecksbeziehungen. Nach kurzer Auseinandersetzung finden sich die Brüder mit ihrem Entschluß ab. Weder ein Eifersuchtsdrama noch ein leidenschaftliches hin und her wird hier in Szene gesetzt. Man gibt sich eher wortkarg. Und dies ist in einer Umgebung, die durch das kühle Blau des manchmal auch totbringenden Meeres, das dunkle Grün der Felder und Bäume und das tiefe Braun schwer zu bestellender Felder geprägt wird, nur folgerichtig.



Die Akte
USA 1993 141 Min.
R.: Alan J. Pakula
D.: Julia Roberts, Denzel Washington, Sam Shepard
Daß der Westernheld einen korrupten Sheriff bekämpfen muß, um zu beweisen, daß das System an sich gut, aber ab und zu gegen böse Individuen zu verteidigen ist, hat man in einigen alten Filmen gesehen. Heutzutage scheint die Skepsis in Amerika tiefer zu sitzen. FBI, CIA und in ihrem Auftrag arbeitende Profikiller - kurz, der gesamte Polizeiapparat - trachten Julia Roberts nach dem Leben, weil sie etwas weiß, das die Macht gefährdet. Schneller, spannender Thriller, der die echt aufmüpfige Frage nahelegt, ob denn sein Herkunftsland wohl von Mördern und Spitzbuben regiert wird. Ach ja, welches Amt war es nochmal, für das Oliver North gerade so aussichtsreich kandidiert?





Die Alptraumfrau
BRD 1980 86 Min.
R: Lothar Lambert
B: Lothar L. K: Lothar L. P: Lothar L.
D: Ulrike S.,Dagmar Beiersdorf, Lothar Lambert,
Lamberts Bo Derek Ulrike S. erleidet Kopfschmerzen, Selbstmordideen und Putzzwang und wer mit Lambert noch nichts anzufangen weiß, sollte es mit diesem Film versuchen.


Die Architekten
DDR 1990 107min
R.: Peter Kahane
D.: Kurt Naumann, Rita Feldmeier, Uta Eisold, Ute Lobosch
Daniel ist Architekt, hat aber vor lauter Idealismus bisher nur Strom- und Bushäuschen bauen können. Nun kommt seine große Chance: ein 80 Millionen Kulturzentrum. Sein Team stellt er aus Freunden und ehemaligen Studienkollegen zusammen. Wie 'Die glorreichen Sieben' stapfen sie übers Baugelände. Die Pläne werden groß, bahnbrechend. Doch dann stützen die Sachzwänge auf sie ein und ein modernes Melodram nimmt seinen Lauf.




Die Armee
der Finsternis
Army of Darkness
USA 1992 95 Min.
R.: Sam Raimi
D.: Bruce Campbell, Embeth Davidtz, Marcus Gilbert
Mehr Fantasie als Horror, Komödie anstatt Splatterfilm - der dritte Teil des 'Tanz der Teufel'-Zyklus ist auch für wenig blutrünstige Menschen verdaulich. Ash -unser Held- landet ungewollt mitsamt Kettensäge, Auto und Gewehr in König Arthurs Reich. Nach Auflösung gewisser zwischenmenschlicher Schwierigkeiten bleibt der Kampf gegen sein böses Ich, seine kleinen bösartigen Ichs und eine prima Armee von Untoten, der bravourös, dank der Erfahrung von Jahrhunderten, gewonnen wird.




Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos
BRD 1967 103 min
R+B.: Alexander Kluge
D.: Hannelore Hoger, Siegfried Graue, Alfred Edel
Die Utopie vom Reformzirkus: Frau Peikert sieht ein, daß sie nicht Artistin bleiben kann, wenn sie freie Unternehmerin sein will. Nur als Kapitalist ändert man das, was ist.
Tut der Kapitalist, was er liebt, und nicht, was ihm nützt, wird er von dem, was ist nicht unterstützt.
Sich Mühe geben allein nützt gar nichts. aus: s.o.



Die Detektivin
(Pas tres catholique)
Fra 1993 100min
R.: Tonie Marshall
D.: Anémone, Roland Bertin, Grégoire Colin
Das Genre des Detektivfilms wird hier ziemlich an den Rand gedrängt, denn Maxime ist zwar Detektivin (Sie betont es oft genug), aber das ist halt auch nur eine Art mit viel rumsitzen und Papierkram seine Brötchen zu verdienen. Unabhängig will sie sein, und unorthodox. Sie raucht viel, zieht sich, wie es heißt 'nachlässig' an, hält ihre Geliebte auf Distanz, läßt den neuen Lover warten und trifft zufällig, nach Jahren, ihren, inzwischen jugendlichen Sohn (irgendwann war da mal eine Ehe), den sie mit etwas Neugier und einiger Faszination betrachtet, ehe sie ihn irgendwo stehenläßt. Naja, Vergangenheit ist schon was lästiges.



Die Duellisten
GB 1976 101min
R.: Ridley Scott
D.: Harvey Keitel, Keith Carradine
Während der Napoleonischen Kriege duellieren sich zwei französische Offiziere über Jahre hinweg bei jeder sich bietenden Gelegenheit, obwohl sie sich allmählich nicht mehr an die Ursache des Hasses erinnern können. Ungewöhnlich brilliant inszeniertes (= schöne Bilder) Erstlingswerk von Ridley Scott (Blade Runner, Alien).




Die dunkle Seite des Herzens
( El lado oscuro del corazon )
Arg/Kan 92 127 Min OmU
R + B : Eliseo Subielo
K : Hugo Colcaca
M : Osvaldo Montes
D : Dario Grandinetti, Sandra Ballesteros, Nacha Guevara, Jean Pierre Reguerraz Oliverio, ein junger Dichter in Buenos Aires, ist ein geborener Bohemien, der sich sein Geld mehr schlecht als recht mit Werbesprüchen verdient. Daneben verbringt er seine Zeit damit, Liebesgedichte gegen Steaks einzutauschen oder Autofahrern seine Verse vorzutragen. In Wirklichkeit ist er auf der Suche nach der Frau, von der er nur eines verlangt : daß sie vom Boden abheben, mit ihm fliegen kann.







Die Ehe der Maria Braun
BRD 1978 120min
R.: R.W.Fassbinder
D.: Hanna Schygulla, Klaus Löwitsch, Iwan Desny
BRD1
Die Geschichte der selbstbewußten, im Geschäft und in der Liebe konsequenten Maria Braun, die männliche Spiel- und Lebensregeln imitiert, die im Chaos der Nachkriegzeit den Aufstieg aus dem Kleinbürgertum schafft, und dann genau an einem männlichen Komplott zugrundegeht und Deutschland ist Weltmeister.


Die Erde ist unser sündiges Lied
(Maa on Syntinen Laulu) Finnl.73 O.m.U. Erstauführung!
R: Rauni Mollberg
D: Maritta Viitamäki, Pauli Jauhojärvi,
Aimo Saukko
Der Film spielt im Finnland der Nachkriegszeit, in einem kleinen Dorf in Lappland. Die Hauptperson des Films, die 19jährige Martta, verliebt sich in einen Rentierzüchter, einen Lappen, der im Dorf weilt und möchte mit ihm ziehen. Mit Fortschreiten der Romanze scheuen die Dorfbewohner auch vor den grausamsten Druckmitteln nicht zurück, um Martta ihrer engherzigen, beschränkten Doppelmoral zu unterwerfen. Als Martta schwanger ist, droht ihr Vater dem Lappen blutige Rache an.



Die Ewigkeit und ein Tag
(Mia eoniotika ke mia mera)
Gr. 1998 130 Min. griech.O.m.U.
R.: Theo Angelopoulos
D.: Bruno Ganz, Isabelle Renaud, Fabrizio Bentivoglio, Achileas Skevis
Ein Sonntag in Saloniki. Am nächsten Tag soll Alexander (Bruno Ganz) ins Krankenhaus gehen. Der todkranke Dichter wird es nicht wieder verlassen können. Eigentlich will er diesen Tag nutzen, um alles zu regeln: Jemandem seinen Hund andrehen, seiner langjährigen Haushälterin danken und Abschied von seiner Tochter nehmen, der er sich nicht traut, die Wahrheit über seinen Zustand zu sagen; er liest noch einmal die Briefe seiner verstorbenen Frau, die zeigen, wie sehr sie ihn geliebt hat, während er -in sich und seine Arbeit zurückgezogen- nicht in der Lage war, diese Liebe zu erwidern. Doch dann platzt Alexander immer wieder dieser kleine albanische Illegale, der dringend seine Hilfe braucht, in den Abschiedstag. Bewegung kommt in den Film und er wird (wie fast jeder Angelopoulos-Film) eine Art Road-Movie.



Die fliegenden Kinder
Les enfants volants
Frankreich 90 O.m.U. 85min
R.: Guillaume Nicloux
K.: Jean Badal, Raoul Coutard
M.: Michael Nyman
D.: Anémone, Didier Abot, Michel Debrane
Gilbert hat den Verstand verloren. Er tötet. Er tötet ohne Grund. Wegen einer Nichtigkeit oder aus Notwendigkeit. Er begegnet Suzanne, im Wald. Sie lieben sich. Und dann gibt es die Erinnerungen. Die Klinik. Der Doktor. Er will das Meer sehen. Jetzt liebt Suzanne ihn wirklich. Aber Herr Julien hätte nicht kommen sollen. Gilbert läßt ihn bluten, wie ein Schwein. Suzanne jagt sich eine Kugel durch den Kopf. Und da Gilbert es satt hat, geht er ins Meer. (Guillaume Nicloux)



Die Flügel
UdSSR, 1966 (Krylija) 86 min
R: Larissa Shepitko, B:Natalja Rjasanzewa, Walentin Jeschow, K: Igor
Slabnewitsch, D: Maja Bulgakowa, Wladimir Gorelew, Sergei Nikonenko u.a., P:
Mosfilm
"Die Flügel scheint einer der "weiblichsten" Filme unserer Filmkunst zu sein. Es ist schwierig, ein umfassenderes und besser verallgemeinerndes Portrait einer emanzipierten Frau, die aus dem Krieg hervorgegangen ist, zu finden als Nadescha Petruchina. (Maja Turowskaja, Filmwissenschaftlerin) . Nadescha Petruchina ist hochdekorierte Pilotin des 2. WK und fühlt sich zu Friedenszeiten als Deputierte und Schulleiterin nicht wohl. Ihr Mann starb im Krieg, mit ihrer intellektuellen Tochter versteht sie sich nicht mehr und schafft mit ihrem Kommandoton eine Mauer um sich herum. Sie will wieder fliegen. Die Kritik fiel über den Film her: eine Heldin des großen vaterländischen Kriegs war blamabel auf die Leinwand gebracht. Nur wenige Wochen war Die Flügel im Kino zu sehen, dann lag der Film 12 Jahre im Regal.



Die Frau mit der 45er Magnum
USA 8o R: Abel Ferrera D: Zoe Tamerlis, Jimmy Lane, Peter Yellen,
Albert Sinkys
Als wir diesen Film im Februar 91 schon mal im Programm hatten wollte der Verleih ihn kurzfristig wieder zurückziehen da er eine Beschlagnahmung wegen Verbreitung gewalttäti ger Bildkunst befürchtete. Dabei ist die Geschichte - eine Frau die an einem Tag zweimal vergewaltigt wird rächt sich exemplarisch am männlichen Geschlecht durch gezielte Schüsse aus eben jener 45er Magnum - mit der aus "Taxi Driver" zu vergleichen. Aber da ist es halt Robert De Niro der im nächtlichen New York aufräumt.



Die Frau die weint
La femme qui pleure
F. 1978 90 Min. frz.OFm.engl.UT
R.: Jacques Doillon
D.: Dominique Laffin, Jacques Doillon, Haydée Politoff, Lola Doillon
Dominique wirft ihren Mann hinaus, weil der eine Geliebte hat. Doch als er zurückkommt, nimmt sie ihn auf, bietet ihm sogar an, mit seiner Geliebten in ihr Haus zu ziehen. Dort kann die Dreiecksgeschichte nun in Ruhe explodieren.


Die fünfte Jahreszeit
Iran/Frk 97 OmU 80 Min.
R.:Rafi Pitts
D.:Roya Nonahali, Ali Sarkhani, Parviz Poorhosseni,
Ein abgelegenes Dorf im Hochland Irans. Die Familien Jamalvandi und Kamalvandi sind schon so lange miteinander verfeindet, daß niemand sich mehr an den genauen Grund erinnern kann.Eine Hochzeit soll den Zwist gegraben, doch kurz vor dem `Ja` Wort lassen die Auserwählten die Feier platzen. Von hier an stehen zuerst ein , dann noch ein Autobus im Mittelpunkt des Geschehens.
Rafi Pitts beschreibt seinen Film selbst als eine Komödie, und bestimmt ist sie eine der farbenprächtigsten.



Die Gemmi - ein Übergang
I/CH 1994, 33min, O.m.U., R.: Clemens Klopfenstein, D.: Max Rüdlinger,
Polo Hofer
Die Legende sagt, daß Herbert Achternbusch und Werner Herzog in den 70er Jahren auf einem schottischen Berg sich fragten, was denn -ohne sie- aus der deutschen Filmkultur werden würde, während sie, in ihrem Urlaub, dort pausierend sitzend, sich dieser speziellen und wichtigen Frage annehmen.
Die Helden in diesem Film (Schauspieler und Rocklegende) klettern auch einen Berg hinauf und unterhalten sich über die Schweiz, ihr (Künstler-) Leben ebenda und über Sinn und Unsinn von diesem und jenem. Da sie doch schon etwas älter sind, machen sie beim Anstieg viele Pausen, zumal sie lieber im Wirtshaus säßen, als ihrer jetztigen, doch eher lästigen Betätigung nachzugehen. Jedenfalls genug an Gelegenheiten, Schwätzchen zu halten. Das kommt (gerade durchs Improvisieren) häufig abstrus, unbeholfen, verwirrt und manchmal ein wenig zynisch daher, aber vor allem VERDAMMT KOMISCH. Kenn ich gut: So ist das beim Wandern. -- Meint auch Achternbusch: "...aber der Text erhält auf diese Weise einen zyklischen Aufbau und auf zyklische Aufbauten, das pfeifen die Spatzen von den Dächern, fahren die Leser voll ab." Da haben wir ihn, den Max Goldt, der sollte einfach vorkommen, um etwas unelegant eine Verbindung zum anderen Film dieses Doppelprogramms herzustellen.




Die Geschichte der Nana S.
-Film in zwölf Bildern-
( Vivre sa Vie )
F 1962 79 Min.
R.: J.-L. Godard
B.: Godard, nach einem von Marcel Sacotte
K.: Raoul Coutard
M.: Michel Legrand
D.: Anna Karina, Sady Rebbot, André S. Labarthe, Guylaine Schlumberger
'Man ist verantwortlich für das, was man ist und tut' sagt Nana zu Beginn des Films und wird eher zufällig Prostituierte. Als sie nach 'zwölf Bildern' sagt, was sie will, nämlich mit dem Geliebten zusammenziehen, zeigt ihr Zuhälter wenig Verständnis : sie muß sterben. Und wir, die wir zuvor mit ihr in Bressons 'Passion de Jeanne d'Arc' waren, wußten es von da an. Verstehen und Leben gleichzeitig, das ist halt schwierig.



Die Geschichte der Quiju
VR China/Hongkong 1992 100min
R.: Zhang Yimou
D.: Gong Li, Lei Lao Sheng, Zhi Yun, Liu Pei Qi
Eine Bäuerin (Gong Li) aus dem einsamen Norden Chinas gibt keine Ruhe. Bei einem Streit hat der Dorfälteste ihren Mann in die "Lenden" getreten, dafür soll er sich entschuldigen. Sie zieht zur Polizei im nächsten Dorf, dann zum Distriktgericht, schließlich (des öfteren) in die Provinzhauptstadt. Unbeirrbar, hochschwanger, mit sanftem Trotz klagt sie ihr Recht ein.



Die Jüdin und der Hauptmann
BRD 1994 92 Min.
R.: Ulf von Mechow
Bei seiner Arbeit im Getto von Minsk lernt der Hauptmann Willi Schulz, ein überzeugter NSDAPler, die Jüdin Ilse Stein kennen und verliebt sich in sie. Als dieses Getto 1943 aufgelöst werden soll, (sprich: Alle Bewohner sollen getötet werden) flieht Schulz mit Ilse Stein und weiteren 30 Juden zu den weißrussischen Partisanen.
Der Regisseur besucht Frau Stein in Rostow am Don, um die Geschehnisse zu recherchieren. Im Zusammenhang mit den immer unverhohlener geäußerten Forderungen, Geschichte Geschichte sein zu lassen und die deutschen Verbrechen endlich zu vergessen, bestürzt der enorme psychische Druck, unter dem die Opfer, die das Geschehene einfach nicht vergessen können, immer noch stehen. Er wird immer wieder sichtbar, obwohl von Mechow sehr einfühlsam vorgeht und beispielsweise, wenn seine Gesprächspartner in Tränen ausbrechen, nicht, wie sonst häufig üblich, draufzoomt, sondern wegzoomt und abblendet.
Ein unspektakulärer Film, der sich mit den Versuchen der Opfer, ihren Schmerz zu verarbeiten, beschäftigt und gerade deshalb für das Land der Täter wichtig ist.



Die Kinder - Les Enfants
Fra 1984 90min O.m.U.
B+R.: Marguerite Duras, Jean- Marc Turine, Jean Mascolo
D.: Alex Bougousslavski, Martine Chevalier, Daniel Gélin
Ernesto, ein siebenjähriger Junge mit dem Aussehen eines Vierzigjährigen, einer, der sieben Jahre lang geschwiegen hat und nach Schulbeginn seine Eltern damit überrascht, daß er nicht mehr zur Schule gehen will, weil er nicht lernen will, was er nicht weiß. Und er weiß auch, warum: weil es sich nicht lohnt.
"Auch ich finde bei jedem Film, den ich mache, daß es sich nicht lohnt. Aber man kann auch Filme machen, die zu machen sich nicht lohnt."... "Der Ort des Anderen Kinos ist ein tragischer Ort, er ist zuallererst ein Ort der Verweigerung." (Marguerite Duras)



Die Klage der Kaiserin
BRD/F/E 1989 95 Min.
R.: Pina Bausch
D.: Mariko Aoyama, Anne Marie Benati, Mechthild Grossmann
Ein Film fast ohne Worte (die Regisseurin Pina Bausch kommt vom Ballett und
arbeitet lieber mit Bewegungen, Bildern und Musik) über das Traurigsein, die Einsamkeit und die Schwierigkeiten der Verständigung, so komisch und grotesk in Szene gesetzt, daß er einen nicht schwermütig macht, sondern tröstet mit dem Gefühl, in der eigenen Absurdität nicht alleinzusein.



Die kleine Vera
Malenkaja Vera
UdSSR 1988 133 Min.
R.: Wassilij Pitschul
B.: Maria Chmelik
K.: Jefim Resnikow
D.: Natalja Negoda, Andrej Sokolow, Juri Nasarow, Ljudmilla Sajzewa
Die 17jährige Vera lebt in einem Elternhaus, in dem aufgrund gewisser sozialer Gegebenheiten die Streitkultur aufs Äußerste gepflegt wird. Ihre neueste Eroberung, ein Student, soll ihr eine neue Perspektive bieten, und so zieht Sergej erstmal bei Vera und ihren Eltern ein. Nicht so recht begeistert von der Haushaltsvergrößerung, plagen diese sich mit dem arroganten Schwiegersohn in Spe herum, bis ein Brotmesser von Vaters Hand in dessen Bauch landet. Eine ...ungewohnt offene, naturalistische Darstellung' nennt das RoRoRo-Lexikon das was 'Cinema' typischerweise als erste gewagte Sex-Szenen im sowjetischen Film hochjubelte, aber selbstverständlich auch 'ungemein dicht inszeniert'. Und das Drehbuch ( geschrieben von Pitschuls Frau Maria Chmelik ) bekam 1990 den Felix.



Die Lady von Shanghai
USA 46/48 O.m.U. 81min
R: Orson Welles
D: Orson Welles, Everett Sloane, Rita Hayworth
Ein typischer Film Noir. Der Ich-Erzähler gerät in einen Dschungel der Intrigen, in dem jeder jeden übervorteilen, ausschalten, töten möchte. Der Film endet mit einer Verfolgungsjagd in einem verlassenen Vergnügungspark, die in einem Spiegelkabinett ihren Höhepunkt hat. Hier erst kann sich O'Hara ( Orson Welles ) aus dem Bann Elsas ( Rita Hayworth ) befreien. Das dies dann auch im richtigen Leben nicht mehr lange auf sich warten ließ ist wohl Ironie des Schicksals. Orson Welles und Rita Hayworth waren nämlich zu diesem Zeitpunkt noch ein Ehepaar.



Die Legende von Paul und Paula
DDR 1973 105 Min.
R.: Heiner Carow, D.: Angelica Domröse, Winfried Glatzeder, Heidemarie Wenzel,
Fred Delmare
Untrügliches Kennzeichen fast aller DEFA-Filme: Der schön warme, nölige, leicht berlinerisch gefärbte Unterton der Frauenstimmen, wie Angelica Domröse ihn in diesem Film vorführt. Im Westen hat man ihr das abgewöhnt, weil hier in der "Kultur" niemand einen Dialekt haben darf, es sei denn, er spielt in einem Heimatfilm mit oder mimt einen Kauz.
Worum geht's? Um eine traurige Liebesgeschichte mit halbem Happy End mitten im DDR-Alltag. Selbst die völlig beknackten Eindeutschungen von Slade und Bee Gees Stücken (durch die allseits beliebte Pop-Combo Puhdys) stimmen einen noch wehmütig in diesem Film und erinnern daran, daß es vierzig Jahre lang auch etwas anderes gab als nur den Plan vom großen, großen Deutschland.



Lerchen am Faden
CSSR 69 94min
R.: Jiri Menzel
D.: R.Hrusinsky, Václav Neckár, Jitka Zelenohorská, Nada Urbánková
1950 in Kladno arbeiten bürgerliche Intellektuelle zwecks Eingliederung in den Arbeiterstaat auf einem Schrottplatz. Zusammen mit einigen Insassen des benachbarten Frauenge fängnisses versuchen sie sich an einer eigenen Form des Zusammenlebens, was ein wenig absurd, aber ebendrum und ziemlich lustig ist. So ists wenn der Geist den Realitäten spottet, wenn ein Schriftsteller alte Schreibmaschinen auf Halde stapeln muß und wem er dann alles spotten kann. Der Film -1970 in der CSSR verboten- gewann 1990 den goldenen Bären der Berlinale und ist keine Aufarbeitung des Sozialismus.



Die letzte Verführung
( The last Seduction )
USA 1993 106 Min.
R.. John Dahl
B.: Steve Barancik
K.: Jeffrey Jur
M.: Joseph Vitarelli
D.: Linda Fiorentino, Peter Berg, J.T. Walsh, Bill Pullman
Eine Masse Geld, eine stinknormale, piefige Kleinstadt sowie eine schöne aber noch schlauere Frau - das sind die Zutaten zu diesem Film. Er schimpft sich zwar einen Thriller, aber nicht knisternde Spannung ist es, von der er lebt, sondern die Freude am klugen und bedenklich amoralischem Tun der Protagonistin. Bridget will Geld, und sie will Sex. Und sie ist hundsgemein. Die Tricks und das Kalkül, womit sie die Männer ( es sind ausnahmslos Männer ), die sie aus einer gewissen Selbstgefälligkeit zu unterschätzen scheinen, aus dem Weg räumt oder benutzt, je nachdem, sind vom Feinsten - so hinterhältig wie gelungen. Und deshalb vergessen wir das dumme Ende ganz schnell.



Die letzte Etappe
Polen 1947
R.: Wanda Jakubowska
Die Regisseurin war Häftling in Auschwitz und begann im Lager, das Erlebte für diesen Film festzuhalten. "Dem Wunsch, einen Film über das Lager in Auschwitz zu machen, verdanke ich höchstwahrscheinlich, das ich überhaupt noch lebe. Er behütete mich davor, Auschwitz nur subjektiv zu erleben, und erlaubte mir, alles, was mich umgab, als eine besondere Art von Dokumentation zu behandeln. Mir lag nicht am Auschwitzer Thema als einer filmischen Attraktion. Ich wollte die Wahrheit zeigen und Gefühle des Hasses gegen den Faschismus wecken." (Wanda Jakubowska)




Die letzte Schulglocke
Polen, 1989
(Ostatni dzwonek) O.m.frz.U, 109 min
R: Magdalena Lazarkiewic, B: Wlodzimierz Bolecki, K: Bogdan Stachurski, M: Zbiginiew
Preisner, D: Zbiginiew Suszynski, Agnieska Kowalska, Aleksandr Bednarz, Jacek Wojcicki
u.a. Prod: Karol Irzykowski Film Studio
In Danzig wird gestreikt. Der Schüler Nowy wird an ein Vorortgymnasium versetzt, weil er Flugblätter verteilte. Dort politisiert er die bis dahin pubertierende Abschlußklasse. Ein von ihnen produziertes avangardistisches Theaterstück mit dem Titel: "Die Geschichtsstunde" gewinnt trotz vieler Behinderungen den Preis eines Danziger Theaterfestivals. M. Lazarkiewicz (*1954 in Warschau). Studierte Kulturwiss. in Wroclaw (Abschluß 77) und Regie in Katowice (Abschluß 82). Realisierte mehrere Dokumentar - und Spielfilme, darunter: Durch Berührung (Przez dotyk, 1985).



Die letzte Etappe
Polen, 1947
(Ostatni etap) OmU, ca. 90min
Regie: Wanda Jakubowska
Wanda Jakubowska gehört zu einer der wenigen Überlebenden des KZ Auschwitz. Den Entschluß, einen Film über Auschwitz zu machen, habe sie in dem Moment gefaßt, als sie die Schwelle des Lagers überschritt. "Dem Wunsch, einen Film über das Lager in Auschwitz zu machen, verdanke ich höchstwahrscheinlich, daß ich überhaupt noch lebe. Er behütete mich davor, Auschwitz nur subjektiv zu erleben, und erlaubte mir später, alles, was mich damals umgab, als eine Art von Dokumentation zu behandeln."
W. Jakubows-ka begann sofort nach der Befreiung 1945 mit dem Drehbuch. Die Letzte Etappe gilt als das herausragende Werk des polnischen Nachkriegsfilms. W. Jakubowska (*1909 in Warschau) kam während ihres Studiums der Kunstge-schichte zum Film und wurde Mitbegründerin der polnischen Filmvereinigung "START", die sich 1929 die Erneuerung des polnischen Films vorgenommen hatte. 1942 wurde sie verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Die letzten Kriegsmonate war sie im KZ Ravensbrück.



Die Liebenden von Pont Neuf
F 91 125 min
R.: Leos Carax
D.: Dennis Lavant, Juliette Binoche
Leos Carax macht Filme, die so tief gehen wie ein hartgekochtes Ei auf nüchternen Magen. Und weil das so berührt, schauen sich viele seinen neuen Film an. Einige davon möchten wir in unser Kino locken. Zudem hängen an "Die ..." viele wundervolle Momente, die nur französischen Filmen zu Eigen sind. Der Hauptdarsteller mit der Nase, J. Binoche, die hier mal nicht den ganzen Film unter Wasser setzt (weil sehbehindert), Paris, Paris, Pariser Brücken, Clochardromantik in Straßentheatertradition und wirkungsvolle Illumination. Jedenfalls nichts, was jenseits des Kinos Wirklichkeit fände, also unterhaltsame Langeweile a la Lynch oder Beineix.



Die Marx Brothers im Kaufhaus - The big store
USA 1941 83min
R.: Charles Reisner
D.: G.,H.+ C.Marx, Margaret Dumont
Die Jungs als Kaufhausdetektive.



Die Marx Brothers in der Oper - A night at the
opera
USA 1935 O.m.U. 90min
P.: Irvin G. Thalberg
R.: Sam Wood
D.: G.,H.+C. Marx, Margaret Dumont
Groucho als Otis P. Driftwood. Der Film mit der dichtesten Kabinenfüllung, der rasantesten Vertragskürzung und einer Oper (Troubadour) zum mitsingen.



Die Ministerien der Kunst
Les minist res de l'art ()
F 1988 52 Min. O.m.U.
R.: Philippe Garrel
Garrel ist so eine Art "Seele" des modernen französischen Kinos. Er Besucht Regisseure und Regisseurinnen der Nach-Nouvelle-Vague-Generation, läßt sie erzählen, ermuntert sie und dokumentiert nebenbei das Kino seiner Generation. In diesem Film sieht man ihn mit: Chantal Akerman, Juliet Bertot, Leos Carax, Hél ne Garidou, Benoit Jacquot, Jean-Pierre Léaud, Werner Schroeter, Brigitte Sy, André Techiné und natürlich Jacques Doillon, weshalb dieser Film in unserer Retro auftaucht.



Die Müßiggänger
I Vitelloni
Ita 1953 102min
R.: Frederico Fellini
D.: Franco Interlenghi, Alberto Sordi, Franco Frabizi, Leopoldo Trieste, Riccardo
Fellini, Eleonora Ruffo, Arlette Sauvage
Fausto, Moraldo, Alberto, Leopoldo, Riccardo sind fünf Freunde. Sie verbringen ihre
Zeit im Café und beim Billard. Jeder von ihnen hat jemanden, der ihn erhält, Vater, Mutter, Schwester, Tante, egal. Dort essen und schlafen sie und von dort bekommen sie Geld. Sie verachten die kleinen Beschäftigungen, die ihnen geboten werden. Sie haben alle diverses studiert, aber nicht zuende. So warten sie ständig auf einen Brief, ein Angebot, einen Zufall, den Durchbruch. Sie sind jetzt 30 Jahre alt. Berufsjugendliche.



Die Nachbarin
Bulgarien, 1988
(Sassedkata) DF, 82 min
R: Adela Peewa, B: Banko P.Bankov, K: Stovan Chakarov, M: Victor Choutchkov, D:
Velko Kunev, Elvira Ivanova, Kalin Arsov. Produktion: Bulgarian Cinematography
Dimha ist eine junge Arbeiterin in einer sozialistischen Konservenfabrik. Bei Stromausfall, wenn es dunkel ist, singt sie so schön, daß ihr Vorarbeiter und Nachbar Gregor sich unsterblich in sie verliebt. Gregor liebt die Musik und will mit Dimha als verwandter Seele ein neues Leben beginnen. Das Problem ist, das beide schon unglücklich verheiratet sind. Ein zärtlich ironischer und unendlich trauriger Film über den Versuch, aus einem falschen Leben auszusteigen.
Die Nachbarin ist der erste lange Spielfilm Adela Peewas'. Ihre Dokumentarfilme wurden auf verschiedenen internationale Festivals (Oberhausen, Moskau, Paris, Leipzig, Bilbao) ausgezeichnet. Peewa ist Absolventin der Theater-, Film-, Radio-, und Fernsehakademie Belgrad.



Die Nacht ist Jung
Mauvais Sang
Fra 1986 119min
R+B.: Leos Carax
D.: Denis Lavant, Juliette Binoche, Michel Piccoli, Julie Delpy
Ein früherer Film vom 100-Millionen- Francs-Film-Die-liebenden-von-Pont-9 Regisseur Leos Carax. "Eine existenzialistische Kriminal- und Liebesgeschichte. Auf der ersten Ebene geht es um den Raub einer tödlichen Viruskultur, aber dies ist dem Film nur Vorwand, den Rausch des Jungseins und die Melancholie des Alterns zu verhandeln: Dem alten Gangster Marc ist die junge Anna zwar bis zur Selbstaufgabe zugeneigt, aber in dem jungen Taschenspieler Alex ruft sie eine unbändige Liebe wach. Ein Film der ganz leicht im Sumpf des "Beneixismus" versacken könnte, ihn aber intelligent, formbewußt und ironisch umschifft." (tip)



Die Nacht - Der Tag
(Nuit ET Jour)
F/B/CH 1991 90 in.
R.: Chantal Akerman
D.: Guilaine Londez, Thomas Langman, Francois Negret
So süchtig nach Liebe wird Julie im Rausch ihrer Verliebtheit, daß sie sich einen zweiten Geliebten nimmt für die Zeiten, zu denen der erste arbeitet. Sie schläft nicht mehr und lebt ausschließlich für die Liebe: Keine Freunde, kein Telefon, selbst die Geräusche der Außenwelt können wie durch Zauber nicht mehr in ihre hermetische Seifenblase dringen. Sie tut dies ohne jedes Schuldgefühl, doch bald mehren sich für sie die Zeichen, daß sie Schuld auf sich lädt, und daß etwas kaputtgehen wird.


Die Nacht des Jägers
USA 1955, 91 Min.
R.: Charles Laughton, D.: Robert Mitchum, Shelley Winters, Lillian Gish u.a.
Die Kinder eines getöteten Räubers werden von dessen Zellengenossen gejagt, da sie das Versteck der väterlichen Beute kennen. Sehr düsterer und spannender Thriller.



Die Nacht des Schmetterlings
" Was ich haben will, das krieg ich nicht,
und was ich haben kann, das gefällt mir nicht. "
Eevi und Ami, zwei Schwestern, wohnen zusammen, bis eines Tages Ami beschließt ihre Schwester vor die Tür zu setzen, um mit ihrer Freundin zusammenleben zu können. Eevi, ihrer einzigen Beziehung beraubt, setzt die Wohnung in Brand, klaut Geld und Auto und fährt aus der Stadt. Ein Roadmovie beginnt, das mehr und mehr gewalttätig wird, weil Eevi weitere Zurückweisungen nicht erträgt und letzlich ihre Suche nach Liebe oder Anerkennung erfolglos ist. Der Film liefert keine psychische oder soziologische Erklärungen für die Gewaltausbrüche, versträut lediglich ein paar Indizien - Eine finnische Variante von Michael Haneke Filme, möchte man meinen.
Finnland 1997, O.m.U., 90 Min.
R.+B.: Auli Mantila
D.: Leea Klemola, Elina Hurme, Rea Mauranen, Robin Svartström



Die Partisanen von Wilna
USA 1985
R., B.,: Josh Waletzky
"Die Partisanen von Wilna" erforscht den bewaffneten jüdischen Widerstand im 2.Weltkrieg. Er erzählt die Geschichte der jüdischen Jugendlichen, die im Wilnaer Ghetto den Widerstand organisierten oder als Partisanen in den Wäldern gegen die Nazis kämpften. Es war ein Kampf um die Behauptung der eigenen Identität nach außen und um die Rücksicht auf die ohnmächtigen Hoffnungen der anderen, die an die endgültige Vernichtung nicht glaubten und auf Rettung durch passive Ergebung und Zusammenarbeit mit den Mördern vertrauten.



Die Piratin
Frankreich 1984 105min
B+R.: Jaques Doillon
D.: Jane Birkin, Maruschka Detmers, Phillipe Leotard
Ein Film über die Enge, die Entsteht, wenn Liebe im Spiel ist. Jane Birkin auf der Flucht vor ihrer Geliebten und ihrem Mann, die sie beide Lieben und eine Entscheidung von ihr verlangen. Zwangsläufig erlebt diese Geschichte ihren Höhepunkt auf einem Boot, einem Ort also, von dem es keine Flucht vor der Enge mehr gibt. Bemerkenswert, daß Doillon für die Darstellung dieses Gefühls das extrem weite Cinemascopeformat gewählt hat, und trotzdem überzeugt.



Die Rache des Ungeheuers
USA 1955 81min
R.: Jack Arnold in 3D
D.: John Agar, Lori Nelson, Robert B. Williams
Ein 50er Jahre 'Beast and the beauty' B-Picture, das bei der Beantwortung der Frage, wer hier denn eigentlich das Ungeheuer sei, die Antwort: Der "Kiemenmann vom Amazo nas", eindeutig ausscheiden läßt.



Die Rache einer Frau
( La vengeance d'une femme )
F 1989, 133 Min. dtsch. Fassung
R.: J. Doillon
B.: J.D., Jean-Francois Goyet, frei nach Dostojewskij
K.: Patrick Blossierr
M.: Jean Fouque
D.: Isabelle Huppert, Béatrice Dalle, Jean-Louis Murat
Ein Spiel zwischen zwei Frauen ( ein ernstes Spiel: das Leben ) um Schuld und Rache, Freundschaft und Verbundenheit. Béatrice Dalle und Isabelle Huppert spie len mit und gegenein-ander, mit immer wechseln-den Vorzeichen, und es sieht so aus und hört sich so an, als ginge es um Suzies ( I.H. ) Mann, der ein Jahr zuvor starb.



Die Salzmänner von Tibet
Jedes Frühjahr machen vier Männer der Dropsas, einem Hirtennomadenvolk Nordtibets, sich mit ihren Yaks auf den langen Weg über die Hochebene zu den riesigen Salzseen. Unterwegs übernimmt jeder von ihnen eine bestimmte Rolle: Margen, die Alte Mutter, Pargen, der Alte Vater, Bopsa, der Neuling und einer ist der Herr der Tiere. Neben diesen Rollen müssen viele weitere Regeln streng beachtet werden, damit die "Salzernte" ein Erfolg wird. Die Regisseurin hat die Salmänner auf ihrem Weg begleitet und eine faszinierende Reportage über ihre Philosophie, ihr enorm respektvolles Verhältnis zur Natur und ihre Sorgen gedreht: Bald werden sie ihren Lebensunterhalt nicht mehr auf diese Art verdienen können, denn längst haben respektlose Gesellen damit begonnen, das Salz unter Umgeheung aller Salzmännerethik einfach mit Lastwagen abzutransportieren.
BRD 1997, 108 Min., O.m.U.
R.: Ulrike Koch



Die Schmutzigen,die Häßlichen und die Gemeinen
Italien 1975, 115 Min.
R.: Ettore Scola, D.: Nino Manfredi, Francesco Annibali, Maria Bosco u.a.
Geahnt hatte ich es ja schon immer, daß in den meisten neorealistischen Filmen etwas nicht stimmt. Da sind die Armen nämlich gut und moralisch, weil sie das Gegengewicht zu den bösen und amoralischen Reichen bilden müssen. Scolas Film gibt mir recht; in seinem Slum sind sie wirkliche Figuren: Böse, streit- und genußsüchtig wie andere Menschen auch. Und damit bleibt in der Darstellung endlich der einzig wichtige Unterschied übrig: Sie haben weniger Geld. Was in dieser Komödie passiert? Ein stinkgeiziger Großvater versucht zu verhindern, daß ihm die eigene Sippschaft das Geld klaut. Dabei entbrennt ein Kampf auf Leben und Tod.



Die Sehnsucht der Veronika Voss
BRD 1981 104min
R.: R.W.Fassbinder
D.: Rosel Zech, Hilmar Thate, Cornelia Froboess
"BRD 2 / 1955"
Veronika Voss, ex Ufa-Star, lebt in der Vergangenheit des 3.Reichs, die für sie eine große ist. Rosel Zech spielt virtuos, aber ohne Eitelkeit, die Euphorien und Zusammenbrüche der Veronika; wie ein großer Star steigt sie im Caféhaus die Treppe nach oben, ein großer Auftritt - nach einer einzigen Nacht mit Robert ist sie ein heulendes Bündel Elend, erschreckend. Ihr Zimmer hat sie schon demoliert, da nimmt sie schließlich die Schlaftabletten, dämmert dem Tod entgegen - der Pabst hat gerade im Radio den Segen "Urbi et Orbi" erteilt. Die Suggestivkraft der 'Veronika Voss' beruht nicht nur in der gradlinigen, wirkungssicher erzählten Geschichte, sondern vor allem im Stil, einer grandiosen Imitation jenes Ufa- Melodrams, dem Veronika Voss ihre Erfolge verdankte. (W.Roth)



Die Spielregel
Fra. 1939 113min
R.: Jean Renoir
D.: Nora Gregor, Paulette Dubost, Marcel Dalio, Roland Toutain...
Mal Tragödie, meist Komödie, Gesellschaftsanalyse und auf jeden Fall (und da sind sich inzwischen alle einig) Meisterwerk. Renoir wurde von folgender Bemerkung seines Freundes Lestringuez bei der Planung des Films beeinflußt: "Wenn du die Wahrheit beschreiben willst, dann hämmere dir eins ein: die Welt ist ein großer Puff. Die Menschen denken nur an eins, nämlich ans Vögeln, und die, die es nicht tun, sind verloren. Sie ersticken im Brackwasser der Gefühle." Renoir räumt ein, daß dies eine sehr persönliche Sicht der Dinge ist, aber die Grundidee des Films war geboren, es fehlten nur noch die Schauspieler und die Geschichte.



Die Spur führt zurück
USA 1989 137 Min.
R.: Jack Nicholson
D.: J. Nicholson, Harvey Keitel, Meg Tilly, Madeleine Stowe, Eli Wallach
Nach langen Querelen um Regie und Drehbuch einer Fortsetzung von Polanskis "Chinatown" hat Nicholson sie schließlich selbst inszeniert. Entstanden ist dabei eine gradlinig erzählte Kriminalgeschichte, in der er selbst wieder den Detektiv Jake Gittes spielt; angenehmerweise kommt er diesmal ganz ohne seine sonst üblichen manirierten Mätzchen aus. Ach ja, es geht um Mord und sehr, sehr viel Geld. Ein Krimi ist ein Krimi, ist ein Krimi..



Die Stille um Christine M.
NL. 81 97min R: Marleen Gorris D: Cox Habbema, Nelly Frijda, Henriette Tol,
Edda Barends
Drei sich völlig unbekannte Frauen begehen gemeinsam einen Mord an einem Boutiquenbesitzer. Wieso, warum fragt sich alle Welt und speziell eine Gerichtspsychologin die mit der Erforschung der Hintergründe beauftragt ist. Es gibt halt nur das Problem, daß die Frauen sich für ihre Tat nicht rechtfertigen wollen. Sehr ironisch und zu Anfang auf jeden Fall recht makaber.



Die Strategie der Schnecke
Kolumbien 1993 116 Min
R., B.: Sergio Cabrera
D.: Frank Ramirez, Fausto Cabrera, Florina Lemaitre
Die geplante Entmietung ihres Hauses bringt die Bewohner, Anarchisten, Pater, Revolutionäre, Transvestiten, Scheintote, was halt so in Häuseren lebt, derart in Rage, das sie einen teuflischen Plan gegen die Willkür entwickeln. Sie entdecken die `Strategie der Schnecke'.
"Es ist eine komische und schreckliche Geschichte, eine kolumbianische Geschichte, reich an utopischen Elementen, eine Solidaritätserklärung, ein Bericht über Ausbeutung und Zivilcourage, aber nicht im Stil einer Wahlveranstaltung. Es ist ein poetischer und politischer Film im besten Sinne des Wortes, und es ist vor allen Dingen Kino."
(Luis Alberto Alvarez)



Das Mädchen aus der Streichholzfabrik
- Tulitikkutehtaan tyttö -
Finnland 89 70min O.m.U. R: Aki Kaurismäki D: Kati Outinen, Elina Salo, Esko Nikkari
Dies ist wohl der schönste Film von Aki Käurismäki. Kurz, knapp und heftig. Iris ist eben jenes Mädchen aus der Streichholzfabrik die Tag für Tag am Band steht und die Etiketten der Päckchen kontrolliert. Ein Mauerblümchen, von aller Welt ausgebeutet und in die Ecke geschoben. Ein trügerisches Bild und Iris ist auch nicht die Frau die sich einfach ihrem Schicksal fügt. Jeder hat ein Recht darauf einmal 'Königin der Nacht' zu sein. Iris ist die Königin dieses Films, auch wenn es zu Anfang gar nicht so scheint.



Die Totale Erinnerung
Total recall
USA 1990 100min
R.: Paul Verhoeven
D.: Arnold Schwarzenegger, Sharon Stone
70 Mio Trash - aber mit mehr Idee dahinter als bei ähnlichen Produktionen (wobei wir uns durch allzu laute Knochenbrüche und diverse andere kleinere Ungereimtheiten nicht das Vergnügen trüben lassen). Um was es geht? Um Fiktion und Wirklichkeit (so ist halt Film). Arnold läßt sich seine Urlaubserinnerungen künstlich einpflanzen, und so spielt der größte Teil des Films auf dem Mars (oder im Traum? - ...ich weiß im Studio, aber...) und Schwarzenegger ist manchmal gleich doppelt vertreten (oder doch nicht?).



Die Truman Show
" Seit seiner Geburt wird Truman Burbank, ohne es zu wissen, von 5000 versteckten Kameras beobachtet. Ein Leben als Daily Soap, rund um die Uhr live ausgestrahlt. Als durchaus reele Medienmetapher ist Weirs Film die intelligenteste Hollywoodproduktion des Jahres 98, " meint der TIP.
USA 1998, 103 Min., R. Peter Weir, D. Jim Carrey, Ed Harris, Laura Linney



Die Überlebenden
BRD 1994, 90 Min.
R. Andres Veiel
'Aus Gesprächen mit Klassenkameraden, Eltern und Kollegen rekonstruiert Andres Veiel die Geschichte dreier Selbstmörder. Thilo, Tilmann und Rudi wollten ausbrechen aus der schwäbischen Hausordnung, weg von der erstickenden Spießerstimmung, die in den Wohnzimmern der interviewten Eltern lauert. Es entsteht das Bild einer Zwischengeneration, die in den trostlosen Endsiebzigern nicht mehr den subversiven Schub im Rücken hatte, und noch weit entfernt war vom skrupellosen Popperspaß der 80er. Versagensängste, Einsamkeit, neurotische Depressionen - sobald man sich auf der Fährte zum Freitod glaubt, zweigt Veiel ab. Diese Verweigerung von Erklärungsmustern und vermeintlicher Folgerichtigkeit ist vielleicht die größte Leistung seines Films.
( Katja Nicodemus )



Die unheimlichen Frauen
BRD 1992 63 Min. R.: Birgit Hein
"Von Anfang an sind Frauen auch Täterinnen. Sie sind so mutig und tapfer wie die Männer, sie können genauso grausam und verbrecherisch sein und natürlich auch so geil. Dennoch existiert bis heute das Idealbild von Weiblichkeit 'aggressionslos-friedfertig- asexuell', mit dem die Frauen Jahrhunderte lang unterdrückt wurden. Der Film zeigt Soldatinnen, Partisaninnen, Aufseherinnen, Verbrecherinnen und gebären de, betrunkene, onanierende, starke Frauen, aber auch die beschnittenen, operierten und zerstückelten Opfer, die zahlen müssen für die Angst, die Frauen bei Männern auslösen." (Birgit Hein)
Die Aufführung dieses Films löste bei der letzten Berlinale Anfeindungen von Frauen gegen Frau Hein aus. Ihnen war die Zerstörung des Mythos von der aggressionslosen Frau denn wohl doch zu starker Tobak, hatten Männer und Frauen sich doch spätestens in den siebziger Jahren darauf geeinigt, daß die Frau grund sätzlich von Natur aus fried fertig ist, und Aggression und Gewalt Männerdomänen sind. Seht selbst.



Die Verachtung - le mépris
F/I 1963 95min
B.+R.: Jean-Luc Godard
D.: Brigit Bardot, Michel Piccoli, Jack Palance, Fritz Lang, Georgia Moll
Kultfilm -oder nicht?- egal, Godard erzählt uns hier was übers Filmemachen + sich verkaufen müssen (die ihm vom Produzenten aufgedrängte Nacktszene Brigit Bardot's zeigt's sozusagen hautnah). Überdies läßt er Fritz Lang so herrliche Sätze sagen wie: "Cinemascope ist nur was für Schlangen" und für alle, die immer noch nicht wissen, ob dies der Film ist, den Sie meinen, nur dies: Das ist der Film mit dieser Wahnsinnsvilla=Wahnsinnstreppe am Meer






Die Verurteilten - The Shawshenk Redemption
USA 1994,142 Min, R : Frank Darabont, B : Frank Darabont, nach Stephen Kings
Kurzroman, K : Roger Deakins, M : Thomas Newman, D : Tim Robbins, Morgan Freeman,
Bo Gunten
Ein unaufgeregter Gefängnisfilm, der damit der ewig langen Zeitspanne, die er behandelt, seine Referenz erweist. Freundschaft und Hoffnung stehen Gewalt und Sadismus, Bigotterie, Abhängigkeit - sogar vom Gefängnisleben- und vor allem der nicht enden wollenden Zeit gegenüber, so daß das unwahrscheinliche Happy-End verzeihlich ist.



Die Viererbande
Frk./ CH. 88 160min R: Jacques Rivette D: Bulle Ogier, Benoit Regent,
Laurence Cote, Bernadette Giraud
Vier Schauspielschülerinnen bewohnen zusammen ein Haus in einem Vorort von Paris. Ihre Freundin Cecile, die den selben Unterricht besucht, ist gerade aus dem Haus weggezogen, ohne zu sagen, wohin. Die Andeutungen eines merk würdigen Fremden, der sich an die Frauen heranmacht, lassen sie vermuten, das Cecile sich in Gefahr befindet. Sie versuchen sie zu schützen. Ein Film voller Rätsel (wie immer bei Rivette), die die Zuschauer am Ende lösen müssen - soweit das möglich ist.



Die Welt erkennen
UdSSR, 1978
(Poznavaia belyj svet) O.m.Üb., 90 min
R.: Kira Muratowa, D.: Kira Muratowa, Grigori Baklanow, K.: Juri Klimenko, D.: A.
Sharkow, L. Gurtsenko, N. Ruslanowa, S. Popow, P.: Lenfilm
Muratowas Lieblingsfilm. "Auf der einfachsten und banalsten Dreiecksgeschichte zwischen 2 Fahrern und einer Putzerin baute die Regisseurin eine erstaunliche Parabel auf fertige und tote Lebensformen, die die Menschen zögernd übernehmen, wissend um die Unmöglichkeit, in der reichen Spontanität des Unabgeschlossenen zu bleiben. (O. Bulgakowa)



Die Wunderbaren Männer mit der Kurbel
CSSR 1978 84min
R.: Ji i Menzel
B.: Old ich Vl ek
D.: Rudolf Hru insk , J.M., Bla ena Holi ová
Ein nostalgischer Blick auf die Anfänge des Kinos und eine Reflexion über die Zugeständnisse, die das Medium meist so trist erscheinen lassen.



Die Zeit nach Mitternacht
USA 1985 100min
R.: Martin Scorsese
D.: Griffin Dunne, Rosanna Arquette, John Heard
Ein Yuppie verliert sich auf Abenteuersuche ins nächtliche New York. Abseits seiner Umgebung wird er zum Spielball merkwürdiger, zwielichtiger Gestalten, schlittert langsam durch einen Alptraum und statt seines Rendevous bekommt er es mit Horst zu tun.


Die zwei Leben der Veronika
F/Polen 1991 92 Min. erster Teil untertitelt, zweiter synchronisiert R.:
Kzysztof Kieslowski D.: Ir ne Jacob, Jerzy Gudejko, Philippe Volter
Wir alle sind ja nun mindestens zwei, doch nur eines kann man wirklich leben. Ihr wißt, wie sehr das manchmal schmerzt. Die zwei Veronikas entscheiden sich. Die eine für die Kunst, die andere für die Liebe. Doch überkommt beide manchmal eine große Sehnsucht nach dem anderen Leben. Ein Film über "entweder-oder". Für mich übrigens der schönste des Jahres '91.



Diebe der Nacht
F 1996, 117 Min.
R.: André Techiné
D.: Catherine Deneuve, Daniel Auteuil, Laurence Cote, Benoît Magimel
Eine Menage trois in einem Gangsterfilm, eine Familientragödie, ein Melodram über Generationsprobleme, aus der Sicht der Protagonisten in verschachtelten Rückblenden erzählt. Die Begegnung mit Juliette scheint Alex noch einmal aus der Grauzone seines Einzelgängerdaseins zu befreien. Während Vater und Bruder hehlen & stehlen, ist er Polizist geworden, Abgrenzung von anderen als Prinzip der (Nicht)existenz, um die eigene Identität zu spüren. Marie, die als Professorin in ihren Seminaren "Der Mensch ist des Menschen Wolf" Geschichten erzählt, hat ebenfalls eine Liaison mit Juliette, wärmer als Alex Polizistenliebe, aber auch akademisch geordnet (sie zeichnet Juliettes Leben auf). "Diebe der Nacht" erzählt die Geschichte der Erwachsenen, Marie und Alex, zärtlich aber ohne Hoffnungsschimmer, denn der Chance, sich näher zu kommen, entziehen sie sich letztendlich beide.



Dieses obskure Objekt der Begierde
Fra. 1977
R.: Lois Bunuel
D.: Fernando Rey, Carole Bouquet, Angela Moulina
Armes Junges Mädchen macht reichen alten Mann, der ihren Körper begehrt, nach allen Regeln der Kunst, zum Hampelmann. Ebenso kunstvoll und mit sichtbarem Vergnügen demontiert Bunuelexemplarisch den gesamten kultivierten Habitus des Großbürgers.



Distant Voices - Still Lives
GB 88 O.m.U. 85 Min.
R: Terence Davies
D: Freda Dowle, Pete Postlethwaite, Angela Walsh, Dean Williams,
"Distant Voices, Still Lives" ist ein filmisches Fotoalbum von Davies' Jugend in Liverpool Anfang der fünfziger Jahre. Das Portrait einer Arbeiterfamilie zwischen Reihenhaus und Pub. Zwischen dem ersten Teil (Distant Voices) und dem zweiten (Still Lives) macht die Erinnerung einen Schnitt, hakt sie mit dem Tod des Vaters und der Hochzeit seiner Lieblingstochter Eileen einen Teil der Familiengeschichte ab: den jähzornigen, gewalttätigen, ungerechten Vater, den schrecklichen, hemmungslos prügelnden Familienpatriarchen, der sein eigenes Leiden am Leben nicht anders zu artikulieren versteht als in der Gewalt, die er seiner Frau Nellie und den Kindern Tony, Eileen und Maisie antut. Wie dieser erste Teil immer wieder zurückkommt auf die zentralen Bilder vom Sterben und Tod des Vaters sowie von Eileens Hochzeit, so findet der zweite Teil immer wieder zu der Familienfeier im Pub zurück, zur Hochzeitsfeier von Tony.



Don Juan De Marco
USA 1994 94min
R: Jeremy Leven
D: Johnny Depp, Marlon Brando, Faye Dunaway und über tausend Frauen Der Titel ist Programm. Es geht um Don Juan, der Welt größter Liebhaber. Liebe, Leidenschaft, Sehnsucht und Tod. Vor der Kulisse einer modernen Welt spielt Johnny Depp, eben diesen größten Liebhaber der Welt historiengetreu seiner Außenwelt vor und überzeugt nicht nur durch seine Geschichten. Ein wunderbar schönes Märchen über die Liebe dem selbst ein übergewichtiger Marlon Brando erliegt.



Double Happiness
Kanada 1994 90 Min OmU
R + B : Mina Shum K : Peter Wunstorf D : Sandra Oh, Alannah Ong, Stephen
Chang, Frances You, Callum Rennie
Jade Li ist in Hongkong geboren, in Kanada aufgewachsen und 22Jahre alt. Als ihre kleine Schwester Pearl am Essenstisch die Tatsache verkündet, daß Frauen, die mit 22 noch nicht verheiratet sind, keinen Mann mehr bekommen, steht für ihre Eltern fest : es ist an der Zeit! Vielversprechende, unverheiratete, chinesischst mmige junge M nner werden sortiert und erste Treffen vereinbart. Viel lieber als nach einer soliden Ausbildung einen der Auserwählten zu heiraten, möchte Jade Li jedoch Schauspielerin werden und ihren weiteren Lebensweg selbst bestimmen. Gleichzeitig will sie ihren Eltern aber nicht vor den Kopf stoßen oder gar, wie ihr älterer Bruder, verstoßen werden.
Mina Shums Film ist autobiographisch gefärbt, weshalb sie wohl genau weiß sowohl um die vielen komischen Aspekte, die dieser Konflikt in sich birgt, als auch um die Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen. Es gelingt ihr, diese Geschichte zu erzählen, ohne eine der Seiten zu denunzieren.



Down by Law
USA 1986 106 Min O.m.U.
R., B.: Jim Jarmusch
D.: John Lurie, Tom Waits, Roberto Benigni
Zwei sehr unterschiedliche Männer, Roberto Benigni auf der einen, Tom Waits und John Lurie auf der anderen Seite, prallen im rustikalen Landgefängnis im Süden aufeinander. Obwohl sie sich nicht ausstehen können, was Benigni wegen seiner ständigen Quassellei nicht merkt, brechen sie gemeinsam aus und paddeln durch die malerische Sumpflandschaft Louisianas in die Freiheit.



Drei D
BRD 1988 50min (+Vorfilm: Fotofinish)
B+R.: Sönke Wortmann
D.: Michael Schreiner, Katharina Müller-Elmau, Vadim Glovna, Willi Tomszyk
Sönke Wortmanns Abschlußfilm an der HFF München über einen Filmstudenten, der seinen Abschlußfilm über einen Filmstudenten, der seinen Abschlußfilm dreht, dreht. Und da sich nun eine ganze Horde Kamerateams auf der Leinwand tummeln,werden die Dreharbeiten, welche auch immer, höchst Pannenintensiv, zumal der Hauptregisseur in seine Hauptdarstellerin verliebt ist, die zwar kein Talent, aber einen festen Freund hat. Außerdem hat der Hauptregisseur, wie man in diversen Einblendungen sehen kann, eine schwere Kindheit und eine harte Aufnahmeprüfung hinter sich. "Besser eine Komödie als garkeinen Film"



Drei Farben: Rot
F 1994, 97 Min., R.: Krzysztof Kieslowski, D.: Ir ne Jacob, Jean-Louis
Trntignant, Frédérique Feder, Jean-Pierre Lorit
Alter, misanthropischer Knurrhahn wird von junger Idealistin in's Leben zurückbugsiert. Bei dieser Geschichte könnte ein ziemlich kitschiger Film drohen. Kieslowiski macht daraus ein kompliziertes Beziehungsgeflecht in parallel zueinander verlaufenden Geschichten, flott erzählt, und eine Liebeserklärung an die Farbe Rot. Außerdem enthält der Film mit der Szene, in der die beiden Helden in einem leeren Theatersaal bei ungenießbarem Kaffee und heftigem Sturm vor der Tür miteinander reden, eine der schönsten und zärtlichsten meiner Filmgeschichte.



Drei Tage
Trys Dienos
Litauen 1991 76min O.m.U.
R+B.: Sarunas Bartas
D.: Katerina Golubeva, Rima Latypova, Arunas Sakalauskas, Audrius Stonys
'Permanent Vacation' in Kaliningrad.
"Zwei (wohltuend mundfaule) Jungen fahren nach Kalinin grad, begegnen zwei fertigen Mädchen mit fettigen Haaren, lungern in verschiedenen Kombinationen auf einem zerbrakelten Platz rum, kauern in verdreckten Gewölben und schleichen über die Dächer eines schäbigen Hotels. Sie haben es aufgegeben, Über gänge zum nächsten zu suchen. Das macht sie konzentriert in ihrer Lähmung. Sie frösteln nebeneinander, aber nicht aneinander vorbei, schlafen ohne sich auszuziehen, egal ob allein oder miteinander. Sie kommen und gehen." (Silke Panse in SPEX 4/92 Seite 71)
"Das schwierigste war das Drehbuch. Das Drehbuch war mit Dialog. All diese Szenen hatten ursprünglich Dialoge, aber sie blieben am Ende auch ohne Dialoge dieselben. Verstehst Du mich, nein? Da ist ein Raum, ja? Und im Drehbuch, das ich schrieb, waren Dialoge. Aber in diesem Raum mit diesen Leuten und in den Dialogen war etwas, das danach, nach dem Drehen, ohne Dialoge war. Wenn es möglich war, mußte der Schauspieler dieselbe Szene ohne Dialog spielen, aber mit demselben Gefühl natürlich. Sie müssen das Drehbuch lesen, die Dialoge regen die Phantasie an. Und im Kino, im Film habe ich ein Bild statt Worten."
-Dein Ziel ist also, soviel Worte wie möglich zu tilgen.
"Ja, und einige von denen, die am wichtigsten für mich waren, hab ich im Film gelassen." ( Sarunas Bartas im Dialog mit Silke Panse)



Droit de Cite
(Citizen Rights 58)
Frankreich 1988 1Std.
R.: Marie-Ange Beauce und Philippe Percebois
Leben auf der Straße, Liebe und Tod. Ein einfühlsamer und klarer Blick in die Welt der Clochards, in der der Tod näher als das Leben ist - die Liebe anders funktioniert, und Gesetze nicht den Dreck unter den Fingernägeln wert sind. Die Kamera scheint ein guter Bekannter zu sein, so ungehemmt wird vor ihr erzählt und agiert - unkommentiert, denn diese Menschen sprechen für sich selbst.



Duck Soup - Die Marx Brothers im Krieg
USA 1933 65min
R.: Leo McCarey
D.: G.,H.,C.,+Z. Marx, Margaret Dumont
Groucho als Rufus T. Firefly, dem Marionettenpresidenten des bankrotten Kleinststaates 'Freedonia'. "Was hat einen Rüssel, wiegt 2ooo Pfund und lebt im Zirkus ?"-" Das ist irrelefant." Der einzige Marx Brothers Film garantiert ohne Klavier- oder Harfensolo.



Dust
Belg./Fra. 1984, 87min, engl. Originalfassung, B+R.: Marion Hänsel, D.:
Jane Birkin, Trevor Howard, J. Matshikiza, N. Uwampa
In der Wüste irgendwo in Südafrika leben Vater und Tochter zusammen auf einer Farm. "Zusammenleben ist ein wenig gestrunzt, denn ihr Verhältnis ist, um es vorsichtig auszudrücken, ziemlich ungleichgewichtig. Er benutzt seine Tochter als Magd, und sie ist vollständig abhängig von ihm. Zwischen Aggression und Regression hin- und hergerissen, will sie sich aus dieser Beziehung befreien, und für einen kurzen Augenblick scheint alles möglich zu sein...


Das süße Jenseits
Kanada 1997 110 Min. R. & B.: Atom Egoyan Romanvorlage: Russel Banks D.: Ian Holm, Caerthan Banks, Sarah Polley

Nachdem die Kinder eines kleinen Ortes bei einem Busunglück umgekommen sind, erscheint der Anwalt Mitchell, um die Dorfbewohner zu einem Schadensersatzprozeß zu überreden. Er gibt sich als Racheengel aus, der die Trauer mildern kann, indem er sie in Wut verwandelt. Der Schmerz darüber, daß er seine eigene Tochter verloren hat, die Unmöglichkeit, zu verstehen, wann und warum ihm alles aus den Händen geglitten ist, das Unvermögen, etwas als unwiderruflich geschehen zu betrachten, macht ihn zum Rattenfänger. Denn das im Zuge des Prozeßes eine Schlammschlacht ausgelöst wird, die die Gemeinde völlig auslöscht, liegt für ihn außerhalb seiner Verantwortung. Egoyans Film ist düster, komplex und außergewöhnlich schön.


Die Blume der Hausfrau
Angefangen hat alles damit, daß Massimo mir einen Staubsauger verkaufen wollte... Das hat zwar nicht geklappt, dafür haben wir dann zusammen einen Film gedreht: DIE BLUME DER HAUSFRAU ist eine Erzählung aus der Provinz. Sie handelt von deutschen Werten, als da sind: Sauberkeit. Das eigene Heim. Und natürlich: Der Kobold. Massimo und seine Kollegen Salvatore, Angelo, Maurizio und Steffen arbeiten als Staubsaugervertreter bei der Firma Vorwerk in Stuttgart: Vier schwäbisch sprechende Sizilianer und ein Sachse im Land der Kehrwoche. Ausgebuffte Jungs, die genau wissen, wie sie schwäbischen Hausfrauen den Traum von Sauberkeit und Glück verkaufen können. Aber was passiert, wenn das Bild vom erfolgreichen ,,Businessman" auf einmal Risse bekommt, wenn der Kampf gegen den Dreck unvermittelt zum eigenen Überlebens-kampf gerät? Wer nichts verkauft, verdient auch nichts. Das schadet nicht nur der eigenen Moral, son-dern auch dem Teamgeist. Ist es tatsächlich so: ,,Es gibt nur Gewinner und Verlierer. Die Verlierer bleiben auf der Strecke, und die Gewinner ziehen weiter"? Darüber hinaus erzählt DIE BLUME DER HAUSFRAU auch vom Geschäft mit der Sauberkeit, von der Organisation eines Unterneh-mens, das im letzten Jahr mit dem Direktvertrieb von Staubsaugern einen Rekordumsatz in Milliardenhöhe gemacht hat. (Dominik Wessely)
D 1998, 93 Min. R.:Dominik Wessely


DIEU SEUL ME VOIT
Im Zentrum dieser witzig-ironischen französischen Komödie steht der unfreiwillige Verführer von nebenan. Der zaudernde Albert Jeanjean, ein Versailler Woody Allen", verstrickt sich in drei Liebesgeschichten. Leicht und intelligent webt Bruno Podalydes wunderbare Situationskomik in ein beispielhaftes Panorama über den heutigen Durchschnittsbürger. Albert, Toningenieur und temporärer Stimmenzähler, weiß nie, was er will. Soll er die Strasse überqueren oder nicht? Wem die Stimme geben? Welche Frau wählen? Während einer Reportage in der Provinz trifft er eine Krankenschwester, zurück in Paris eine junge Polizistin und zuletzt eine aufstrebende Regisseurin. Die Frauen scheinen alle seinem Charme und seiner Hilflosigkeit zu erliegen. Umso komischer wird es, als Albert unschlüssig und zögernd wie ein aufgeregtes Huhn zwischen den drei Frauen hin und herläuft. Beim Vernehmen amouröser Zutraulichkeiten aus dem Mund einer Frau packt ihn akuter Brechreiz. Dann steht er plötzlich nach einem mehr oder weniger zufälligen Zusammentreffen mit allen dreien ganz alleine auf einem großen Platz... Frankreich 1998, 120 min., OmU, Regie: Bruno Podalydes, Darsteller: Denis Podalydes, Jeanne Balibar, Isabelle Candelier, u.a.


Die Farbe der Lüge
Ein Mädchen wird tot in einem Wald nahe der bretonischen Küste aufgefunden. Tatverdächtig ist der erfolglose, hinkende Maler René Stern. Chabrol geht es nur in zweiter Linie um die Krimihandlung. Im Vordergrund steht das komplizierte Abhängikeitsverhältnis Sterns zu seiner Frau, der Ärztin Viviane, deren Techtelmechtel mit einem geschwätzigen und selbstherrlichen Journalisten und das offensichtliche Unbehagen der ermittelnden Kommisarin, (großartig besetzt mit Valéria Bruni-Tedeschi) im Privatleben der Dorfbewohner, deren verlogener Moralismus in einem Film von Chabrol ja eigentlich gar nicht mehr erwähnt werden muß, herumschnüffeln zu müssen.
Frankreich 1998, 108 Min., R.: Claude Chabrol, D.: Sandrine Bonnaire, Jacques Gamblin, Valéria Bruni-Tedeschi



Der Apfel
Der Film beruht auf einer wahren Geschichte. Ein Elternpaar hält seine beiden 12 jährigen Zwillingstöchter seit ihrer Geburt im Haus eingesperrt. Eine von Nachbarn alarmierte Sozialarbeiterin versucht nun die Eltern davon zu überzeugen, dass es so nicht geht. Erzählt wird diese tragische Geschichte wie ein Märchen, leicht und humorig und natürlich mit einem glücklichem Ende. Und einem Apfel kommt auch eine besondere Bedeutung zu. Mehr darf man eigentlich nicht verraten ohne den einzelnen Situationen ihre Komik zu nehmen. Ein Film, der so wohl nur im Iran entstehen kann. „Eine 18jährige Frau filmt eine Frau, die zwei 12jährige „kleine Frauen" befreit (im Iran gilt ein Mädchen mit achteinhalb Jahren vor dem Gesetz als Erwachsene). Ist DER APFEL von Samira Makhmalbaf, wie die Inhaltsangabe nahelegt, nur ein weiterer feministischer Film? Er ist mehr als das. Diese außergewöhnliche, feminine „Nahaufnahme" ist vor allem ein ganz und gar humanistischer Film. Die junge Filmemacherin fällt kein Urteil über die Eltern, die ihre Töchter einsperren. Sie zeigt eine auch im Haus stets tief verschleierte Mutter (ihr Gesicht wird im Film nie sichtbar), die von Natur aus blind ist, und einen Vater, den seine elende Lage und die starren Regeln einer patriarchalischen Kultur blind gemacht haben. Der alte Mann wiederholt stumpf, was ihn die traditionelle iranische Gesellschaft gelehrt hat: „Meine Töchter sind wie Blumen. Sie dürfen nicht ins grelle Sonnenlicht, sonst verwelken sie..." Wir müssen „unsere Schwestern" schützen, intoniert der männliche islamische Chor. Sie müssen daher Schleier tragen, damit sie nicht der aggressiven „Sonne" ausgesetzt werden. Wenn man den Tschador im Iran abschaffen würde, wäre die islamische Republik in der Gesellschaft nicht mehr sichtbar. Die Verschleierung der Frauen erlaubt die Illusion die Fiktion - aufrechtzuerhalten, daß der Iran tatsächlich ein islamisches, von Männern kontrolliertes Land ist. Als die blinde Mutter mit ihren Töchtern am Ende in den Räumen der Sozialbehörde wieder zusammentrifft, ist ihre erste Sorge, den Kindern die Kopftücher zurechtzurücken. Sie glaubt tatsächlich, sie müsse die Mädchen einsperren und verschleiern, um sie zu „schützen". Die große Stärke von DER APFEL liegt darin, daß er filmisch den neuen Geist der Emanzipation einfängt, der den iranischen Frauen Energie verleiht. Die Sozialarbeiterin und die Nachbarinnen zwingen den alten Mann, sich selbst mit der Eisensäge aus seinem eigenen Gefängnis zu befreien, und es ist eine der beiden Töchter, die am Schluß in einer gewaltigen inneren Anstrengung den Schlüssel im Schloß herumdreht, und ihren Vater herausläßt. Die Tochter befreit ihren Vater, der sie gefangen hielt. Was für ein Finale! Iran ist ein junges, weibliches Land. ... Im Iran von heute sind es die Frauen, die die Zukunft der Männer bestimmen." Shahala Mossavar-Rahmani
Iran/Frk 97, OmU, 85 Min. R.:Samira Makhmalbaf, D.:Massoumeh Naderi, Zahra Naderi, Ghorbanali Naderi, Azizeh Mohamadi, Zahra Saghrisaz




Die Blüten der Calendula
Alles wie bei Tschechow, nur nach dem Zerfall der Sowjetunion: Drei Schwestern, ein Haus, ein großer Garten und die ewige Frage : Wie soll man weiterleben? Die Mutter der drei will das Haus aus Geldnot verkaufen, die Großmutter will es in ein Museum zu Ehren ihres verstorbenen Gatten, eines berühmten Dichters, verwandeln. Der Traum der Töchter jedoch ist es, entweder in die USA auszuwandern, oder, gegen jede Vernunft, alles beim Alten zu lassen. Und während man sich bei den Vorbereitungen zur Geburtsatgsfeier der Großmutter herrlich gemein streitet und sogar Pläne schmiedet, diese umzubringen, verirren sich passenderweise zwei Immobilienhaie ins Haus und quartieren sich ein. Erst versuchen sie die Situation auszunutzen, beim finalen Kostümfest jedoch sind sie kaum wiederzuerkennen. Die Vorlagen für diesen Film waren Tschchows ‘Drei Schwestern' und ‘Der Kirschgarten', laut Sneshkin sogenannte russische ‘Datschendramen', Kammerspiele für eine Datsche. Der Ort symbolisiert eine Auszeit vom Alltäglichen, aber auch ein Niemandsland und eine Zwischenzeit, in der Weichen gestellt werden können. Auszug aus einem Interview mit dem Regisseur: Galina Antoschewskaja: Die Menschen, vor denen man vor sieben Jahren Angst hatte, sind heute Helden Ihres Films geworden. Was bedeuten diese Menschen für Sie? Sergej Sneshkin: Ich möchte damit anfangen, daß ich alle Personen von ZWETY KALENDULY liebe. Sowohl die Figuren, als auch die Schauspieler, die sie spielen. Mir gefällt auch dieses Land, dieses Leben. Das bedeutet nicht, daß ich nicht alles verstehe. Ich kann alles sehr gut sehen – sowohl die positiven Eigenschaften dieses Volkes, als auch seine Gemeinheiten und kleinen Bosheiten. (...) ZWETY KALENDULY ist ein Film über die Liebe zu all dem, was meine Existenz ausmacht. (...) G.A.: Das Drehbuch haben Sie in Zusammenarbeit mit Michail Konowaltschuk geschrieben. Wie ist die Idee entstanden? S.S.: Ich habe alles in Gang gesetzt. Es fing damit an, daß Moskau mit Hilfe von Satelliten vier neue Fernsehkanäle einrichten wollte. Es wurden frische Film und Fernsehproduktionen benötigt. Sie hatten bei Mosfilm und Lenfilm lokale soap-operas bestellt. Da ich keine ‘soaps' mag, kann ich auch keine produzieren und werde dies niemals tun. Das habe ich laut gesagt und gleich hinzugefügt, daß ich gern etwas in der Art der ‘Forsythe Saga' inszenieren würde. So ist eine Familiengeschichte entstanden – die ‘Protassow-Saga'. ... G.A.: Zu welchem Genre gehört Ihr Film? S.S.:ZWETY KALENDULY kann man nicht einem konkreten Genre zuordnen. (...) Das Wichtigste in diesem Film ist die Verflechtung einer Unzahl von Motiven, aber diese Vielschich-tigkeit bleibt durchsichtig und filigran. Aus der Verflechtung der uns psychologisch erkennbaren Motive entsteht keine einzelne Idee. Dieser Film will nachdenklich machen und zu Fragen anregen: Wer sind wir heute und wohin gehen wir? Was ist unsere Heimat, und wie haben wir geschaffen, was jetzt um uns ist? Dieses Thema beschäftigt und quält jeden Menschen in diesem Land – das heißt also, es ist ein Film für das breite Publikum. Hier gibt es keine Bewertungen, keine feststehenden Urteile, keinen Wunsch, gewisse Erscheinungen des sozialen Lebens zu kritisieren. Es gibt nur Überlegungen. Eines noch zum Schluss : der elegante Name ‘Calendula' bedeutet, ganz prosaisch, ‘Ringelblume'.
>Zwety Kalenduly< Russland 1998 120 Min. OmU R : Sergej Sneshkin, B : S.S., Michael Konowaltschuk K : Artur Melkumjan, Alexander Ustinow D : Era Siganschina, Marina Salopschenko, Ksenija Rappoport, Julija Scharikowa, German Orlow, Sergej Donzow-Dreyden


Das Leben, ein Pfeifen
Drei Menschen in Havanna, die alle ihre höchst eigenen Merkwürdigkeiten haben. Ein leicht abgedrehter, vollgepackter Film über das Leben in Kuba. Aus einem Interview mit Fernando Pérez: Man wird «La vida es silbar» gewiß auch als polemischen Film zur Situation in Kuba sehen. „So mag man das meinetwegen sehen, denn es ist auch ein Film über Havanna heute. Doch scheint mir dies nicht das eigentliche Thema. Für mich geht es um die Suche nach Glück, um den Sinn des Lebens, um ein universelles Thema also, betrachtet im Kontext des heutigen Havanna. Hier lebe ich. In Bezug auf Kuba interessiert mich ein anderes Thema mehr: Es ist unser Gefühl von Nationalität – ein Wort, das mir sehr großspurig daherkommt, eher meine ich unsere Wurzeln. Elpidio ist mit diesem Land sehr verbunden, und dies geht vielen Kubanern so. Warum lebt jemand hier, was hält ihn hier? Ich selber kann nicht außerhalb von Kuba leben. Mehr noch: Ich bin in Havanna verwurzelt, mir gefällt diese Stadt wegen allem, was ich hier gelebt habe und noch erleben werde. Natürlich ist ein Thema des Films ein besonders aktuelles, denn die Emigration ist in der kubanischen Realität ständig präsent – wer geht, wer bleibt, wer ging und weshalb, wer verliert seine Wurzeln und wer behält sie selbst im Ausland? Wer ist hier und hat doch keine Wurzeln mehr? Was mich an Elpidios Geschichte am meisten interessiert, ist die Beziehung zu seiner Mutter, die Cuba heißt. Es ist eine widersprüchliche Beziehung, aber es ist eine Liebesbeziehung und wie alle Liebesbeziehungen bestückt mit Momenten der Begegnung, des Auseinandergehens, der Auseinandersetzung. Beide können sie ohne einander nicht leben. Dies ist für mich das Wichtigste. „ Also sind die universellen Themen in «La vida es silbar» auch kubanische – geht es damit nicht auch um eine Kritik an der kubanischen Gesellschaft? „Ausgangspunkt des Filmes ist, wie der Einzelne sein Leben lebt. Hier in Kuba wie anderswo kann man sich dem direkt oder ausweichend stellen. In allen Gesellschaften gibt es Opportunisten, Karrieristen, Bürokraten, Korrupte, Diebe. Sie haben Angst vor Ideen, und wenn sie sich der Wahrheit stellen müssen, zittern ihnen ihre Beine, fallen sie in Ohnmacht. Woran übt der Film also Kritik? An jenem Teil der Menschheit – oder wohl eher des Menschen, denn all dies ist auch ein Teil von uns. Es gelingt ja nicht immer, die Probleme so anzugehen, wie wir das tun sollten. Deshalb möchte ich nicht nur die politische Ebene betrachtet wissen, mich interessiert etwas Umfassenderes. Wer sich in seinem Leben mit der Wirklichkeit auseinandersetzt, der tut dies in der Politik, in seinen Liebesbeziehungen, in der Familie, in allem. Mit der Zeit spürt man immer deutlicher, was man liebt und was man im Leben benötigt. Ich habe in meinem Leben vieles gewollt und geliebt, habe aber auch gelernt, mich mit dem zu begnügen, was ich am meisten liebe – und dazu gehört das Filmen. Hier in Kuba zu filmen, mit meinen Kindern in der Nähe, dies ist für mich das Entscheidende. „
Kuba 98, 110'; OmU, R.: Fernando Pérez, D.: Luis Alberto Garcia, Isabel Santos, Coralia Veloz


De grote vakantie
Johan van der Keuken wird mitgeteilt,daß er wegen einer Krebserkrankung nur noch kurze Zeit zu leben hat. Daraufhin beschließt er das zu tun, was er sein Leben lang immer getan hat, nämlich einen Film zu machen: Er reist mit seiner Frau in viele Länder, häufig einfach um zu beobachten, genauer hinzusehen, Menschen zu begegnen und dabei Überlegungen über seinen bevorstehenden Tod oder seine Weltsicht zu formulieren. Die bewegensten Momente sind z.B. die Treffen mit seinem Arzt, den er auf direkte und offene Art über den Verlauf seiner Krankheit befragt, oder wenn die Beziehung zu seiner Frau thematisiert wird.Und immer ist die Kamera dabei. Das hat nichts von Exhibitionismus oder Sentimentalität. Johan van der Keuken schafft es durch seine Offenheit und seine spezielle Art der Betrachtung - sagen wir mal - eine distanzierte Intimität dem Zuschauer zu vermitteln.
- Die großen Ferien-, Nl. 1999., O.m.U., 145 Min., R.+K.: Johan van der Keuken, Sprachen: niederländisch, tibetanisch, englisch, französisch, sonray, moree