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Daddy Nostalgie
F 1989/90 105 Min
R.: Bertrand Tavernier
D.: Jane Birkin, Dirk Borgade, Odette Laure
Die letzten Tage, Wochen im Leben. Was bleibt, außer sich Erinnerungen
hinzugeben und den ein oder anderen verbotenen Whisky zu erschleichen?
Was tun, wenn die Schönheit und die Jugend, von denen frau gelebt hat, fort sind,
und sie sich selbst angesichts des nahen Verlustes des Mannes keine Gefühle zu
zeigen erlaubt? Und was bleibt der Tochter anderes übrig, als Optimismus zu
verbreiten, zu versuchen, jetzt noch feste Strukturen aufzubrechen, und ihr eigenes
Leben dennoch nicht zu vernachlässigen?
Ein leicht sentimentaler, lebensbejahender und sehr schöner Film, der zum Glück
erst gar nicht versucht, auf obige Fragen Antworten zu geben.
Dance me
Outside
Can 1994 87 Min. OmU
R : Bruce McDonald
B : Bruce McDonald, Don McKellar nach dem Buch von W.P. Kinsella
K : Miroslaw Baszkak
M : Mychael Danna
D : Ryan Black, Adam Beach, Lisa Lacroix, Michael Greyeyes, Kevin Hicks,
Jennifer
Podemski, Sandrine Holt
Wenn man morgens um 11 bestens gelaunt aus dem Kino kommt und sich trotzdem
sicher ist, einige unerfreuliche Sachen gesehen zu haben, ist eines klar: was ich da
gesehen habe, taugt was.
Der Film spielt in einem Indianerreservat in Ontario. Er ist nah dran - am Leben dort
und an seinen Figuren, Silas und Frank, und ihren Freundinnen Sadie und Poppy,
die so ganz andere Vorstellungen vom politischen Tun haben als die beiden Jungs.
Aber erstmal hängen sie zusammen 'rum, träumen, lieben und trennen sich, und
tun,
was halt mit 18 alles so üblich ist - bis ein Mord geschieht. Ein Weißer vergewaltigt
und tötet eine junge Indianerin. Das Strafmaß fällt sehr milde aus, und so muß das
Recht in die eigenen Hände genommen werden.
Regisseur Bruce McDonald hat diesen Film ebenso liebe- und humorvoll (auch
wenn sich dies ein wenig merkwürdig lesen mag) inszeniert wie zuvor schon
'Highway 61' und 'Roadkill', die wohl manchem noch in guter Erinnerung sein
werden.
Dance of Dust
Eine karge Gebirgslandschaft im Iran. Saisonarbeiter formen aus der
angefeuchteten
Erde Backsteine, schichten sie zum Trocknen, brennen sie dann in einem großen,
primitiven Ofen. Eine anstrengende, harte Arbeit. Auch der junge Llia, fast noch ein
Kind,
schuftet hier. Ein Mädchen, das mit ihrer Mutter gekommen ist, lächelt ihn an, streift
ihr
Kopftuch vom Haar. Llia verliebt sich auf der Stelle in Limua. Als der Regen fällt und
die
Arbeiter abziehen, ist Llia wieder allein. Das einzige, was von Limua bleibt, ist ein
Backstein mit ihrem Handabdruck. In Dance of Dust", seinem siebten Kinofilm,
beobachtet Abufazl Jalili zwei Kinder und ihre verschwiegenen, nur durch Blicke und
Gesten angedeuteten Gefühle. In einfachen Bildern schildert er den harten
Arbeitstag:
das Wecken am Morgen, die Mittagspause mit einem Stückchen Melone und einem
Schluck Tee, das Abwaschen des Staubs am Abend. Und im Hintergrund immer das
Heulen des Windes. Eine bezwingende Beschreibung einer fremdartigen,
archaischen
Welt, die geprägt ist von stiller Melancholie. Beim Filmfestival von Locarno wurde
Dance
of Dust" mit dem Silbernen Leoparden ausgezeichnet.
"Raghs-e-Khak"
Iran 1998, 73 Min.
(ohne Dialog)
R: Abulfazl Jalili, D: Mahmoud Khosravi, Limua Rahi.
Dance of the
Wind
Ein indischer Film über eine junge Sängerin, die den plötzlichen Tod ihrer
Mutter und Lehrerin (Die Frau war beides gleichzeitig) nur schwerlich bewältigen
kann. Ihre Stimme versagt und sie ist gezwungen, sich neu zu orientieren. Der Film
zeigt eine recht fremde Welt, in der Musik sehr streng nach den überlieferten
Traditionen ausgeübt wird, und für die die Existenz eines Schallplattenspielers
schon ein Einfluss ist, über den man nicht einfach hinweggehen kann.
"Der Film handelt vom Kampf dieser Sängerin, von ihrer Suche nach der eigenen
Stimme. Sie hat den Eindruck, die Stimme ihrer Mutter zu imitieren. Sie ist von ihr
beeinflußt und möchte slch von ihr lösen. Jeder Mensch, der in einem
Abhängigkeitsverhältnis zu einem Lehrer oder einer Lehrerin steht, versucht sich
daraus zu befrelen, um eine eigene Weltanschauung zu gewinnen, um die Welt rnit
eigenen Augen zu sehen. Es handelt sich um einen inneren Kampf, der schwer
faßbar ist und etwas Poetisches, Erhabenes, ja Spirituelles an sich hat.
Indien/GB/BRD 1997, 85 Min., OmU
R.: Rajan Khosa, B.: Rajan Khosa, Robin Mukherjee, M.: Shubba Mudgal, D.:
Kitu
Gidwani, Bhaveen Gosain, Roshan Bano, Kapila Vatsyayan
Danzón
Mexiko 94
96 Min. O.m.U.
R: Maria Novaro
D: Maria Rojo, Carmen Salinas, Blanca Guerra, Tito Vasconcelos,
Keinerwegs ein Tanzfilm oder ein Film über das Tanzen, wenngleich eben jener
Tanz, der dem Film den Titel gab, den Rahmen für eine Geschichte bildet. Eine
Geschichte über das Altern. Julia, eine Frau Ende Dreißig, erfährt auf der Suche
nach ihrem Tanzpartner und unerfüllten Liebe, eine neue Art von Anerkennung und
Aufmerksamkeit, die es ihr wieder leicht macht in ihr altes Leben zurückzukehren.
Hart an der Grenze, im Schmalz und Kitsch zu versinken, schafft der Film es doch
immer wieder, zu seinem eigentlichen Thema zurückzufinden und sich ernsthaft mit
seinen Hauptfiguren auseinanderzusetzen. Ganz nebenbei wird natürlich auch ganz
viel getanzt und trompetet, eben Danzón, ein Tanz, der ursprünglich von den
Sklaven auf Haiti praktiziert und im letzten Jahrhundert in Mexiko bekannt wurde.
Dark Star
USA 1973 83min
R+B+M.: John Carpenter
D.: Brian Narelle, Dre Pahich, Caj Kuniholm
"He..." flüstert Lieutnant Pinback. - " Das einzige, was existiert, bin ich selbst," fuhr
die Bombe fort."Ich habe nur für meine Existenz Beweise. Alles andere ist
unwesentlich und vielleicht nur Einbildung."- "Äh, bleib auf dem Teppich,
Bombe."-"Am Anfang war Finsternis," intonierte die Maschine, "und die Finsternis
war wüst und leer." - "He, hallo Bombe," flüsterte Pinback. "Und in der Finsternis,"
fuhr die Bombe fort, "war nur noch ich. Und ich schwebte über der Finsternis. Ich
sah, das ich allein war, und das war nicht gut. Ich beschloß, das zu ändern."
"Oh,
mein Gott," stöhnte Pinback. Und die Bombe sagte: "Es werde
Licht."
Das
Asthenische Syndrom
UdSSR, 1989
(Astenitcheski Sindrom) O.m.U., 153 min
R: Kira Muratowa, B: Sergej Popov, Aleksandr Tschernych,Kira Muratowa, K:
Vladimir Pankow, T: Elena Demidova, D: Sergej Popov, Olga Antonova, Natalja
Busko, Galina Sachurdaewa, u.a., P: Odessa Kinostudio
Der "Held" des Films ist "ein geplagter Intellektueller, der nie dazu kommt, seinen
Roman zu Ende zu schreiben, sein Geld als Englischlehrer verdient und an
Körperschwäche leidet -jenem asthenischen Syndrom. Er schläft nämlich überall
ein:
in der Metro (...), in ewig langen Perestroika-Versammlungen (...), im Irrenhaus, in
das die Familie ihn letzlich einsperrt, und auch bei der Flucht (...), - ein
eingeschlafener Gekreuzigter in einem leeren Metrowagen, der im schwarzen
Tunnel verschwindet. (...) Das Asthenische Syndrom ist der
stärkste und pessimistischste Film, den ich in letzter Zeit sah. Im Kontext des
Perestroika-Kinos wirkt er wie ein Komprimierung der Endzeitstimmung, die nicht in
die Zukunft, in die ökologische Katastrophe, delegiert wird, sondern die Katastrophe
verloren gegangener Menschlichkeit in der Gegenwart beschreibt. Es gibt hier keine
durchgehende Story, nur die Rückkehr zu einigen Figuren, rondoartige
Wiederholungen eines sich chaotisch entfaltenden, hysterischen Theaters der
Alltagsgrausamkeit." " (Oksana Bulgakowa). Das asthenische Syndrom wurde zum
ersten wiederverbotenen Film der Perestroika. Er gewann 1989 den silbernen
Bären. (Bulgakowa, 107).
Kira Muratowa, geboren 1934 in Sorokim (Moldawien) als Tochter rumänischer
Emigranten, wuchs in der UdSSR auf. 1954-59 studierte sie am WGIK bei
Gerassimow und Makarowa. 1961 wurde sie als Regisseurin bei Odessafilm
eingestellt. Von 1967 bis 1986 (5. Kongress des sowjetischen Filmverbandes)
landeten alle von ihr autorisierten Filme im Regal, Muratowa selbst wurde mit
zeitweiligem Berufsverbot belegt.
Das Capitol
D 1992 89 Min
B,R : Trevor Peters
K : Nils Bolbrinker
Dies ist die wirklich sehr traurige Geschichte des 'Capitol'-Kinos in Schwerin von der
Wende in der DDR bis zum Dezember 1991 und von 1936 bis heute, und vor allem
die Geschichte der Menschen, die dort arbeiteten. Und natürlich geht es um das,
worum es allen geht und was nicht nur die Filmwelt regiert. - Leider.
Das
deutsche Kettensägenmassaker
BRD 1990 63 Min.
R.: Christoph Schlingensief
D.: Karina Fallenstein, Susanne Bredehöft, Artur Albrecht, Alfred Edel
"Sie kamen als Freunde und wurden zu Wurst -jetzt beginnt der Markt"
schrieb Schlingensief zur Uraufführung seines deutsch-deutschen
Wiederbegegnungsfilms vor knapp zwei Jahren -oh, wie hellsichtig. Gucken doch
die Brüder und Schwestern aus dem Osten inzwischen dumm aus der Pelle, weil die
Realität die Fiktion überholt hat und die Ex-DDR sich quasi als besetztes Land
fühlen kann.
Anläßlich des vom 17. Juni auf den 3. Okt. verschobenen Tags der deutschen
Einheit und wegen des damals sehr regen Publikumsinteresses zeigen wir den Film
noch einmal.
Das Ende der
Welt
Polen 1988 60 Min.
R.: Dorota Kedzierzawska
D.: Emilia Ziòlkowska, Antoni Majak, Barbara Ludwizanka
OFm.engl.UT. : Da in dem Film praktisch nicht gesprochen wird, zeigen wir ihn,
obwohl es nur eine polnische Originalkopie gibt. Die wenigen Worte sind englisch
untertitelt, eine deutsche Übersetzung der zehn englischen Untertitel liegt an der
Kinokasse aus.
Ein altes Ehepaar am Ende des Lebens. Sie fürchten sich vor dem Tod und sehnen
ihn gleichzeitig herbei, denn sie sind müde und einsam. In einer kleinen Wohnung
hausen sie zusammen, getrennt nur durch einen Vorhang, den sie im Fall von
Zwistigkeiten zwischen die beiden Hälften ihres Zimmers spannen.
Die Anhänger des Erzählkinos seien gewarnt: In diesem Film "passiert" praktisch
nichts. "Das Ende der Welt" ist radikales Bilderkino, er erzählt keine Geschichte,
sondern beschreibt einen Zustand: Die beiden Alten an diesem Punkt ihrer Ehe. Sie
lieben sich, streiten, hassen sich. In brillianten Schwarzweißbildern zeigt der Film die
kleinen Niggeligkeiten des Ehekrieges ebenso wie die Freuden des lebenslangen
Einander-Kennens, trotz des eher traurigen Themas geschieht das mit bisweilen
bemerkenswerter Komik.
Das Ende
der alten Zeiten
CSSR 1989 94min
R.: Ji i Menzel
B.: Jirí Blazek
D.: Josef Abrham, Marián Labuda, Jaromil Hunzlik
Menzels bisher letzter Film spielt kurz nach dem I.Weltkrieg auf einem Schloß, daß
einem neureichen Gutsverwalter gehört, dem aber die Manieren fehlen, um die Rolle
des Schloßherren zu füllen. Die hat dafür der Emigrierte Fürst Megalvogow, der sich
eines Tages mittellos, aber pünktlich zum Essen bei ihm einnistet, eine Mischung
aus Don Juan, Quichotte und Münchhausen bietet und den dafür alle Frauen nett
finden, sodaß sich alle anderen sein baldiges Verschwinden wünschen.
Das Feld
Irland 1990 90 Min.
R.: Jim Sheridan
D.: Richard Harris, John Hurt, Tom Berenger, Sean Bean, Brenda Frickery
Ein
Heimatfilm reinsten Wassers, in dem ein despotischer Vater den Tod seiner Kinder
verursacht, weil er nicht in der Lage ist, von Traditionen abzuweichen. Nur, daß er
eben nicht in den Alpen spielt, sondern in Irland, und der Widersacher des Helden
kein Charakter, sondern ein Mann namens "The American" ist; angesichts
kontinuierlicher Kolonisierung Irlands erst durch England, dann durch Amerika, sind
die Personen des Films in ihren Handlungen eben immer selbst nur Opfer, auch
wenn sie individuell schuldig werden.
Das Fest
(Festen)
Dänemark 1997 106 Min. dän.O.m.U.
R.: Thomas Vinterberg
D.: Ulrich Thomsen, Henning Moritzen, Thomas Bo Larsen
1995 beschließen ein paar dänische Regisseure einige äußerst sinnvolle Regeln
des Filmemachens, das DOGMA 95. U.a. : Keine Kulissen, Kostüme, Requisiten,
Scheinwerfer, platte Action. Und: der Ton darf nur zusammen mit dem Bild
aufgenommen werden, was uns dankenswerterweise von der unsäglichen Sitte
befreit, an dramatischen oder romantischen Stellen des Films Musikgefidel aus dem
Off einzuspielen.
"Das Fest" ist der erste nach diesen Regeln entstandene Film, und sie bekommen
ihm gut. Die brutale Härte der Geschichte (ein junger Mann erzählt den
versammelten Geburtstagsgästen seines Vaters, daß dieser ihn in seiner Kindheit
mißbraucht hat, wird aber von diesen komplett ignoriert und vom Vater der Lüge
bezichtigt) wird durch die grobkörnigen ohne zusätzliches Licht entstandenen Bilder
und den rauhen Direktton unterstrichen.
Ein bis zur letzten Minute enorm spannender Film über einen erbitterten
Generationenkampf.
Das
Gefühl des Augenblicks -
Auf den Spuren des Fotografen Robert Frank
BRD 88/89 92 Min. amerik. O.m.U.
R.: Thomas Schadt
30 Jahre nach Entstehung von Frank's Fotos für sein Buch "The Americans", daß
inzwischen ein Klassiker geworden ist, klappert Schadt die Orte, an denen sie
aufgenommen wurden, mit der Kamera ab. Was als Hommage an Frank beginnt,
wird mehr und mehr zu einem eigenen Versuch Amerika abzubilden, und Frank's
Antwort auf die Frage, was das Entscheidende an der Fotografie sei, beschreibt
denn auch Schadts Arbeitsweise: "...daß man ein Mitgefühl hat für die Menschen
und daß man nicht den großen Künstler spielt."
Das
Gespenst der Freiheit
Fra 1974 103min
R.: Luis Bunuel
D.: A.Asti, J. Bertheau, J.C. Brialy, M.Piccoli
Ohne zu wissen aus welchem Film folgende Szene ist, gei stert sie seit Jahren
schon in meinem Kopf herum: Eine Gruppe von Leuten sitzt im Kreis auf
Kloschüsseln und scheißt; gegessen wird alleine im Kämmerchen. 'Das große
Fressen' war auf meine Frage hin die obligatorische Ant wort. Jetzt wissen wir es
besser und zeigen deswegen diesen Film. - Ach ja! Und deshalb auch: "Die Waffen,
mit denen er (Bunuel) morali schen und psychischen Zwang zu zerstören versucht,
schließen Blasphemie, Anti klerikalismus, schwarzen Hu mor und das Unbewußte
ein. Die Mittelstandsmoral ist für ihn unmoralisch, da sie auf sozialer Ungerechtigkeit
gegründet ist: der einzige Weg, den ein Mensch gehen kann, ist der des Wider
standes."
(rororo-Filmlexikon)
Das Irrlicht
Die letzten zweieinhalb Tage im Leben eines Selbstmörders:
Zusammentreffen mit Menschen, die etwas bedeutet haben, die Widersprüche
bestätigen, die zum Zusammenbruch der Beziehungen führten und die Konsequenz
daraus ziehen.
Das Jahr,
das zu lang war
Rumänien, 1990
(Un an ceva mai lung) O.m.Üb., 21 min
R.: Ada Pistiner
Dokumentarfilm über das Jahr "1989".
ADA PISTINER (*1938), zuvor hochgelobte Dokumentarfilme u.a. Costinesti on the
Black Sea Coast und A Cultural House.
Das Leben
ist ein Spiel
Fra 1997, 113 Min., R.: Claude Chabrol, D.: Isabelle Huppert, Michel
Serrault
Eine in den Scharnieren knirschende Geschichte um vertauschte Geldkoffer, einen
Toten und die Abrechnung auf den Antillen. Michel Serrault und Isabelle Huppert als
liebenswertes, undurchschaubares Gaunerpaar. Eine freude, von solchen Leuten
reingelegt zu werden. (tip)
Das
Leben und nichts anderes
Frankreich 1988 136min
R.: Bertrand Tavernier
D.: Philippe Noiret, Sabine Azéma
Eineinhalb Millionen Tote hinterließ der 1. Weltkrieg auf den Schlachtfeldern
Europas. Elf Tage und elf Nächte würde nach Dellaplanes (Philippe Noiret)
makaberer Rechnung ihr Aufmarsch auf den Champs Elysées dauern. Mit Zahlen,
findet der eigenwillige Kommandant eines französischen Vermißten- Suchdienstes,
ist nicht zu spaßen. Eine Frage der Moral.
Im Herbst des Jahres 1920 setzt Frankreich seinen Helden Denkmäler. Den
Bildhauern geht es gold. 35000 Gemeinden verewigen ihre Gefallenen in Stein. In
Paris soll unter dem Arc de Triomphe der Unbekannte Soldat bestattet werden. Eine
anonyme Leiche wird benötigt, aber eine französische: Bloß kein Engländer oder
Boche.
In einer kriegsverwüsteten, herbstgrauen nord- französischen Landschaft spielt
Bertrand Taverniers "Das Leben und nichts anderes", ein Film, der so lebt von
aufrechter Überzeugung und seinen Diskurs so souverän führt, daß man nicht
zögert, dies Manifest der Verabscheuung des Krieges, des Beharrens auf einem
menschenwürdigen Leben, auf dem Glück, schon jetzt unter die Klassiker
einzureihen. (Christoph Terhechte im tip)
Das
Leben ist ein Chanson
Frk/CH/GB 97 O.m.U.
120 Minuten
R.: Alain Resnais
D.:Pierre Arditi, Sabine Azéma, Jean - Pierre Bacri, Jane Birkin,
Man zankt sich ein bißchen und man versöhnt sich, man belügt sich ein wenig oder
auch mehr, und dann verzeiht man einander oder auch nicht. Man verliebt sich in
den Falschen und bekommt den Richtigen, oder man verläßt die Frau, nach der
man
sich dann sehnt.
Und wenn man dann gar nicht mehr weiter weiß, fängt man halt an zu singen.
Schlagerweisheiten von Charles Aznavour, Gilbert Bécaud, Maurice Chevalier,
Serge Gainsbourg.
Das Netz
usa 1995
R : Irwin Winkler
B : John Brancato, Michael Ferris
K : Jack N. Green
M : Mark Isham
D : Sandra Bullock, Jeremy Northam, Dennis Miller, Diane Baker
Sandra kommt vorzeitig aus dem Urlaub, nachdem ihr der Lover nach dem Leben
trachtete, zurück, um festzustellen, daß ihre Wohnung völlig leergeräumt ist und sich
zudem ein Makler darin herumtreibt. Die Nachbarin behauptet, sie sei vor 2 Tagen
ausgezogen und bei der Polizei ist sie plötzlich wegen diverser Vergehen
aktenkundig. Aber hier beginnt der Albtraum erst richtig, schließlich ist die
Computerspezialistin unabsichtlich einer ziemlich großen Sache auf die Spur
gekommen. Ähnlicher Thriller wie 'Die Akte', nur muß Angela ganz allein mit der
Situation fertig werden, und die 'Action' kommt aus dem Kopf und weniger aus
Feuerwaffen.
Das Piano
Australien 1992 120min
R.und B.: Jane Campion
M.: Michael Nyman
D.: Holly Hunter, Harvey Keitel, Sam Neill, Anna Paquin
Ich hab mich immer gefragt warum Filme zum Thema Leidenschaft oft so verdammt
unrealistisch gezeichnet werden. Fast immer grundlos verfällt Mann oder Frau dem
jeweiligem Partner um am Ende daran zu Grunde zu gehen.
Das Piano ist ein Film über Liebe und vor allem Leidenschaft, aber alles andere als
irrational. Enorm ehrlich und für den Zuschauer mehr als nachvollziehbar wird hier
die Geschichte einer verheirateten Frau erzählt, die sich der verbotenen Liebe
hingibt. Durchaus Frau ihrer Dinge entscheidet sie sich erst langsam und vor allem
überlegt für die Liebe, auf Kosten der Sicherheit und Konventionen. Harvey Keitel
mit seinem muskulösem, gedrungenem Körper ist die Inkarnation des erotischen
Mannes, überaus präsent und fast anfaßbar. Und doch reicht diese Ausstrahlung für
Ada nicht aus sich ihm hinzugeben. Erst die ganze Person, Freund,
leidenschaftlicher Liebhaber und verstehende Person bilden die Einheit für einen
Schritt, der den Tod bedeuten kann.
Das
Rote Eichhörnchen - La Ardilla Roja
Spanien 1993 110min O.m.U., B+R.: Julio Medem, D.: Nancho Novo,
Emma Suáres, Maria Barranco
Jota, ein Ex-Rockmusiker, sieht nachts einen Motorradunfall einer jungen Frau. Sie
hat das Gedächtnis verloren und er erzählt ihr und allen anderen, er wäre ihr
Geliebter und sie glaubt ihm. Eine ziemliche, atemberaubende Tour de force durch
ziemlich viele absurde Unwahrscheinlichkeiten und ein noch unwahrscheinlicheres
Musikvideo.
Das Schweigen der
Männer
Ein nach gängigen Kriterien erfolgreicher Musiker und ein eher erfolgloser
Schauspieler -
beide tief in den 40ern - philosophieren über die Qualität der Schweiz, über die
Scham ein
Schweizer zu sein und vor allen Dingen immer wieder über Frauen. Ein "walk and
talk"
Film, der uns über die Schweiz und Italien bis nach Kairo führt und doch immer
wieder in
der Schweiz endet. Zwei menopausierende Männer, lächerlich, hilflos, Zoten
reissend
und doch so vertraut, daß einem oft der Spiegel vors Gesicht gehalten wird. Ein
überaus
amüsanter Film nicht nur über die Befindlichkeit der Schweiz.
Schweiz 96 85 Min OmU
R.&B.: Clemens Klopfenstein
D.: Polo Hofer, Max Rüdinger
Das
Spiegelbild
GUS, 1992
(Otraschenije w serkalje) O.m.engl.U., 78 min
R: Swetlana Proskurina, B: Andrej Tschernych, K: Dmitrij Mass, M: W. Gaiwaronskij,
T:
Wladimir Persow, D: Victor Proskurin, Inna Piwars, Wladimir Iljin, Natalja Pawlowa,
P:
Lenfilm/Kanar
Victor, ein beliebter Schauspieler, erleidet eine scheinbar grundlose Midlifecrisis. Er
ist
erfolgreich, seine Frau liebt ihn und doch hat er Angst. Er sucht die Gründe in
seinem
Schauspielerberuf, der es ihm immer schwieriger macht, zwischen Rolle und Selbst
zu
unterscheiden. "Die Emotionen des Schauspielers werden mittels einer einzigartigen
Kombination aus Lichtgestaltung, Farbgebung und W. Persows Toneffekten
ausgedrückt.
Ein
weiterer wichtiger kreativer Input kommt von Drehbuchautor A. Tschernych, einem
bekannten avantgardistischen Schriftsteller und selbst Regisseur, der während der
Dreharbeiten eng mit der Regisseurin zusammenarbeitete." (Andrea Hirsig)
Swetlana Proskurina (*1948) absolvierte das Filmstudium in Leningrad, arbeitete als
Kritikerin, studierte dann weiter Regie in Moskau. Zusammenarbeit mit A. Sokurow
und
K.
Lopuschanski im Trinity Bridges Studio St. Petersburg.
Das
Tagebuch des Verführers
(Le journal du seducteur) Frankreich 1995, Regie + Buch: Dani le
Dubroux,
Kamera: Laurent Machuel, Darsteller: Chiara Mastroianni, Melvil Poupard, Jean
Pierre Léaud
Vielleicht hätte Claire das 'Tagebuch des Verführers', das sie auf einer Bank fand,
niemals an
sich genommen, wenn sie gewußt hätte, was dadurch auf sie zukommt. Das Buch
gehört
Gregoire, einem scheuen und romantischen jungen Mann. Durch ihn begegnet
Claire
anderen
ungewöhnlichen Leuten, darunter Grégoires Nachbarn, einem unheimlichen
Erfinder,
der
seinem jungen Freund besonders ergeben zu sein scheint. Wie das Mädchen in
Kierkegaards
Werk ist sich Claire nicht darüber im klaren, daß sie von ihrem besten Freund
Sébastien
als
Versuchskaninchen benutzt wird. Und Claire wird verführt, aber von Gregoire, der
ihr
Herz
gewinnt, ohne es zu wollen. Sébastien bleibt nichts anderes übrig, als Claires
Mutter
Anne zu
verfuhren. Nur Grégoire will nichts von Claire wissen, weil er ein schreckliches
Geheimnis
verbirgt.
"Ich versuche, alle Wege der Verführung zu erforschen, indem ich einzelne Kapitel
konzipiere, eine Abfolge von Variationen: der Verführerlehrling, der Verführer, die
Kristallisation (nach Stendhal: der Punkt, an dem ein Gefühl in Liebe übergeht), die
Phantome des Morgengrauens, der Analytiker.Und der Film nimmt insofern die Form
einer
Kriminalkomödie an, als man es mit verwirrten Helden zu tun hat, die nicht wissen,
wie
sie
eine Leiche loswerden können. Der Film ist jedoch eher eine philosophische
Komödie,
weil
er kritische Themen berührt wie Existenzangst, zeittypische Neurosen und den Tod.'
Dani
le
Dubroux
Das Wissen vom
Heilen
Schweiz 1996, 90 Min., OmU
Regie: Franz Reichle, mit Dr. Tenzin Choedrak, H.H. Tenzin Gyatso XIV Dalai Lama,
Dr.
Chimit-Dorzhi Dugarov
"Der Titel fahrt in die esoterische Irre. Das Wissen vom Heilen ist keine verklärende
Versenkung in die tibetische Kräuterwelt. Franz Reiches Dokumentarfilm unternimmt
die
neugierige Erkundung einer jahrtausendealten Medizin, deren Wirksamkeit westliche
Wissenschaftler immer noch fassungslos in Laboren hinterherforschen.
Auf den Spuren des so runzligen wie sympathischen Leibarztes des Dalai Lama, Dr.
Tenzin
Choedrak, begibt man sich in die Sprechstunde eines buddhistischen Klosters,
macht
sich mit
anderen, umfassenden Auffassungen von Gesundheit und Krankheit vertraut, lernt
Behandlungsmethoden kennen, blättert in uralten Schriftrollen, verfolgt die
komplizierte
Herstellung der Arzneien vom Klassifizieren der Pflanzen bis zum Verpacken per
Hand.
Neben erstaunlichen Krankengeschichten, die Reichle Über Monate verfolgt,
verblüfft
vor
allem das sachliche Selbstverständnis, mit dem die Ärzte Medizin, Philosophie und
Tradition
verbinden. Der Respekt, mit dem ein Wissenschaftler des Wiener
Atomforschungsinsrituts
die Effizienz der östlichen Kollegen rühmt, laßt Für einen Augenblick sogar von einer
Brücke
zwischen tibetischer und westlicher Schulmedizin träumen." Katja Nicodemus
Das
Wunder von Mâcon
( The baby of Mâcon )
NL/E/F/D 1992, 119Min, OmU
R.+ B.: Peter Greenaway
K.: Sacha Vierny
D.: Julia Ormad, Ralph Fiennes, Philip Stone, Jonathan Lacey, Don Henderson,
Jeff
Nuttual
Eine alte Frau bringt eine Baby zur Welt. Das ist das Wunder. Die Schwester des
Jungen gibt sich als dessen jungfräuliche Mutter aus, um Profit aus diesem
vermeintlichen Wunder zu schlagen. Sie setzt damit einen Prozeß in Gang, bei dem
Neid, Gewinnsucht, Machtstreben und Rache eine Folge von Grausamkeiten
verursachen.
Jedoch : Was sehen wir, was glauben wir zu sehen? Realität oder 'nur' Spiel - im
Laufe des Films werden die Zuschauer immer mehr Teil der Inszenierung, und
selbst die Schauspieler scheinen irritiert davon zu sein, was sie mit ihrem 'Spiel'
anrichten können.
Nicht nur bei Filmkritikern, sondern auch bei uns ist der Film umstritten . Von
'ziemlich toll' bis 'große Quirlkacke' reichten die Beurteilungen. Seht selbst.
Dazed and
Confused
USA 1993, 100min, R.: Richard Linklater, D.: Michelle Burke, Christin
Hinojosa, Jason London, Sasha Jenson
High School Kids bei ihren üblichen Ritualen: Rumfahren, Party organisieren, die
Neuankömmlinge demütigen, die Eltern nichts wissen lassen, kiffen, dummes Zeug
blabbern, Hackordnungen sortieren und vor allem: das emotionale Durcheinander
bewältigen. Einer sagt mal: "Wenn das die schönste Zeit meines Lebens sein soll,
bring ich mich lieber um".
Dead Man
USA 94/95 121 Min.
R.: Jim Jarmush
D.: Johnny Depp, Gary Farmer, Robert Mitchum
M.: Neil Young
Dieser Film wird umso besser, je länger es her ist, daß ich ihn gesehen habe, je
mehr er Zeit hat, seine Bilder in mir herumspuken zulassen, weil er so wunderbar
unvollendet ist, daß er in jedem Zuschauer einen anderen Film erzeugen kann. Er
zeigt eine Reise durch Amerika, durch seine Geschichte oder auch ins Innere des
Helden, der sich in einem Trancezustand zwischen Leben und Tod befindet. Dieses
Unvollendete wird verstärkt durch Neil Youngs knirschende Filmmusik, die den
Zuschauer in einen Zustand versetzt, der der Trance des Helden verdammt
nahekommt.
Ach ja, darum geht es: William Blake fährt in den Wilden Westen, um eine Stelle als
Buchhalter anzunehmen, wird aber durch widrige Umstände gezwungen, ein
gefürchteter Revolverheld zu werden...
Dealer
Willst du als Dealer nicht bei deinen Hintermännern in Ungnade fallen,
darfst
du
dich nicht mit Zivilbullen sehen lassen. Willst du auf keinen Spitzel hereinfallen,
darfst
du
niemandem trauen. Willst du deine Familie zusammenhalten, mußt du dein
Versprechen,
mit
dem Dealen aufzuhören, irgendwann einlösen. Can verletzt diese Regeln und
verliert
wachen
Auges seine Freunde, seine Freiheit und seine Familie. Das ist die Handlung von
Thomas
Arslans drittem Spielfilm Dealer, der freilich weniger äußere Vorgänge, als innere
Zustände
beschreibt. Dominierten in Geschwister noch die Interak- tion des Protagonisten mit
seinen
Altersgenossen, die langen Gänge durch ein charak- teristisches Kreuzberg, so zeigt
Dealer
im Wesentlichen ein statisches, verschlossenes, fast unkenntliches Berlin: anonyme
Wohnstätten mit der obligatorischen Satellitenschüssel, heruntergekommene
Gewerbehöfe,
den dunklen Flur eines Altbaus. In unwirklich schönem Kontrast dazu die klaren,
intensiven
Farben des Sommers, bunte Wände, saubere Stiegen, das saftige Grün der Bäume,
die
vor den
Fenstern im Wind rauschen. Mit minimalistischen Mitteln beschreibt Dealer den
Geisteszustand seiner Hauptfigur: knappe Dialoge, angedeutete Bewegungen,
kaum
Musik.
Gedankenverloren steht Can nachts auf der Straße, hinter ihm die
verschwommenen
Verkehrslichter, auf dem Soundtrack leiser Trip Hop. (Ch. Terhechte)
Bei der
Darstellersuche zu Geschwister sind wir einer Reihe von Personen begegnet, die
sich
mit
einem oder beiden Beinen in einer kleinkriminellen Szene bewegt haben. Einer von
ihnen
war
auch für eine größere Rolle vorgesehen, was sich jedoch zerschlagen hat, da er
kurz
vor
Beginn der Dreharbeiten im Jugendgefängnis gelandet ist. Es gab etwas, das mir
bei
vielen
von ihnen aufgefallen ist: diese Mischung aus Vitalität und Fatalis- mus, eine ganz
eigentümliche Konfusion. Das hat mich interessiert. Das war nichts, was in
Geschwister
unterzubringen gewesen wäre. So ist schließlich ein eigenes Projekt daraus
geworden.
Ich
habe mir zur Aufgabe gemacht, den Alltag einer solchen Person zu erzählen. Es war
mir
klar,
daß dieses Thema verstellt ist durch einen Haufen von Klischees, insbe- sondere
von
denen
des kriminellen Auslän- ders'. Ich habe mich gefragt, ob es nicht doch möglich ist,
es
etwas
anders zu zeigen. Und ich habe mir gedacht, wenn es schon nicht möglich ist, völlig
an
den
Klischees vorbeizu- gehen, dann kann man vielleicht versuchen, durch sie
hindurchzugehen,
d.h. von ihnen auszugehen, sie zu benutzen, um sie dann nach und nach
aufzulösen, so
daß
etwas anderes sichtbar werden kann. Hierbei war es wichtig, bei der Darstellung der
Personen
türkischer Herkunft auf jedes folkloristische Detail, auf jede Behauptung oder
Problematisierung einer Fremdartigkeit' zu verzichten. Des weiteren galt es, die
Hauptfi-
gur
nicht in der Opferrolle einzuschließen, ohne schlicht in das Gegenteil, die ungebro-
chene
Darstellung eines harten Burschen' zu verfallen. Ich wollte in diesem
Zusammenhang
auch
von den Dingen reden, an denen sich jemand wie Can den Kopf einrennt. Dinge, die
er
nicht
in der Hand hat. Er bewegt sich in einem Umfeld, das ihm kaum Handlungsspiel-
raum
läßt.
Dennoch überträgt er die Verant- wortung für sein Handeln niemand anderem als
sich
selbst.
Auch wenn es ihm in seiner Verwirrung nicht gelingt, seine Situation klar zu
erfassen,
ist
Cans Zustand nicht einfach nur pathologisch, sondern ist auch Ausdruck eines
Gespürs
für
die Krankheit der ihn umgebenden Wirklichkeit." (Thomas Arslan)
BRD 1999, 74 Min., R+B.: Thomas Arslan, K.: Michael Wiesberg, D.: Tamer Yigit,
Idil
Üner, Birol Ünel, Hussi Kutlucan, Lea Stefanel
Delikatessen
F 1990 99 Min.
R.: Jeunet+Caro
D.: Marie-Laure Dougnac, Dominique Pinon, Jean-Claude Dreyfus, Karin Viard
Alles Tierfleisch ist schon aufgegessen, und so kommen nun die Menschen unter's
Messer. Doch geschlachtet werden ist nicht schön, darum pflegen die designierten
Delikatessen Fluchtversuche zu unternehmen. Dabei kippt das, was als Horrorfilm
beginnt, in eine Groteskkomödie mit zahlreichen Slapstickeinlagen.
Demain et encore demain
(Journal
1995)
Morgen und wieder morgen (Tagebuch 1995)
F 1997 O.m.U. 79 Min.
R.: Dominique Cabrera
"Demain et encore demain ist weniger ein Tagebuch als ein poetischer Essay,
dessen Grundstoff eine in der ersten Person erzählte persönliche Erfahrung ist,
ohne daß die Offenbarung dieser Erfahrung zum Selbstzweck würde. Es ist aber
nicht nur ein Film über den Problemfall Cabrera (Bulimikerin, ungeschickte Mutter,
Tochter mit schwierigen Beziehungen zu ihren Eltern), sondern auch ein sich
entwickelndes Selbstporträt der Regisseurin, eine spannende Reflexion über ihre
künstlerischen Fähigkeiten... Wenn die Depression dem Gefühl gleicht, taub und
stumm zu werden und in sich selbst zu versinken, bringt uns dieser oft leichtfüßige
Film, der von einer wunderbaren Großzügigkeit und einer großen Fähigkeit
zuzuhören zeugt, gute Nachrichten von seiner Autorin. Er ist der Beweis einer
wiederaufgenommenen Verbindung mit der Außenwelt und dafür, was Film
vermag."
Jean-Marc Lalanne
Der Aal
Takuro hat aus Eifersucht seine Frau und deren Liebhaber erstochen und
ein paar Jahre im Gefängnis gesessen. Dort begann seine Freundschaft mit einem
Aal, den er ob seiner Schweigsamkeit schätzt. Mit ihm zusammen läßt er sich in
einer abgelegenen Gegend nieder und gründet einen Friseursalon, in dem sich bald
eine Menge kauziger Figuren einfindet, die der Film liebevoll porträtiert. Als Takuro
eine junge Frau vor dem Selbstmord bewahrt, die der Ermordeten sehr ähnlich sieht,
beginnen ihn die Schatten seiner Vergangenheit einzuholen und sein Weg zurück
ins normale Leben führt ihn durch allerlei absurde Turbulenzen.
Japan 1997. O.m.U., 117 Min.
R.: Shohei Imamura, D.: Koji Yakusho, Misa Shimizu, Fujio Tsuneta
Der Aufstieg
UdSSR, 1976
(Woschozdenie) DF, 109 min
Regie: Larissa Shepitko B: L. Shepitko u. J. Klepikow, nach der Erzählung
"Sotnikow" von Wassil Bykau, K: Wladimir Tschuchnow, M: A. Schnittke, D:
Boris
Plotnikow, Anatoli Solonizin, W. Gostjuchin, Sergej Jakowlew, Ludmila
Poljakowa
u.a., P: Mosfilm
"Der Film handelt als erster sowjetischer Film von Kollaboration und Verrat
wäh-rend
der deutschen Besatzung. Die expressiven Bilder erinnern an Passolinis
Mathäusfilm. Tatsächlich ist es die Geschichte von Judas' Verrat und Christi
Passion
im Gewand russischer Partisanen.(...) Aufstieg wurde zu einem Kultfilm der
russischen Intelligenz."(Felicitas von Nostiz) Die Partisanen Sotnikow und
Rybak
(heißt im Russ. "Fischer") sollen für ihren Trupp Lebensmittel beschaf-fen. In
den
verschneiten Wäldern fallen sie den deutschen Besatzern und damit Portnow in
die
Hände, einem gebildeten Kollaborateur (gespielt von Anatoli Solo-nizin, dem
Andrei
Rubelew von Tarkowski). Aufstieg gewann 1977 den Goldenen Bären.
Larissa Shepitko (* 1938 in der Ukraine) studierte von 1954-63 am WGIK bei
Dowschenko und Romm. Sie starb 1979 bei den Dreharbeiten zu "Abschied
von
Matjora". Ihr Mann Elem Klimov führte das kaum begonnene Projekt zu Ende.
Weitere Filme u.a. Das Vaterland der Elektrizität (1968), Du und ich (1971).
Der
Autobahnkrieg
BRD 1991 60min R,B+K.: Thomas Schadt
"Ich bin ein leidenschaftlicher Autofahrer, das heißt: Ich war es. Autofahren
macht
keinen Spaß mehr, auf Deutschlands Autobahnen herrscht Krieg. Dichtes
Auffahren,
Drängeln, rechts Überholen, Lichthupe, Ausbremsen, Rasen, rechthaben
wollen,
schneller sein, stärker sein, den Vogel zeigen, links wieder einscheren, und
Tschüss...
Das, was dort draußen tagtäglich abläuft, entnervt selbst einen hartgesottenen
Kilometerfreak wie mich. Brutalismus auf Deutschlands Straßen, niemand darf
das
überraschen, das ist Alltag. Dem Verkehr droht der Infarkt.
Auf Autobahnraststätten habe ich im Juni/Juli 1991 ganz normale
AutofahrerInnen
gefragt, ob sie uns ein Stück mitnehmen, um mit mir vor der Kamera über
Autofahren zu sprechen. Aus diesen Interviews, Streiffahrten mit der
Verkehrspolizei
und Polizeivideos ist dieser Film entstanden.
'Der Autobahnkrieg' ist ein Psychogramm des deutschen Autofahrers."
(Thomas Schadt)
Der
Bauch des Architekten
GB/I 1986 113 Min
R.+B.: Peter Greenaway
K.: Sacha Vierny
M.: Wim Mertens
D.: Brian Dennehy, Lambert Wilson, Chloe Webb
Wie schon 'Der Kontrakt des Zeichners' ist dies ein Film über die Arroganz
eines
Künstlers und die Macht, die ihn dadurch leicht in die Knie zu zwingen vermag,
und
auch über ideelles contra materielles Denken.
Und wie immer bei Greenaway geht es um das 'wie + was' sehen und deuten, (
was
z.B. bedeutet es, wenn der Protagonist die Vorlage falsch auf den Kopierer legt
und
trotzdem die richtigen Kopien herauskommen ?), um Beobachtungen und
Abbildungen.
Ein wunderschöner Film, natürlich völlig künstlich; nichtsdestotrotz hatte ich am
Ende ebenfalls Bauchschmerzen.
Der Baum, der Bürgermeister und die
Mediathek
F 1993 105 Min.
R + B : Eric Rohmer
K : Diane Baratier
M : Sébastien Erms
D : Fabrice Luchini, Pascal Greggory, Arielle Dombasle, François-Marie Banier
Der Film spielt in einem Dorf, doch das Problem dürfte auch Städtern durchaus
bekannt sein : Der neue Bürgermeister , ein aus Paris kommender romantizierender
Grüner, möchte in 'sein' Dorf das Medienzeitalter einziehen lassen und sich
gleichzeitig ein Denkmal setzten ( so wie es auch Präsidenten, Kanzler usw. gerne
tun ). Er plant eine 'Mediathek', ach was, ein Kultur- und Freizeitzentrum mit Kino
und Schwimmbad und Bibliothek und ... .Leider, leider aber steht auf dem
Baugelände ein Baum, den der Lehrer des Dorfes mit allen Mitteln verteidigen will.
Und so wird geredet und gestritten, gesungen und erklärt, bis ... Nehmt das Ende
als Märchen!
Der Blick
des Odysseus
(To vlemma tou Odyssea)
Griechenl., F, I 1995
DF / OmU 175 Min
R : Theo Angelopoulos
B : T.A., Tonino Guerra, Petros Markaris, Georgio Silvagni
K : Giorgos Arvanitis, Andreas Sinanos
M : Eleni Karaindrou
D : Harvey Keitel, Ma a Morgenstern, Erland Josephson, Thanassis Vengos
u.a.
'Es gibt Regisseure, deren Absichten jede Reklame schadet. Theo
Angelopoulos
muß jeder für sich entdecken.' (Dorothée Kreuzer in fd 19/95)
Der Film hat den Krieg auf dem Balkan zum Thema, 'einer weitgespannten
modernen Variante der Homerschen Odyssee. Ein amerikanischer Regisseur
(grandios : Harvey Keitel), selbst griechischer Abstammung, wird von der Athener
Kinemathek gebeten, drei verschollene Rollen mit nicht entwickeltem Filmmaterial
der ersten griechichen Filmpioniere zu finden. Auf seiner Suche nach den Spulen
und sich selbst, auf seinen Irrfahrten quer durch den vom Bürgerkrieg geschüttelten
Balkan sieht er die Wunden, die die wechselhafte Geschichte jener Region seit dem
Ende des letzten Jahrhunderts geschlagen hat. Individuelle Geschichte, Länder- und
Filmgeschichte durchdringen sich in einem dreistündigen Meisterwerk, dessen
Facettenreichtum sich zur Gänze erst nach mehrmaligem Sehen erschließen dürfte.'
(Frank Klubertz)
Der
diskrete Charme der Bourgoisie
Fra 1972 101min
R.: Luis Bu uel
D.: Fernando Rey, Delphine Seyrig, Stepán Audran, Bulle Ogier
Der Bunuel, in dem endlich einmal die Bourgoisie nichts zu essen kriegt.
Der einzige Zeuge
USA 85 112min
R: Peter Weir
D: Harrison Ford, Kelly McGilles
Ein Polizeidetektiv aus Philadelphia kommt bei der Bearbeitung eines Mordfalls ins
Gebiet
der Amish, einer deutschstämmigen Sekte, die alle Errungenschaften der modernen
Zivilisation ablehnt. Der Zusammenprall unterschiedlicher Lebensauffassungen und
die
ständige Bedrohung des Lebens und des Traums von einer besseren Welt bilden
den
Hintergrund der spannenden 'Action- und Liebesgeschichte'.
Der eiskalte
Engel
le Samoura
Fra. 1967 98min
B+R.: Jean-Pierre Melville
D.: Alain Delon, Nathalie Delon, François P rier, Cathy Rosier
"Ich verliere nie, niemals wirklich" ist einer der wenigen Sätze die wir von Jeff zu
hören bekommen. Jeff ist Killer und in der Ausführung seines Berufs perfekt bis zur
letzten Konsequenz. Funktionell, isoliert und tragisch.
Der Eissturm
USA 1997, 112 Min., R.: Ang Lee, D.: Kevin Cline, Joan Allen,
Sigourney
Weaver
November 73: Die sexuelle Revolution hat New Canaan, Connecticut, erreicht. Man
praktiziert Partnertausch und Selbstverwirklichung, doch das Leben scheint eher zu
einem Stillstand zu kommen.
Der
Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem
Berg herunterkam
(The Englishman who went up a hill and came down a mountain)
GB 1995 95 Min.
R + B : Christopher Monger
K : Vernon Layton
M : Stephen Endelman
D : Hugh Grant, Tara Fitzgerald, Colm Meany, Ian McNeice, Ian Hart, Kenneth
Griffith
Der Ffynnon Farw ist der Stolz der gleichnamigen waliser Gemeinde, war er doch
die erste in Wales als Berg ausgewiesene Erhebung. Unerwartet tauchen im Dorf
zwei Engländer auf: da neue Landkarten erstellt werden sollen, muß alles neu
vermessen werden. Das Meßergebnis ist für das Dorf eine mittelschwere
Katastrophe : Ffynnon Farw ist zu niedrig für einen Berg, es ist ein - ähem - Hügel.
Nun ist, über alle sonstigen Zwistigkeiten hinweg, solidarisches Handeln, Witz und
Einfallsreichtum gefragt, denn zwei Aufgaben sind zu lösen : wie macht man aus
einem, ja, Hügel einen Berg, und wie behält man die beiden gegen ihren Willen
länger im Dorf, damit sie erneut nachmessen können?
Der
Feuerwehrball
CSSR 1967 73min
R.: Milo Forman
D.: Václav Stockel, Josef Sv t, Jan Tostril
Eigentlich sollte es ein prima Feuerwehrball werden; mit Ordensverleihung, Wahl der
"Miss Feuerwehrball" und so weiter. Doch die Feuerwehrleute der tschechischen
Kleinstadt haben es dann doch wieder mit anderen Elementen zu tun.
Der Garten
Slowakei 1995 95 Min.
R.: Martin Sulik
D.: Roman Luknár, Marian Labuda, Zuzana Sulajová, Jana Svandová, Katarina
Vrzalová, Dusan Trancik
Martin Sulik mag Taugenichtse. Wie schon Thomas, der Held seines Films "Alles,
was ich mag", hat es auch Jakub in fortgeschrittenem Alter noch zu nichts gebracht:
Die Wohnung teilt er mit dem Vater, seine Geliebte mit ihrem Ehemann, und von
einer gescheiten Arbeit kann auch keine Rede sein. Eines Tages läßt er alles stehen
und liegen, um sich im verwilderten Garten seines Großvaters in einem baufälligen
Häuschen niederzulassen. Dort findet er dessen Tagebuch und beginnt zu lesen,
worauf sich merkwürdige Dinge ereignen und skurrilste Typen im Garten ein
Stelldichein geben...
Der geflüsterte
Film
Ein Film mit Blinden für Hörende und Sehende
BRD 1992 67 Min.
R.: Nina Rippel
Sie sehen u.a.: Einen Dirigenten, der nicht dirigiert, einen Mann, der seinem Freund
ein Bild vorsingt, eine Frau, die einer anderen das Fahrrad vom Gepäckträger aus
lenkt und einen Fotografen, der seine Kamera vor seine Nase hält, während er den
Auslöser drückt. Und zu hören gibt es auch eine ganze Menge.
Der
gelbe Stern - Die Juden verfolgung 1933-1945
BRD 1980
R. u. B.: Dieter Hildebrandt
Dokumentarfilm über "Die jüdische Passions- Geschichte einer Verfolgung" - Die
Dokumenta tion schildert den Leidensweg des jüdischen Volkes unter den
Nationalsozialisten. Beschrie ben wird auch die Vorgeschichte dieses bis zum
Völkermord getriebenen Antisemitismus. Der Film fragt nach den psychologischen
und gesellschaftlichen Wurzeln des Rassenwahns. Gleichzeitig erinnert er an
Rettungsversuche, Fluchtwege und Überlebensversuche der Ju den.
Der
Geschmack der Kirsche
Ein Mann fährt mit seinem Auto erst durch Teheran, dann durch riesige
Baustellen in wüstenähnlicher Landschaft , auf der Suche nach einem Helfer für
seinen geplanten Selbstmord - ein eher schwieriges Unterfangen, wie sich nach und
nach herausstellt.
Eigentlich erfährt man so gut wie nichts über ihn: Nichts über seine Motive, nichts
über seine Biographie, außer daß er Soldat war und das als seine schönste Zeit im
Leben bezeichnet.
Gegen Ende findet er einen Mann - oder umgekehrt - von Beruf Tierpräparator (sic!),
der ihm seine Hilfe anbietet, nicht ohne aber ihn zu überzeugen versucht, daß nicht
alles sinnlos ist: `Willst du alles aufgeben? Auch den Geschmack der Kirsche? `
Iran 1997, O.m.U., 99 Min.
R. Abbas Kiarostami
D. H. Ershadi, A. Bagheri, A. Moradi, H. Noori A. Ansari
Der Glanz des Hauses
Amberson
( The Magnificent Amberson )
USA 1941 88 Min.
R: Orson Welles
D: Joseph Cotton, Dolores Costello, Anne Baxter
Eine Familiensaga vor dem Hintergrund der industriellen Revolution,
Unternehmertum contra Aristokratie. Die Ambersons gehörten zu den
angesehensten Familien im Staate Indiana, und so heiratet Isabel Amberson
natürlich nicht Eugene Morgan, den leichtfertigen Erfinder pferdeloser Wagen,
sondern den ehrbaren Kaufmann Wilbur Minafer. Zwanzig Jahre später kommt der
inzwischen als Autofabrikant erfolgreiche Eugene mit seiner Tochter Lucy in die
Heimat zurück und steht - nach Wilburs Tod - dicht davor, Isabel zu heiraten, aber
deren Sohn George vereitelt diese Verbindung.
Der Illusionist
Nl 1984, 85 Min.
R.: Jos Stelling
D.: Frek de Jounge, Wim van der Woode
Eine Freakige Gruppe sitzt beim Essen und fängt Fliegen. Einer sagt: "Fliegen
ficken, Fliegen ficken". Geredet wird sonst kaum. Ein Fahrrad kippt vom Deich. Ein
angeblich Verrückter kommt in die Klapse - auch wieder raus? Ich erinnere mich
nicht mehr genau. Nur: komisch und sehr trocken war das ganze schon , aber auch
ein wenig traurig.
Der kleine Gangster
(Le Petit Criminel)
F 1990 100 min
R.: Jacques Doillon
D.: Richard Anconina, Gérald Thomassin, Clotiilde Courau
Der Junge, das Mädchen und der Polizist, alle sind sie ratlos und deshalb müssen
sie zusammen in ein Auto, ganz viel fahren und reden und sich so oft mit einer
Pistole bedrohen, daß einem ganz schwindlig wird bei dem Versuch mitzuzählen,
wie oft die tödliche Waffe den Besit zer wechselt. Ein Doillon-Film für all diejenigen,
denen dieser Regisseur bisher zu schwierig war: traurig, komisch und
merkwürdigerweise unglaublich schnell.
Der
Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber
E/F/N 1989 125 Min
R. u. B.: Peter Greenaway
D. : Michael Gambon, Richard Bohringer, Helen Mirren
Unter einem riesigen Haufen barocker Bilder versteckt Greenaway die etwas
schlichte Story des vulgären, brutalen Mafiosi Albert, der allabendlich in sein
Lieblingsrestaurant einfällt, seine Frau demütigt und die Umgebung tyrannisiert. Die
Frau erholt sich heimlich auf der Toilette mit ihrem Liebhaber von Albert, aber der
kommt ihnen auf die Schliche. Ein stilvolles Rachemenü, man sollte aber vor dem
Anschauen nicht zu viel essen.
Der
Kontrakt des Zeichners
GB 1982 108 Min.
R.: Peter Greenaway
D.: Anthony Higgins, Janet Suzman, Anne Louise Lambert
Der Kontrakt des Zeichners liest sich wohl am besten als Kontrakt des Künstlers (mit
der Gesellschaft), schafft unser Zeichner sich doch durch einen Vertrag mit der
Herrschaft ideale Arbeitsbedingungen, glaubt, alle Macht in Händen zu halten und
erkennt seinen Irrtum erst im Augenblick seines Todes: Nicht er hat die Mächtigen
ausgetrickst, sondern sie ihn.
Diesseits des Gleichnisses ein schöner spannender Bilderfilm mit Musik (von
Michael Nyman).
Der Kopf des
Mohren
Österreich 1995
116 Min.
R. Paulus Manker
B. Michael Haneke
D. Gert Voss, Angela Winkler, Manuel Löffler, Leni Tanzer
Da gibt es Bedingungen oder Situationen, die einen schlagartig, wie aus heiterem
Himmel sensibilisieren, wo zeitweise jede lebensnotwendige Verdrängung nicht
mehr zu funktionieren scheint. Die äußere Bedrohung wird zu einer inneren.
In dieser Lage befindet sich der Wissenschaftler Georg Hartmann, der von einer
Umweltkatastrophe hört, die ihn plötzlich aus der Fassung geraten läßt. Seine
Familie schickt er in Urlaub und fängt an, aus seiner Wohnung eine grüne Festung
zu basteln. Aber das ist nur der Anfang...
Mit triefiger Betroffenheit hat der Film wenig zu tun. Dazu ist die Inszenierung zu
kühl und distanziert, fast wie bei einem Michael Haneke-Film ( `Bennys Video`) , der
hier auch das Drehbuch schrieb. Jede Wette, daß der Film für jede Menge
Diskussionen sorgen wird. Vergessen jedenfalls wird man ihn nicht so schnell.
Der Krieg ist
vorbei
Frankreich/Schweden 1966
R.: Alain Resnais
D.: Yves Montand, Ingrid Thulin, Genevieve Bujold
Ein Revolutionär (Yves Montand) in der Krise. Als Kurier zwischen der
republikanischen Führung in Paris und der Opposition gegen das Franco-Regime in
Spanien selbst unterwegs, überwirft er sich mit den Funktionären im Exil, die die
politische Wirklichkeit des Landes längst aus den Augen verloren haben.
Der Kühlschrank
USA 1991 88 Min.
R.: Nicholas A.E.Jacobs
D.: Julia McNeal, David Simonds
Ein junges Paar zieht erwartungsfroh nach New York City. Großstadtabenteuer,
Karriere und allerspießigstes Eheglück drohten, gäbe es in diesem schrecklichen
Yuppie-Haushalt nicht eine charakterstarke Figur: Den Kühlschrank. Gefräßig, aber
naturgemäß der einzige, der einen kühlen Kopf bewahren kann.
Ein witziges, kleines Monster-Movie, daß dereinst ein Kultfilm werden könnte.
Der perfekte Kreis (Savrseni krug)
Bosnien/Frankreich 1997 108 Min. O.m.U.
R.: Ademir Kenovic
B.: Ademir Kenovic, Abdulah Sidran
K.: Milenko Uherka
D.: Mustafa Nadarevic, Almedin Leleta, Almir Podgorica
Der Dichter Hamza versucht im belagerten Sarajevo zu überleben. Seine Familie hat
die Stadt bereits verlassen, er selbst träumt von Essensvorräten, die seine Frau
irgendwo in der Wohnung angelegt haben könnte. Zufällig nisten sich zwei Kinder
bei ihm ein, deren Eltern umgebracht wurden und Hamza verspricht, ihre
Verwandten zu finden, inmitten des Chaos einer zerstörten Stadt.
"Der perfekte Kreis" wurde während des Krieges in Sarajevo geschrieben und
gedreht und es ist der Blick von Innen, der den Film außergewöhnlich macht und der
Sinn fürs Lakonische, der einen Alltag unter Lebensgefahr beschreibt ohne ins
pathetische abzugleiten.
Der Postmann
( Il Postino )
I 1994, 108 Min.,
R : Michael Radford
B : Anna Pavignano, M. R., Furio Scarpelli, Giacomo Scarpelli, Massimo Troisi,
nach
einer Erzählung von Antonoi Skarmeta
K : Franco Di Giacomo
M : Luis Enrique Bacalov
D : Massimo Troisi, Philippe Noiret, Maria Grazia Cucinotta, Linda Moretti,
Renato
Scarpa
'Wenn ein Mann anfängt, dich mit seinen Worten zu berühren, ist er mit den Händen
nicht mehr weit!' ( Donna Rosa )
Auf einer Insel vor der Küste Neapels bezieht der kommunistische Dichte Pablo
Neruda Exil. Held der Geschichte ist jedoch Mario, ein Fischerssohn, der nicht zur
See fahren möchte und dadurch, daß er lesen kann, die Stelle als persönlicher
Postbote Nerudas bekommt. Der am Anfang etwas einfältig wirkende Mann liest
dessen Gedichte, die auf Frauen eine so unwiderstehliche Wirkung auszuüben
scheinen, sucht die Freundschaft zu dem Autor und wächst im Laufe dieser
Begegnung über sich hinaus.
Der
Prozeß der Jeanne d'Arc
Frankreich 1961 64min
R.: Robert Bresson
B.: R.B. nach den Akten des Prozesses
D.: Florence Carrez, Jean-Claude Fourneau, Marc Jacquier
Der Prozeß der Jeanne d'Arc ist historisch und spielt trotzdem in der Jetztzeit.
Grundlage sind die Protokolle des Prozesses, der 1431 stattfand. Aus ihnen
entnahm Bresson den Dialog, wobei er gerade jene Stellen auswählte, die sich auf
die Person der Jeanne selbst beziehen. Von Interesse sind weniger die
Hintergründe der politischen Ereignisse, der Machtkonstellationen, als vielmehr der
Charakter des Verhaltens der Frau, die sich weigert ihre eigene Erfahrung, die im
Gegensatz zur Ordnung steht, zu leugnen.
Der Prozeß
BRD/Frk/Ita 62
R: Orson Welles
D: Anthony Perkins, Jeanne Moreau, Romy Schneider, Orson Welles,
Josef K wird am frühen Morgen verhaftet. Die Fäden eines kommenden Prozesses
spinnen sich um ihn, unsichtbar und anonym.Gefangen in einem immer
engmaschiger werdenden Netz, sieht er sich einem imaginären, überall und
nirgendwo gegenwärtigen Gericht konfrontiert. Wohin er sich auch wendet, er trifft
nur auf untergeordnete Instanzen, aber er findet den Vorhang nicht, hinter dem sich
die zentrale Gewalt verbirgt. Josef K., der weder die Anklage, noch den
Prozeßverlauf kennt, wird zur Exekution gebracht.
Der Saustall
Fra 1981 128min, R.: Bertrant Tavernier, B.: B.T. nach dem Roman
Pop1280 von Jim Thompson, M.: Phillppe Sarde, D.: Philippe Noiret, Isabelle
Huppert, Jean- Pierre Marielle, Stéphan Audran, Guy Marchand
"Am Vorabend des zweiten Weltkrieges führt die weißr Verwaltungselite in dem
staubigen schwarzafrikanischen Städtchen am Fluß ein langweiliges Leben
sorglosen Müßiggangs. Im Zentrum des Films steht der ziemlich nachlässige, dabei
gutmütige Polizist Lucien (Philippe Noiret), Er, der jahrelang den Trottel spielt und so
manche demütigung von Seiten seiner Frau (Stéphane Audran) und seiner
Mitfranzosen achselzukend einsteckt, dreht auf einmal den Spieß um. Lucien
Cordier räumt den Saustall richtig auf und entwickelt bei der Beseitigung seiner
Peiniger ungeahnte Virtuosität. Taverniers Film wurde Zynismus vorgeworfen. Doch
wenn man sich als Zuschauer diebisch dabei amüsiert, wie ein gutmütiger Killer
ohne Gewissensbisse noch fieseres Gesindel zur Strecke bringt, verschieben sich
die Sympathien und moralische Wertungen auf eine andere Ebene. Einer der
besten
Filme der Achtziger." Gerald Jung in der Zitty
Der Film ist von 1981, hat aber seit einigen Jahren, wie so viele, auch jüngere Filme
wegen Lizenzablauf keinen Verleih mehr. Dies finden wir so schade, das wir uns
hier (wie auch schon bei z.B. 'Dust'), trotz erheblichen Mehraufwands, um eine
Filmkopie und Aufführungsrechte bemüht haben.
.
Der Schätzer
(The Adjuster)
Kanada 1991 102min
R: Atom Egoyan
D: Elias Koteas, Arsinee Khanjian, Maury Chaykin,
Noah Render ist Versicherungsvertreter. Seine Aufgabe besteht darin Menschen,
die soeben durch einen Brandschaden ihre ganze Existenz verloren haben, bei der
Bewältigung und Feststellung des Schadens zur Seite zu stehen.
Noah/ eine Klientin:
- Was genau listen wir hier auf?
- Ihre Habe, Arianne.
- Die eines bestimmten Lifestyles. Wenn dieser Lebensstil mal zerstört ist...
- Dann bauen wir ihn wieder auf.
- Wovon, Noah? Wozu?
Er selbst bewohnt ein herrliches Haus, das einsam die Landschaft beherrscht, ein
Modell-Haus: Relikt eines kühnen Bauprojekts, das mangels Finanzierung, vor dem
eigentlichen Baubeginn wieder aufgegeben werden mußte. Von Zeit zu Zeit spannt
Noah seinen Bogen und schießt durch das Fenster seines Zimmers, Reklametafeln
als Zielscheibe. Hera ist seine Frau und überprüft bei der staatlichen Behörde
Pornofilme. Das geht ungefähr so:
- Bert (ein Kollege)
Gut wir scheinen uns ja einig zu sein: 25 As, 13 Bs, 2 Cs, 43 Es, 39 Fs, keine
Gs,
erstaunlich, und 3 Hs. Noch Anmerkungen, Fragen? Gut Jerry, was haben wir
als
nächstes?
Es gibt natürlich noch viel mehr herrliche Episoden und skurile Personen und alle
diejenigen die noch nie etwas von Atom Egoyan gehört haben, sollten sich diesen
Film anschauen. Einmal auf den Geschmack gekommen ist "Calendar", der neueste
Film von ihm, natürlich ein Muß.
Der siebte Himmel (le septième ciel)
F 1997 O.m.U. 91 Min.
R.: Benoit Jacquot D.: Sandrine Kiberlain, Vincent Lindon, François Berléand,
Francine
Bergé, Pierre Cassignard, Léo Le Bevillon
Mathilde geht es schlecht, sie arbeitet nicht mehr, stiehlt zwanghaft Spielzeug in
Kaufhäusern
und fällt gelegentlich in Ohnmacht. Ihr Mann Nico, ein hemdsärmeliger,
pragmatischer
Chirurg, steht solch komplizierten psychischen Problemen ratlos gegenüber und
kann
ihr
nicht helfen. Mit Hilfe eines Psychiaters -ob erträumt oder echt, sei dahingestellt-
heilt
sie
sich, überwindet auch ihre sexuellen Störungen so rasch, daß nunmehr Nico, der
seine
Frau
nicht mehr wiedererkennt und darum hinter all diesen Vorgängen einen Nebenbuhler
wittert,
in eine heftige Krise stürzt. Er versucht nun ebenfalls, sich ebenfalls von einem
Psychiater -der
ist nun definitiv nicht erträumt, sondern äußerst realistisch und liefert zwei Szenen
voll
wunderbar lakonischer Komik- helfen zu lassen.
Ein Film mit zwei Teilen, zwei Geschichten und einem sehr fließenden Übergang.
Der Sturm
(Eine überraschende Komödie)
USA 1982 142min
R.: Paul Mazursky
D.: John Cassavetes, Gina Rowlands, Susan Sarandon
John Cassavetes spielt den Stararchitekten Philip, der seine gesamte Existenz, die
Beziehung
zu seiner Frau, seiner Familie und auch sein architektonisches Werk in Frage stellt.
Er
weigert
sich, einen Auftrag zu Ende zu führen, und überläßt den Skyscraperrohbau sich
selbst
und
kehrt zusammen mit seiner Tochter der Stadt New York den Rücken, um auf einer
griechischen Insel in selbstgewählter Verbannung zurück zu seinen Wurzeln und
einem
völlig
neuen Ich zu finden. Philip ist fest davon überzeugt, daß er in Wirklichkeit gar kein
Architekt
ist. Auf dieser einsamen, wunderschönen Insel, wo es für den erfolgsgewohnten
Architekten
aus New York rein gar nichts zu tun gibt, außer das Leben zu genießen, dauert es
nicht
lange,
bis in seiner Kargen Kemenate an den Wänden erste Entwürfe und
Architekturskizzen
zu
sehen sind. Und schon ist er mit Enthusiasmus dabei, ein altes verfallenes
Amphitheater
wieder aufzubauen.
Der Teufel
möglicherweise
(Le Diable probalement)
F 1976 95 Min O.m.U.
R + B : Robert Bresson
M : Philippe Sarde
D : Antoine Monnier, Tina Irrisari, Henri de Maublanc
Charles, ein junger Mann aus Paris, versucht, angesichts der immer
weitergreifenden
Umweltzerstörung, der Kom munikationsunfähigkeit der Menschen und der
Auslöschung
durch Verwaltung der Phantasie eine Antwort auf die Frage 'wie, oder: wozu
weiterleben?,
zu
finden. Die einzige Lösung, die ihm richtig erscheint, ist letztendlich die völlige
Verweigerung: er läßt sich erschießen. Der Film ist sowohl inhaltlich als auch formal
radikal
genug, um seinerzeit vom Filmfest in Cannes abgelehnt zu werden.
Der
Tod kennt keine Wiederkehr
USA 1972 112min
R.: Robert Altman
D.: Eliot Gould, Nina von Pallant
Altmans Detektiv Marlowe ist eine Oberflasche: Er hat Angst vor Hunden, bremst für
Tiere
und schafft es nicht, seiner Katze ungewohntes Futter anzudrehen. Trotzdem ist
dieser
Film
keine Satire, die ja doch nur gewohntes aufwärmen würde. Das Bild vom
Privatdetektiven,
seine Verlorenheit, seine Coolness, irgendwo auch seine Revolte, wird hier
gleichzeitig
bestätigt und zerstört. Wenn man "Der Tod kennt keine Wiederkehr" sieht, muß man
wissen, daß man einen Detektivfilm sieht.
Marlowe: So you used me.
Terry: Hell that's what friends are for, nobody cares.
Marlowe: Yeah, nobody but me.
Terry: Well, that's you, Marlowe. You'll never learn, you're a born loser.
Marlowe: Yeah, I even lost my cat.
(Der Film läuft in dt. Fassung)
Der Totmacher
BRD 1995 114 Min.
R.: Romuald Karmakar
D.: Götz George, Jürgen Hentsch, Pierre Franckh
Fritz Haarmann hat einige Kinder getötet und zerstückelt. Er ist geständig, sodaß für
das
Gericht nur noch die Frage seiner Zurechnungsfähigkeit von Bedeutung ist. Es
bestellt
einen
Psychologen, der Haarmann untersuchen soll. Die Protokolle dieser
Untersuchungsgespräche
sind Grundlage des Films, der sich so auf der Grenze zwischen Dokumentar- und
Spielfilm
bewegt.
Der Psychologe, der zunächst davon überzeugt ist, es mit einem Monster zu tun zu
haben,
muß immer mehr einsehen, daß jemand nicht schuldig sein kann, der einfach nicht
das
geringste Bewußtsein von Unrecht und Schuld besitzt und entwickelt beinahe
fürsorgliche
Gefühle für den kindlichen Haarmann. Angesichts der hier zitierten Protokolle
erscheint
es
wie ein Hohn, daß Haarmann auf Druck der Obrigkeit in vollem Umfang für
zurechnungsfähig befunden und geköpft wurde.
Ein gelungenes Kammerspiel - auch deshalb, weil Götz George es wider Erwarten
fertigbringt, einmal nicht das sexstrotzende, lebensfrohe Urviech zu geben, sondern
wirklich
das verzweifelte arme Würstchen Haarmann.
Der vierte Mann
Niederlande 1983 102 Min
R.: Paul Verhoeven
D.: Renee Soutendijk, Geert de Jong, Hermann van Veen
Der vom Katholizismus angegriffene Schriftsteller Gerard lernt eine verführerische,
dreifache Witwe kennen. Sein Freund verfällt ihr und möchte sich mit ihr vermählen.
Gerard beklemmen grauenvolle Visionen und Nachtmahre. Gleich der Schwarzen
Witwe unter dem Spinnengetier scheint ihm die Frau, seinen Freund wähnt er dem
Verderben nah. Preisgekrönte, morbide Spielerei um Magie und Zukunftsangst.
Der
Weichensteller
Ndl. 1985 96min
R.: Jos Stelling
D.: Jim van der Woude, Stéphane Excoffier, John Kraaykamp
Irgendwo in der Pampa lebt ein Mann - von Beruf Weichensteller. Weitab der
Zivilisation geht er seiner Arbeit gewissenhaft und sehr kunstvoll nach. Eines Tages
wird er für längere Zeit gestört: Eine Frau erreicht irrtümlich seine Station und mit ihr
verändert sich vieles. Alles gerät irgendwie aus der Balance und wird sich auch nie
wieder einrenken lassen. - Bei uns nennt man das wohl Sozialisation. Kulturen
haben die Initiation als Einrichtung erfunden: Alleine sein klappt wohl nicht.
Schade!
Der Wilde
( The Wild One )
USA 1953
R: Laslo Benedek
D: Marlon Brando, Lee Marvin, Mary Murphy,
Brando spielt Johnny, den Anführer der vierzigköpfigen "Blind Rebels", die in einer
kalifornischen Kleinstadt ihr Unwesen treiben. Sie sind von einem Motorradrennen
ausgeschlossen worden und lassen nun ihren Frust an den Bewohnern der Stadt
aus.
Langsam
aber sicher, nachdem sie keinerlei Gegenwehr verspüren, versetzen sie die Stadt in
Angst und
Schrecken. Sie rasen in die Geschäfte, provozieren die Bürger, zertrümmern
Ladeninventar,
belästigen Frauen und besetzen alkoholisiert die Straßen.
Mitten in diese Krawalle gerät Chino (Lee Marvin) mit seiner Gang, ein Rivale
Johnnys.
Im
Gegensatz zur einheitlich in Leder gekleideten Gang Brandos wirken die Mannen
und
Frauen
die sich um Lee Marvin gruppiert haben, wie eine Vorwegnahme der Hippiekultur.
Schluderig und heruntergekommen und mit einem Anführer, der viel zu lange Beine
hat.
Gemeinsames Attribut ist allen nur das Motorrad, aber selbst die wirken bei
Lederjackenkerlen einfach besser. Chino verliert den unumgänglichen Zweikampf
mit
Johnny
und braust ab in die Wüste. Dieser Zweikampf ist übrigens eine der besten Szenen
und
eigent-
lich ist Lee Marvin der heimliche Star von 'The Wild One'.
Der
Willi-Busch-Report
BRD 1979 120 min
R.: Niklaus Schilling
D.: Tilo Prückner, Dorothea Moritz, Kornelia Bojs u.a.
Das Zonenrandgebiet gibt es inzwischen nicht mehr (oder doch?), aber in diesem
Film
markiert es ohnehin keine politische Grenze, sondern die zum Unbekannten, das
gleichzeitig
aus alter Zeit so merkwürdig bekannt ist. Hier lebt Willi Busch.
Um seine sterbende Provinzzeitung zu retten, schafft er selbst Nachrichten, die bald
ein
Eigenleben annehmen, dem er kaum gewachsen ist.
Der Würgeengel
Mexiko 62 92min
R: Luis Bunuel
D: Silvia Pinal, Lucy Gallardo,Jacqueline Andere, Augusto Benedico
Eine vornehme Gesellschaft wird wie durch eine unsichtbare Wand in einen Raum
eingeschlossen. Konventionen werden in dieser Notlage überflüssig und
menschliche
Umgangsformen zusehends roher. Mit sichtlichem Vergnügen führt Bunuel vor, was
mit
Herrschaften passiert, die plötzlich der Requisiten ihres vornehmen Getues beraubt
werden,
(sie scheißen in den Wandschrank) natürlich benehmen sie sich viel schlechter als
die,
die
immer ohne diese Requisiten auskommen müssen. Ein großer Spaß für all
diejenigen,
die
diese Typen noch nie leiden konnten.
Der Zementgarten
BRD,GB,F. 1992 O.m.U. 105 Min.
R. Andrew Birkin
D. Andrew Robertson, Charlotte Gainsbourg
In einem - außerhalb der Stadt gelegenen - Haus, das mehr einem Bunker ähnelt,
lebt
eine
Familie, die bald, durch den Tod von Vater und Mutter, auf die vier Geschwister
reduziert
ist.
Diese beschließen, indem sie die Leiche der Mutter im Keller einzementieren, alleine
und
zusammen zu bleiben. Zwischen den beiden älteren Geschwistern bahnt sich nach
und
nach
eine Liebesgeschichte an, was so schüchtern und zerbrechlich wirkt, das es einem
warm
ums
Herz wird.
Des Nouvelles
du bon dieu
Frankreich, Schweiz, Portugal 1996 100 Min. O.m engl.Ut.
R. u. B.: Didier le Pecheur
D.: Marie Trintignant, Maria de Medeiros, Christian Charmetant
Das Problem mit dem lieben Gott, das wir ja alle gelegentlich hatten, oder haben,
das
die
Esoterikbranche und andere häßliche Nebenwirkungen hervorrief, wird hier nur
nebensächlich und kindgerecht behandelt. Eigentlich laufen sich verschiedene,
höchst
sympathische Menschen warm für eine Reise durch Zeit und Raum, die verändert,
fortgesetzt
oder beendet werden kann. In diesem Fall durch einfaches Füsilieren. Es geht also
darum,
morgens aus dem Bett in die nächste Kaffeekanne zu kriechen, danach
schlimmeres
zu
erleben und schließlich nichts davon zu erinnern. Die Filmfiguren tun dies, indem sie
den
Thesen ihres Lieblingsautors folgen, der sich mit seinem Wagen totfuhr, um zu
beweisen,
daß
man seinem Schicksal entkommt, wenn man es selbst in die Hand nimmt.
"Nouvelles..."
ist
übrigens eine Komödie.
Devils don't
dream!
Nachforschungen über Jacobo Arbenz Guzmán
Schweiz 1995 90 Min.
Regie und Buch : Andreas Hössli
Guatemala 1950 - Jacobo Arbenz, Sohn eines verarmten schweizer Einwanderers,
wird
zum
Präsidenten gewählt. Zuvor hatte er den erfolgreichen Aufstand gegen die
Militärdiktatur,
die
seit der Kolonialisierung das Land beherrschte, angeführt. 1954 wurde er gestürzt,
ging in
die
Schweiz ins Exil. Wer war dieser Mensch, der einen neuen Weg gehen wollte, aber
keiner
Partei angehörte, der von seinen Feinden verteufelt wurde ('...ein Fremder, von einer
fremden
Macht manipuliert'- Richard Nixon), und was geschah in diesen 4 Jahren, zu Beginn
des
kalten Krieges? Wie entstanden die Bilder von ihm - der Held, der schwache
Verräter,
der
betrogene Mann, der Kommunist -, wie wurden die Geschehnisse seinerzeit erklärt
und
wie
werden sie heute interpretiert? Blickt man auf Geschichte, blickt man zuerst aus
seiner
Zeit
heraus, und so fasste Hössli Ereignisse und Statements, politische Reden und
Interviews
von
damals und heute zusammen. Die chronologische Geschichtsschreibung, bei der
uns
suggeriert wird, es handle sich um 'die Geschichte', wird so unterlaufen.
Devils Island
Island in den fünfziger Jahren. Ähnlich wie hier träumt man auch dort von
Amerika.
Doch ist es nicht so einfach den Sprung über den großen Teich zu schaffen. Und so
lebt
man
eher unter ärmlichen Verhältnissen in verlassenen US- Militärkasernen bzw.
Wellblechhütten
und träumt und träumt. Irgendjemand schafft dann doch den Sprung ins gelobte
Land,
doch
ändern tut sich nichts. Eine rüde Komödie über eine nicht ganz alltägliche Familie
und
ein
alltägliches Land. Ach ja, der Film hatte in Island mehr Zuschauer als das Land
Einwohner
zählt.
Island 96, 103 Min., OmU
Regie.: Fridrik Thor Fridriksson
D.:Baltasar Korm kur, Gisli Halld rsson, Sigurveig J nsd ttir
Dezember, 1-31
...'Also heute ist der 1. Dezember und ich steh jetzt doch wieder vor meiner Kamera
und quatsche drauflos. Also, "doch wieder" muß ich sagen, weil ich mir eigentlich
vorgenommen hatte, nachdem ich letztes Jahr das Projekt November" gemacht
habe, daß es keine Wiederholung geben sollte. Alleine schon deshalb nicht, um
nicht wie ein Frühvergreister dazustehen, der keine neuen Ideen mehr hat...' Warum
Jan Peters seine Meinung geändert hat, erfahren wir im folgenden. Es wäre aber
auch sehr schade gewesen, immerhin war der Film eines der Glanzlichter der letzten
Berlinale. Wie schon bei November..." filmte Peters jeden Tag 3 Minuten (eine
Filmrolle), und so entstand eine Art Filmtagebuch": eine selbstironische, manische,
unterhaltsame, konsequente und auch komische Trauerarbeit, bestehend aus
Alltagsbeobachtungen, philosophischen Reflexionen und den Versuchen,
Zusammenhänge zu erkennen. Er führt uns über Hannover nach Paris, von
Telefonzellen zum Radioteleskop in Nancy, ins Internet, zu einer
Geisterbeschwörung, und über die Berge schließlich in die Wolken...
BRD 1999 97 Min. R + B + K : Jan Peters
Dezemberbraut
Decemberbride
Irland/GB 1990 OmU 90 min., R.: Thaddeus O'Sullivan, B.: David Rudkin nach
dem
Roman von Sam Hanna Bell, K.: Bruno de Keyzer, D.: Donal McCann, Saskia
Reeves, Ciaran Hinds
Nordirland, um die Jahrhundertwende. Sarah hat sich entschieden. Sie setzt sich
durch, auch gegen den Widerstand der Gemeinde : mit beiden Männern, die sie
liebt, will sie zusammenleben, keinen von beiden heiraten.
Dennoch ist dies keine der üblichen (Film-) Dreiecksbeziehungen. Nach kurzer
Auseinandersetzung finden sich die Brüder mit ihrem Entschluß ab. Weder ein
Eifersuchtsdrama noch ein leidenschaftliches hin und her wird hier in Szene gesetzt.
Man gibt sich eher wortkarg. Und dies ist in einer Umgebung, die durch das kühle
Blau des manchmal auch totbringenden Meeres, das dunkle Grün der Felder und
Bäume und das tiefe Braun schwer zu bestellender Felder geprägt wird, nur
folgerichtig.
Die Akte
USA 1993 141 Min.
R.: Alan J. Pakula
D.: Julia Roberts, Denzel Washington, Sam Shepard
Daß der Westernheld einen korrupten Sheriff bekämpfen muß, um zu beweisen,
daß
das System an sich gut, aber ab und zu gegen böse Individuen zu verteidigen ist,
hat man in einigen alten Filmen gesehen. Heutzutage scheint die Skepsis in
Amerika tiefer zu sitzen.
FBI, CIA und in ihrem Auftrag arbeitende Profikiller - kurz, der gesamte
Polizeiapparat - trachten Julia Roberts nach dem Leben, weil sie etwas weiß, das
die Macht gefährdet.
Schneller, spannender Thriller, der die echt aufmüpfige Frage nahelegt, ob denn
sein Herkunftsland wohl von Mördern und Spitzbuben regiert wird.
Ach ja, welches Amt war es nochmal, für das Oliver North gerade so aussichtsreich
kandidiert?
Die Alptraumfrau
BRD 1980 86 Min.
R: Lothar Lambert
B: Lothar L. K: Lothar L. P: Lothar L.
D: Ulrike S.,Dagmar Beiersdorf, Lothar Lambert,
Lamberts Bo Derek Ulrike S. erleidet Kopfschmerzen, Selbstmordideen und
Putzzwang und wer mit Lambert noch nichts anzufangen weiß, sollte es mit diesem
Film versuchen.
Die Architekten
DDR 1990 107min
R.: Peter Kahane
D.: Kurt Naumann, Rita Feldmeier, Uta Eisold, Ute Lobosch
Daniel ist Architekt, hat aber vor lauter Idealismus bisher nur Strom- und
Bushäuschen bauen können. Nun kommt seine große Chance: ein 80 Millionen
Kulturzentrum. Sein Team stellt er aus Freunden und ehemaligen Studienkollegen
zusammen. Wie 'Die glorreichen Sieben' stapfen sie übers Baugelände. Die Pläne
werden groß, bahnbrechend. Doch dann stützen die Sachzwänge auf sie ein und ein
modernes Melodram nimmt seinen Lauf.
Die Armee
der Finsternis
Army of Darkness
USA 1992 95 Min.
R.: Sam Raimi
D.: Bruce Campbell, Embeth Davidtz, Marcus Gilbert
Mehr Fantasie als Horror, Komödie anstatt Splatterfilm - der dritte Teil des 'Tanz der
Teufel'-Zyklus ist auch für wenig blutrünstige Menschen verdaulich.
Ash -unser Held- landet ungewollt mitsamt Kettensäge, Auto und Gewehr in König
Arthurs Reich. Nach Auflösung gewisser zwischenmenschlicher Schwierigkeiten
bleibt der Kampf gegen sein böses Ich, seine kleinen bösartigen Ichs und eine prima
Armee von Untoten, der bravourös, dank der Erfahrung von Jahrhunderten,
gewonnen wird.
Die
Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos
BRD 1967 103 min
R+B.: Alexander Kluge
D.: Hannelore Hoger, Siegfried Graue, Alfred Edel
Die Utopie vom Reformzirkus: Frau Peikert sieht ein, daß sie nicht Artistin bleiben
kann, wenn sie freie Unternehmerin sein will. Nur als Kapitalist ändert man das, was
ist.
Tut der Kapitalist, was er liebt, und nicht, was ihm nützt, wird er von dem, was ist
nicht unterstützt.
Sich Mühe geben allein nützt gar nichts. aus: s.o.
Die Detektivin
(Pas tres catholique)
Fra 1993 100min
R.: Tonie Marshall
D.: Anémone, Roland Bertin, Grégoire Colin
Das Genre des Detektivfilms wird hier ziemlich an den Rand gedrängt, denn Maxime
ist zwar Detektivin (Sie betont es oft genug), aber das ist halt auch nur eine Art mit
viel rumsitzen und Papierkram seine Brötchen zu verdienen. Unabhängig will sie
sein, und unorthodox. Sie raucht viel, zieht sich, wie es heißt 'nachlässig' an, hält
ihre Geliebte auf Distanz, läßt den neuen Lover warten und trifft zufällig, nach
Jahren, ihren, inzwischen jugendlichen Sohn (irgendwann war da mal eine Ehe),
den sie mit etwas Neugier und einiger Faszination betrachtet, ehe sie ihn irgendwo
stehenläßt. Naja, Vergangenheit ist schon was lästiges.
Die
Duellisten
GB 1976 101min
R.: Ridley Scott
D.: Harvey Keitel, Keith Carradine
Während der Napoleonischen Kriege duellieren sich zwei französische Offiziere
über Jahre hinweg bei jeder sich bietenden Gelegenheit, obwohl sie sich allmählich
nicht mehr an die Ursache des Hasses erinnern können. Ungewöhnlich brilliant
inszeniertes (= schöne Bilder) Erstlingswerk von Ridley Scott (Blade Runner,
Alien).
Die
dunkle Seite des Herzens
( El lado oscuro del corazon )
Arg/Kan 92 127 Min OmU
R + B : Eliseo Subielo
K : Hugo Colcaca
M : Osvaldo Montes
D : Dario Grandinetti, Sandra Ballesteros, Nacha Guevara, Jean Pierre Reguerraz
Oliverio, ein junger Dichter in Buenos Aires, ist ein geborener Bohemien, der sich
sein Geld mehr schlecht als recht mit Werbesprüchen verdient. Daneben verbringt
er seine Zeit damit, Liebesgedichte gegen Steaks einzutauschen oder Autofahrern
seine Verse vorzutragen. In Wirklichkeit ist er auf der Suche nach der Frau, von der
er nur eines verlangt : daß sie vom Boden abheben, mit ihm fliegen kann.
Die Ehe
der Maria Braun
BRD 1978 120min
R.: R.W.Fassbinder
D.: Hanna Schygulla, Klaus Löwitsch, Iwan Desny
BRD1
Die Geschichte der selbstbewußten, im Geschäft und in der Liebe konsequenten
Maria Braun, die männliche Spiel- und Lebensregeln imitiert, die im Chaos der
Nachkriegzeit den Aufstieg aus dem Kleinbürgertum schafft, und dann genau an
einem männlichen Komplott zugrundegeht und Deutschland ist Weltmeister.
Die Erde ist unser
sündiges
Lied
(Maa on Syntinen Laulu) Finnl.73 O.m.U. Erstauführung!
R: Rauni Mollberg
D: Maritta Viitamäki, Pauli Jauhojärvi,
Aimo Saukko
Der Film spielt im Finnland der Nachkriegszeit, in einem kleinen Dorf in Lappland.
Die Hauptperson des Films, die 19jährige Martta, verliebt sich in einen
Rentierzüchter, einen Lappen, der im Dorf weilt und möchte mit ihm ziehen. Mit
Fortschreiten der Romanze scheuen die Dorfbewohner auch vor den grausamsten
Druckmitteln nicht zurück, um Martta ihrer engherzigen, beschränkten Doppelmoral
zu unterwerfen. Als Martta schwanger ist, droht ihr Vater dem Lappen blutige Rache
an.
Die
Ewigkeit und ein Tag
(Mia eoniotika ke mia mera)
Gr. 1998 130 Min. griech.O.m.U.
R.: Theo Angelopoulos
D.: Bruno Ganz, Isabelle Renaud, Fabrizio Bentivoglio, Achileas Skevis
Ein Sonntag in Saloniki. Am nächsten Tag soll Alexander (Bruno Ganz) ins
Krankenhaus gehen. Der todkranke Dichter wird es nicht wieder verlassen können.
Eigentlich will er diesen Tag nutzen, um alles zu regeln: Jemandem seinen Hund
andrehen, seiner langjährigen Haushälterin danken und Abschied von seiner
Tochter nehmen, der er sich nicht traut, die Wahrheit über seinen Zustand zu sagen;
er liest noch einmal die Briefe seiner verstorbenen Frau, die zeigen, wie sehr sie ihn
geliebt hat, während er -in sich und seine Arbeit zurückgezogen- nicht in der Lage
war, diese Liebe zu erwidern.
Doch dann platzt Alexander immer wieder dieser kleine albanische Illegale, der
dringend seine Hilfe braucht, in den Abschiedstag. Bewegung kommt in den Film
und er wird (wie fast jeder Angelopoulos-Film) eine Art Road-Movie.
Die
fliegenden Kinder
Les enfants volants
Frankreich 90 O.m.U. 85min
R.: Guillaume Nicloux
K.: Jean Badal, Raoul Coutard
M.: Michael Nyman
D.: Anémone, Didier Abot, Michel Debrane
Gilbert hat den Verstand verloren. Er tötet. Er tötet ohne Grund. Wegen einer
Nichtigkeit oder aus Notwendigkeit. Er begegnet Suzanne, im Wald. Sie lieben sich.
Und dann gibt es die Erinnerungen. Die Klinik. Der Doktor. Er will das Meer sehen.
Jetzt liebt Suzanne ihn wirklich. Aber Herr Julien hätte nicht kommen sollen. Gilbert
läßt ihn bluten, wie ein Schwein. Suzanne jagt sich eine Kugel durch den Kopf. Und
da Gilbert es satt hat, geht er ins Meer. (Guillaume Nicloux)
Die Flügel
UdSSR, 1966 (Krylija) 86 min
R: Larissa Shepitko, B:Natalja Rjasanzewa, Walentin Jeschow, K: Igor
Slabnewitsch, D: Maja Bulgakowa, Wladimir Gorelew, Sergei Nikonenko u.a., P:
Mosfilm
"Die Flügel scheint einer der "weiblichsten" Filme unserer Filmkunst zu sein. Es ist
schwierig, ein umfassenderes und besser verallgemeinerndes Portrait einer
emanzipierten Frau, die aus dem Krieg hervorgegangen ist, zu finden als Nadescha
Petruchina. (Maja Turowskaja, Filmwissenschaftlerin) . Nadescha Petruchina ist
hochdekorierte Pilotin des 2. WK und fühlt sich zu Friedenszeiten als Deputierte und
Schulleiterin nicht wohl. Ihr Mann starb im Krieg, mit ihrer intellektuellen Tochter
versteht sie sich nicht mehr und schafft mit ihrem Kommandoton eine Mauer um
sich
herum. Sie will wieder fliegen. Die Kritik fiel über den Film her: eine Heldin des
großen vaterländischen Kriegs war blamabel auf die Leinwand gebracht. Nur wenige
Wochen war Die Flügel im Kino zu sehen, dann lag der Film 12 Jahre im Regal.
Die
Frau mit der 45er Magnum
USA 8o R: Abel Ferrera D: Zoe Tamerlis, Jimmy Lane, Peter Yellen,
Albert Sinkys
Als wir diesen Film im Februar 91 schon mal im Programm hatten wollte der Verleih
ihn kurzfristig wieder zurückziehen da er eine Beschlagnahmung wegen Verbreitung
gewalttäti ger Bildkunst befürchtete. Dabei ist die Geschichte - eine Frau die an
einem Tag zweimal vergewaltigt wird rächt sich exemplarisch am männlichen
Geschlecht durch gezielte Schüsse aus eben jener 45er Magnum - mit der aus "Taxi
Driver" zu vergleichen. Aber da ist es halt Robert De Niro der im nächtlichen New
York aufräumt.
Die Frau die
weint
La femme qui pleure
F. 1978 90 Min. frz.OFm.engl.UT
R.: Jacques Doillon
D.: Dominique Laffin, Jacques Doillon, Haydée Politoff, Lola Doillon
Dominique wirft ihren Mann hinaus, weil der eine Geliebte hat. Doch als er
zurückkommt, nimmt sie ihn auf, bietet ihm sogar an, mit seiner Geliebten in ihr
Haus zu ziehen. Dort kann die Dreiecksgeschichte nun in Ruhe explodieren.
Die fünfte
Jahreszeit
Iran/Frk 97 OmU 80 Min.
R.:Rafi Pitts
D.:Roya Nonahali, Ali Sarkhani, Parviz Poorhosseni,
Ein abgelegenes Dorf im Hochland Irans. Die Familien Jamalvandi und Kamalvandi
sind schon so lange miteinander verfeindet, daß niemand sich mehr an den
genauen Grund erinnern kann.Eine Hochzeit soll den Zwist gegraben, doch kurz vor
dem `Ja` Wort lassen die Auserwählten die Feier platzen.
Von hier an stehen zuerst ein , dann noch ein Autobus im Mittelpunkt des
Geschehens.
Rafi Pitts beschreibt seinen Film selbst als eine Komödie, und bestimmt ist sie eine
der farbenprächtigsten.
Die
Gemmi - ein Übergang
I/CH 1994, 33min, O.m.U., R.: Clemens Klopfenstein, D.: Max
Rüdlinger,
Polo Hofer
Die Legende sagt, daß Herbert Achternbusch und Werner Herzog in den 70er
Jahren auf einem schottischen Berg sich fragten, was denn -ohne sie- aus der
deutschen Filmkultur werden würde, während sie, in ihrem Urlaub, dort pausierend
sitzend, sich dieser speziellen und wichtigen Frage annehmen.
Die Helden in diesem Film (Schauspieler und Rocklegende) klettern auch einen
Berg hinauf und unterhalten sich über die Schweiz, ihr (Künstler-) Leben ebenda
und über Sinn und Unsinn von diesem und jenem. Da sie doch schon etwas älter
sind, machen sie beim Anstieg viele Pausen, zumal sie lieber im Wirtshaus säßen,
als ihrer jetztigen, doch eher lästigen Betätigung nachzugehen. Jedenfalls genug an
Gelegenheiten, Schwätzchen zu halten. Das kommt (gerade durchs Improvisieren)
häufig abstrus, unbeholfen, verwirrt und manchmal ein wenig zynisch daher, aber
vor allem VERDAMMT KOMISCH. Kenn ich gut: So ist das beim Wandern. -- Meint
auch Achternbusch: "...aber der Text erhält auf diese Weise einen zyklischen
Aufbau
und auf zyklische Aufbauten, das pfeifen die Spatzen von den Dächern, fahren die
Leser voll ab." Da haben wir ihn, den Max Goldt, der sollte einfach vorkommen, um
etwas unelegant eine Verbindung zum anderen Film dieses Doppelprogramms
herzustellen.
Die
Geschichte der Nana S.
-Film in zwölf Bildern-
( Vivre sa Vie )
F 1962 79 Min.
R.: J.-L. Godard
B.: Godard, nach einem von Marcel Sacotte
K.: Raoul Coutard
M.: Michel Legrand
D.: Anna Karina, Sady Rebbot, André S. Labarthe, Guylaine Schlumberger
'Man ist verantwortlich für das, was man ist und tut' sagt Nana zu Beginn des Films
und
wird
eher zufällig Prostituierte. Als sie nach 'zwölf Bildern' sagt, was sie will, nämlich mit
dem
Geliebten zusammenziehen, zeigt ihr Zuhälter wenig Verständnis : sie muß sterben.
Und
wir,
die wir zuvor mit ihr in Bressons 'Passion de Jeanne d'Arc' waren, wußten es von da
an.
Verstehen und Leben gleichzeitig, das ist halt schwierig.
Die
Geschichte der Quiju
VR China/Hongkong 1992 100min
R.: Zhang Yimou
D.: Gong Li, Lei Lao Sheng, Zhi Yun, Liu Pei Qi
Eine Bäuerin (Gong Li) aus dem einsamen Norden Chinas gibt keine Ruhe. Bei
einem Streit hat der Dorfälteste ihren Mann in die "Lenden" getreten, dafür soll er
sich entschuldigen. Sie zieht zur Polizei im nächsten Dorf, dann zum Distriktgericht,
schließlich (des öfteren) in die Provinzhauptstadt. Unbeirrbar, hochschwanger, mit
sanftem Trotz klagt sie ihr Recht ein.
Die
Jüdin und der Hauptmann
BRD 1994 92 Min.
R.: Ulf von Mechow
Bei seiner Arbeit im Getto von Minsk lernt der Hauptmann Willi Schulz, ein
überzeugter NSDAPler, die Jüdin Ilse Stein kennen und verliebt sich in sie. Als
dieses Getto 1943 aufgelöst werden soll, (sprich: Alle Bewohner sollen getötet
werden) flieht Schulz mit Ilse Stein und weiteren 30 Juden zu den weißrussischen
Partisanen.
Der Regisseur besucht Frau Stein in Rostow am Don, um die Geschehnisse zu
recherchieren. Im Zusammenhang mit den immer unverhohlener geäußerten
Forderungen, Geschichte Geschichte sein zu lassen und die deutschen Verbrechen
endlich zu vergessen, bestürzt der enorme psychische Druck, unter dem die Opfer,
die das Geschehene einfach nicht vergessen können, immer noch stehen. Er wird
immer wieder sichtbar, obwohl von Mechow sehr einfühlsam vorgeht und
beispielsweise, wenn seine Gesprächspartner in Tränen ausbrechen, nicht, wie
sonst häufig üblich, draufzoomt, sondern wegzoomt und abblendet.
Ein unspektakulärer Film, der sich mit den Versuchen der Opfer, ihren Schmerz zu
verarbeiten, beschäftigt und gerade deshalb für das Land der Täter wichtig ist.
Die Kinder
- Les Enfants
Fra 1984 90min O.m.U.
B+R.: Marguerite Duras, Jean- Marc Turine, Jean Mascolo
D.: Alex Bougousslavski, Martine Chevalier, Daniel Gélin
Ernesto, ein siebenjähriger Junge mit dem Aussehen eines Vierzigjährigen, einer,
der sieben Jahre lang geschwiegen hat und nach Schulbeginn seine Eltern damit
überrascht, daß er nicht mehr zur Schule gehen will, weil er nicht lernen will, was er
nicht weiß. Und er weiß auch, warum: weil es sich nicht lohnt.
"Auch ich finde bei jedem Film, den ich mache, daß es sich nicht lohnt. Aber man
kann auch Filme machen, die zu machen sich nicht lohnt."... "Der Ort des Anderen
Kinos ist ein tragischer Ort, er ist zuallererst ein Ort der Verweigerung." (Marguerite
Duras)
Die Klage der
Kaiserin
BRD/F/E 1989 95 Min.
R.: Pina Bausch
D.: Mariko Aoyama, Anne Marie Benati, Mechthild Grossmann
Ein Film fast ohne Worte (die Regisseurin Pina Bausch kommt vom Ballett und
arbeitet lieber mit Bewegungen, Bildern und Musik) über das Traurigsein, die
Einsamkeit und die Schwierigkeiten der Verständigung, so komisch und grotesk in
Szene gesetzt, daß er einen nicht schwermütig macht, sondern tröstet mit dem
Gefühl, in der eigenen Absurdität nicht alleinzusein.
Die kleine Vera
Malenkaja Vera
UdSSR 1988 133 Min.
R.: Wassilij Pitschul
B.: Maria Chmelik
K.: Jefim Resnikow
D.: Natalja Negoda, Andrej Sokolow, Juri Nasarow, Ljudmilla Sajzewa
Die 17jährige Vera lebt in einem Elternhaus, in dem aufgrund gewisser sozialer
Gegebenheiten die Streitkultur aufs Äußerste gepflegt wird.
Ihre neueste Eroberung, ein Student, soll ihr eine neue Perspektive bieten, und so
zieht Sergej erstmal bei Vera und ihren Eltern ein. Nicht so recht begeistert von der
Haushaltsvergrößerung, plagen diese sich mit dem arroganten Schwiegersohn in
Spe herum, bis ein Brotmesser von Vaters Hand in dessen Bauch landet.
Eine ...ungewohnt offene, naturalistische Darstellung' nennt das RoRoRo-Lexikon
das was 'Cinema' typischerweise als erste gewagte Sex-Szenen im sowjetischen
Film hochjubelte, aber selbstverständlich auch 'ungemein dicht inszeniert'. Und das
Drehbuch ( geschrieben von Pitschuls Frau Maria Chmelik ) bekam 1990 den Felix.
Die Lady von
Shanghai
USA 46/48 O.m.U. 81min
R: Orson Welles
D: Orson Welles, Everett Sloane, Rita Hayworth
Ein typischer Film Noir. Der Ich-Erzähler gerät in einen Dschungel der Intrigen, in
dem
jeder
jeden übervorteilen, ausschalten, töten möchte. Der Film endet mit einer
Verfolgungsjagd
in
einem verlassenen Vergnügungspark, die in einem Spiegelkabinett ihren Höhepunkt
hat.
Hier
erst kann sich O'Hara ( Orson Welles ) aus dem Bann Elsas ( Rita Hayworth )
befreien.
Das
dies dann auch im richtigen Leben nicht mehr lange auf sich warten ließ ist wohl
Ironie
des
Schicksals. Orson Welles und Rita Hayworth waren nämlich zu diesem Zeitpunkt
noch
ein
Ehepaar.
Die
Legende von Paul und Paula
DDR 1973 105 Min.
R.: Heiner Carow, D.: Angelica Domröse, Winfried Glatzeder, Heidemarie
Wenzel,
Fred Delmare
Untrügliches Kennzeichen fast aller DEFA-Filme: Der schön warme, nölige, leicht
berlinerisch gefärbte Unterton der Frauenstimmen, wie Angelica Domröse ihn in
diesem Film vorführt. Im Westen hat man ihr das abgewöhnt, weil hier in der "Kultur"
niemand einen Dialekt haben darf, es sei denn, er spielt in einem Heimatfilm mit
oder mimt einen Kauz.
Worum geht's? Um eine traurige Liebesgeschichte mit halbem Happy End mitten im
DDR-Alltag. Selbst die völlig beknackten Eindeutschungen von Slade und Bee Gees
Stücken (durch die allseits beliebte Pop-Combo Puhdys) stimmen einen noch
wehmütig in diesem Film und erinnern daran, daß es vierzig Jahre lang auch etwas
anderes gab als nur den Plan vom großen, großen Deutschland.
Lerchen am
Faden
CSSR 69 94min
R.: Jiri Menzel
D.: R.Hrusinsky, Václav Neckár, Jitka Zelenohorská, Nada Urbánková
1950 in Kladno arbeiten bürgerliche Intellektuelle zwecks Eingliederung in den
Arbeiterstaat auf einem Schrottplatz. Zusammen mit einigen Insassen des
benachbarten Frauenge fängnisses versuchen sie sich an einer eigenen Form des
Zusammenlebens, was ein wenig absurd, aber ebendrum und ziemlich lustig ist. So
ists wenn der Geist den Realitäten spottet, wenn ein Schriftsteller alte
Schreibmaschinen auf Halde stapeln muß und wem er dann alles spotten kann. Der
Film -1970 in der CSSR verboten- gewann 1990 den goldenen Bären der Berlinale
und ist keine Aufarbeitung des Sozialismus.
Die letzte
Verführung
( The last Seduction )
USA 1993 106 Min.
R.. John Dahl
B.: Steve Barancik
K.: Jeffrey Jur
M.: Joseph Vitarelli
D.: Linda Fiorentino, Peter Berg, J.T. Walsh, Bill Pullman
Eine Masse Geld, eine stinknormale, piefige Kleinstadt sowie eine schöne aber
noch
schlauere Frau - das sind die Zutaten zu diesem Film. Er schimpft sich zwar einen
Thriller,
aber nicht knisternde Spannung ist es, von der er lebt, sondern die Freude am
klugen
und
bedenklich amoralischem Tun der Protagonistin.
Bridget will Geld, und sie will Sex. Und sie ist hundsgemein. Die Tricks und das
Kalkül,
womit sie die Männer ( es sind ausnahmslos Männer ), die sie aus einer gewissen
Selbstgefälligkeit zu unterschätzen scheinen, aus dem Weg räumt oder benutzt, je
nachdem,
sind vom Feinsten - so hinterhältig wie gelungen. Und deshalb vergessen wir das
dumme
Ende ganz schnell.
Die letzte Etappe
Polen 1947
R.: Wanda Jakubowska
Die Regisseurin war Häftling in Auschwitz und begann im Lager, das Erlebte für
diesen Film festzuhalten. "Dem Wunsch, einen Film über das Lager in Auschwitz zu
machen, verdanke ich höchstwahrscheinlich, das ich überhaupt noch lebe. Er
behütete mich davor, Auschwitz nur subjektiv zu erleben, und erlaubte mir, alles,
was mich umgab, als eine besondere Art von Dokumentation zu behandeln. Mir lag
nicht am Auschwitzer Thema als einer filmischen Attraktion. Ich wollte die Wahrheit
zeigen und Gefühle des Hasses gegen den Faschismus wecken." (Wanda
Jakubowska)
Die
letzte Schulglocke
Polen, 1989
(Ostatni dzwonek) O.m.frz.U, 109 min
R: Magdalena Lazarkiewic, B: Wlodzimierz Bolecki, K: Bogdan Stachurski, M:
Zbiginiew
Preisner, D: Zbiginiew Suszynski, Agnieska Kowalska, Aleksandr Bednarz, Jacek
Wojcicki
u.a. Prod: Karol Irzykowski Film Studio
In Danzig wird gestreikt. Der Schüler Nowy wird an ein Vorortgymnasium versetzt,
weil
er
Flugblätter verteilte. Dort politisiert er die bis dahin pubertierende Abschlußklasse.
Ein
von
ihnen produziertes avangardistisches Theaterstück mit dem Titel: "Die
Geschichtsstunde"
gewinnt trotz vieler Behinderungen den Preis eines Danziger Theaterfestivals.
M. Lazarkiewicz (*1954 in Warschau). Studierte Kulturwiss. in Wroclaw
(Abschluß
77) und Regie in Katowice (Abschluß 82). Realisierte mehrere Dokumentar - und
Spielfilme,
darunter: Durch Berührung (Przez dotyk, 1985).
Die letzte Etappe
Polen, 1947
(Ostatni etap) OmU, ca. 90min
Regie: Wanda Jakubowska
Wanda Jakubowska gehört zu einer der wenigen Überlebenden des KZ Auschwitz.
Den Entschluß, einen Film über Auschwitz zu machen, habe sie in dem Moment
gefaßt, als sie die Schwelle des Lagers überschritt. "Dem Wunsch, einen Film über
das Lager in Auschwitz zu machen, verdanke ich höchstwahrscheinlich, daß ich
überhaupt noch lebe. Er behütete mich davor, Auschwitz nur subjektiv zu erleben,
und erlaubte mir später, alles, was mich damals umgab, als eine Art von
Dokumentation zu behandeln."
W. Jakubows-ka begann sofort nach der Befreiung 1945 mit dem Drehbuch. Die
Letzte Etappe gilt als das herausragende Werk des polnischen Nachkriegsfilms.
W. Jakubowska (*1909 in Warschau) kam während ihres Studiums der
Kunstge-schichte zum Film und wurde Mitbegründerin der polnischen
Filmvereinigung "START", die sich 1929 die Erneuerung des polnischen Films
vorgenommen hatte. 1942 wurde sie verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Die
letzten Kriegsmonate war sie im KZ Ravensbrück.
Die
Liebenden von Pont Neuf
F 91 125 min
R.: Leos Carax
D.: Dennis Lavant, Juliette Binoche
Leos Carax macht Filme, die so tief gehen wie ein hartgekochtes Ei auf nüchternen
Magen. Und weil das so berührt, schauen sich viele seinen neuen Film an. Einige
davon möchten wir in unser Kino locken.
Zudem hängen an "Die ..." viele wundervolle Momente, die nur französischen Filmen
zu Eigen sind. Der Hauptdarsteller mit der Nase, J. Binoche, die hier mal nicht den
ganzen Film unter Wasser setzt (weil sehbehindert), Paris, Paris, Pariser Brücken,
Clochardromantik in Straßentheatertradition und wirkungsvolle Illumination.
Jedenfalls nichts, was jenseits des Kinos Wirklichkeit fände, also unterhaltsame
Langeweile a la Lynch oder Beineix.
Die Marx Brothers im
Kaufhaus -
The big store
USA 1941 83min
R.: Charles Reisner
D.: G.,H.+ C.Marx, Margaret Dumont
Die Jungs als Kaufhausdetektive.
Die Marx Brothers in der
Oper - A
night at the
opera
USA 1935 O.m.U. 90min
P.: Irvin G. Thalberg
R.: Sam Wood
D.: G.,H.+C. Marx, Margaret Dumont
Groucho als Otis P. Driftwood. Der Film mit der dichtesten Kabinenfüllung, der
rasantesten Vertragskürzung und einer Oper (Troubadour) zum mitsingen.
Die
Ministerien der Kunst
Les minist res de l'art ()
F 1988 52 Min. O.m.U.
R.: Philippe Garrel
Garrel ist so eine Art "Seele" des modernen französischen Kinos. Er Besucht
Regisseure und Regisseurinnen der Nach-Nouvelle-Vague-Generation, läßt sie
erzählen, ermuntert sie und dokumentiert nebenbei das Kino seiner Generation. In
diesem Film sieht man ihn mit: Chantal Akerman, Juliet Bertot, Leos Carax, Hél ne
Garidou, Benoit Jacquot, Jean-Pierre Léaud, Werner Schroeter, Brigitte Sy, André
Techiné und natürlich Jacques Doillon, weshalb dieser Film in unserer Retro
auftaucht.
Die Müßiggänger
I Vitelloni
Ita 1953 102min
R.: Frederico Fellini
D.: Franco Interlenghi, Alberto Sordi, Franco Frabizi, Leopoldo Trieste, Riccardo
Fellini, Eleonora Ruffo, Arlette Sauvage
Fausto, Moraldo, Alberto, Leopoldo, Riccardo sind fünf Freunde. Sie verbringen
ihre
Zeit im Café und beim Billard. Jeder von ihnen hat jemanden, der ihn erhält, Vater,
Mutter, Schwester, Tante, egal. Dort essen und schlafen sie und von dort
bekommen sie Geld. Sie verachten die kleinen Beschäftigungen, die ihnen geboten
werden. Sie haben alle diverses studiert, aber nicht zuende. So warten sie ständig
auf einen Brief, ein Angebot, einen Zufall, den Durchbruch. Sie sind jetzt 30 Jahre
alt. Berufsjugendliche.
Die
Nachbarin
Bulgarien, 1988
(Sassedkata) DF, 82 min
R: Adela Peewa, B: Banko P.Bankov, K: Stovan Chakarov, M: Victor Choutchkov,
D:
Velko Kunev, Elvira Ivanova, Kalin Arsov. Produktion: Bulgarian
Cinematography
Dimha ist eine junge Arbeiterin in einer sozialistischen Konservenfabrik. Bei
Stromausfall, wenn es dunkel ist, singt sie so schön, daß ihr Vorarbeiter und
Nachbar Gregor sich unsterblich in sie verliebt. Gregor liebt die Musik und will mit
Dimha als verwandter Seele ein neues Leben beginnen. Das Problem ist, das beide
schon unglücklich verheiratet sind. Ein zärtlich ironischer und unendlich trauriger
Film über den Versuch, aus einem falschen Leben auszusteigen.
Die Nachbarin ist der erste lange Spielfilm Adela Peewas'. Ihre Dokumentarfilme
wurden auf verschiedenen internationale Festivals (Oberhausen, Moskau, Paris,
Leipzig, Bilbao) ausgezeichnet. Peewa ist Absolventin der Theater-, Film-, Radio-,
und Fernsehakademie Belgrad.
Die Nacht ist
Jung
Mauvais Sang
Fra 1986 119min
R+B.: Leos Carax
D.: Denis Lavant, Juliette Binoche, Michel Piccoli, Julie Delpy
Ein früherer Film vom 100-Millionen- Francs-Film-Die-liebenden-von-Pont-9
Regisseur Leos Carax. "Eine existenzialistische Kriminal- und Liebesgeschichte. Auf
der ersten Ebene geht es um den Raub einer tödlichen Viruskultur, aber dies ist
dem
Film nur Vorwand, den Rausch des Jungseins und die Melancholie des Alterns zu
verhandeln: Dem alten Gangster Marc ist die junge Anna zwar bis zur Selbstaufgabe
zugeneigt, aber in dem jungen Taschenspieler Alex ruft sie eine unbändige Liebe
wach. Ein Film der ganz leicht im Sumpf des "Beneixismus" versacken könnte, ihn
aber intelligent, formbewußt und ironisch umschifft." (tip)
Die Nacht - Der
Tag
(Nuit ET Jour)
F/B/CH 1991 90 in.
R.: Chantal Akerman
D.: Guilaine Londez, Thomas Langman, Francois Negret
So süchtig nach Liebe wird Julie im Rausch ihrer Verliebtheit, daß sie sich einen
zweiten Geliebten nimmt für die Zeiten, zu denen der erste arbeitet. Sie schläft nicht
mehr und lebt ausschließlich für die Liebe: Keine Freunde, kein Telefon, selbst die
Geräusche der Außenwelt können wie durch Zauber nicht mehr in ihre hermetische
Seifenblase dringen. Sie tut dies ohne jedes Schuldgefühl, doch bald mehren sich
für sie die Zeichen, daß sie Schuld auf sich lädt, und daß etwas kaputtgehen wird.
Die Nacht des
Jägers
USA 1955, 91 Min.
R.: Charles Laughton, D.: Robert Mitchum, Shelley Winters, Lillian Gish u.a.
Die Kinder eines getöteten Räubers werden von dessen Zellengenossen gejagt, da
sie das Versteck der väterlichen Beute kennen. Sehr düsterer und spannender
Thriller.
Die
Nacht des Schmetterlings
" Was ich haben will, das krieg ich nicht,
und was ich haben kann, das gefällt mir nicht. "
Eevi und Ami, zwei Schwestern, wohnen zusammen, bis eines Tages Ami
beschließt ihre Schwester vor die Tür zu setzen, um mit ihrer Freundin
zusammenleben zu können. Eevi, ihrer einzigen Beziehung beraubt, setzt die
Wohnung in Brand, klaut Geld und Auto und fährt aus der Stadt. Ein Roadmovie
beginnt, das mehr und mehr gewalttätig wird, weil Eevi weitere Zurückweisungen
nicht erträgt und letzlich ihre Suche nach Liebe oder Anerkennung erfolglos ist.
Der Film liefert keine psychische oder soziologische Erklärungen für die
Gewaltausbrüche, versträut lediglich ein paar Indizien - Eine finnische Variante von
Michael Haneke Filme, möchte man meinen.
Finnland 1997, O.m.U., 90 Min.
R.+B.: Auli Mantila
D.: Leea Klemola, Elina Hurme, Rea Mauranen, Robin Svartström
Die Partisanen
von Wilna
USA 1985
R., B.,: Josh Waletzky
"Die Partisanen von Wilna" erforscht den bewaffneten jüdischen Widerstand im
2.Weltkrieg.
Er erzählt die Geschichte der jüdischen Jugendlichen, die im Wilnaer Ghetto den
Widerstand
organisierten oder als Partisanen in den Wäldern gegen die Nazis kämpften. Es war
ein
Kampf um die Behauptung der eigenen Identität nach außen und um die Rücksicht
auf
die
ohnmächtigen Hoffnungen der anderen, die an die endgültige Vernichtung nicht
glaubten
und
auf Rettung durch passive Ergebung und Zusammenarbeit mit den Mördern
vertrauten.
Die Piratin
Frankreich 1984 105min
B+R.: Jaques Doillon
D.: Jane Birkin, Maruschka Detmers, Phillipe Leotard
Ein Film über die Enge, die Entsteht, wenn Liebe im Spiel ist. Jane Birkin auf der
Flucht vor ihrer Geliebten und ihrem Mann, die sie beide Lieben und eine
Entscheidung von ihr verlangen. Zwangsläufig erlebt diese Geschichte ihren
Höhepunkt auf einem Boot, einem Ort also, von dem es keine Flucht vor der Enge
mehr gibt. Bemerkenswert, daß Doillon für die Darstellung dieses Gefühls das
extrem weite Cinemascopeformat gewählt hat, und trotzdem überzeugt.
Die
Rache des Ungeheuers
USA 1955 81min
R.: Jack Arnold in 3D
D.: John Agar, Lori Nelson, Robert B. Williams
Ein 50er Jahre 'Beast and the beauty' B-Picture, das bei der Beantwortung der
Frage, wer hier denn eigentlich das Ungeheuer sei, die Antwort: Der "Kiemenmann
vom Amazo nas", eindeutig ausscheiden läßt.
Die Rache
einer Frau
( La vengeance d'une femme )
F 1989, 133 Min. dtsch. Fassung
R.: J. Doillon
B.: J.D., Jean-Francois Goyet, frei nach Dostojewskij
K.: Patrick Blossierr
M.: Jean Fouque
D.: Isabelle Huppert, Béatrice Dalle, Jean-Louis Murat
Ein Spiel zwischen zwei Frauen ( ein ernstes Spiel: das Leben ) um Schuld und
Rache, Freundschaft und Verbundenheit. Béatrice Dalle und Isabelle Huppert spie
len mit und gegenein-ander, mit immer wechseln-den Vorzeichen, und es sieht so
aus und hört sich so an, als ginge es um Suzies ( I.H. ) Mann, der ein Jahr zuvor
starb.
Die
Salzmänner von Tibet
Jedes Frühjahr machen vier Männer der Dropsas, einem
Hirtennomadenvolk Nordtibets, sich mit ihren Yaks auf den langen Weg über die
Hochebene zu den riesigen Salzseen. Unterwegs übernimmt jeder von ihnen eine
bestimmte Rolle: Margen, die Alte Mutter, Pargen, der Alte Vater, Bopsa, der
Neuling und einer ist der Herr der Tiere. Neben diesen Rollen müssen viele weitere
Regeln streng beachtet werden, damit die "Salzernte" ein Erfolg wird.
Die Regisseurin hat die Salmänner auf ihrem Weg begleitet und eine faszinierende
Reportage über ihre Philosophie, ihr enorm respektvolles Verhältnis zur Natur und
ihre Sorgen gedreht: Bald werden sie ihren Lebensunterhalt nicht mehr auf diese Art
verdienen können, denn längst haben respektlose Gesellen damit begonnen, das
Salz unter Umgeheung aller Salzmännerethik einfach mit Lastwagen
abzutransportieren.
BRD 1997, 108 Min., O.m.U.
R.: Ulrike Koch
Die Schmutzigen,die Häßlichen und die
Gemeinen
Italien 1975, 115 Min.
R.: Ettore Scola, D.: Nino Manfredi, Francesco Annibali, Maria Bosco u.a.
Geahnt hatte ich es ja schon immer, daß in den meisten neorealistischen Filmen
etwas
nicht
stimmt. Da sind die Armen nämlich gut und moralisch, weil sie das Gegengewicht zu
den
bösen und amoralischen Reichen bilden müssen. Scolas Film gibt mir recht; in
seinem
Slum
sind sie wirkliche Figuren: Böse, streit- und genußsüchtig wie andere Menschen
auch.
Und
damit bleibt in der Darstellung endlich der einzig wichtige Unterschied übrig: Sie
haben
weniger Geld.
Was in dieser Komödie passiert? Ein stinkgeiziger Großvater versucht zu
verhindern, daß
ihm
die eigene Sippschaft das Geld klaut. Dabei entbrennt ein Kampf auf Leben und
Tod.
Die
Sehnsucht der Veronika Voss
BRD 1981 104min
R.: R.W.Fassbinder
D.: Rosel Zech, Hilmar Thate, Cornelia Froboess
"BRD 2 / 1955"
Veronika Voss, ex Ufa-Star, lebt in der Vergangenheit des 3.Reichs, die für sie eine
große
ist.
Rosel Zech spielt virtuos, aber ohne Eitelkeit, die Euphorien und Zusammenbrüche
der
Veronika; wie ein großer Star steigt sie im Caféhaus die Treppe nach oben, ein
großer
Auftritt
- nach einer einzigen Nacht mit Robert ist sie ein heulendes Bündel Elend,
erschreckend.
Ihr
Zimmer hat sie schon demoliert, da nimmt sie schließlich die Schlaftabletten,
dämmert
dem
Tod entgegen - der Pabst hat gerade im Radio den Segen "Urbi et Orbi" erteilt. Die
Suggestivkraft der 'Veronika Voss' beruht nicht nur in der gradlinigen, wirkungssicher
erzählten Geschichte, sondern vor allem im Stil, einer grandiosen Imitation jenes
Ufa-
Melodrams, dem Veronika Voss ihre Erfolge verdankte. (W.Roth)
Die Spielregel
Fra. 1939 113min
R.: Jean Renoir
D.: Nora Gregor, Paulette Dubost, Marcel Dalio, Roland Toutain...
Mal Tragödie, meist Komödie, Gesellschaftsanalyse und auf jeden Fall (und da sind
sich
inzwischen alle einig) Meisterwerk. Renoir wurde von folgender Bemerkung seines
Freundes
Lestringuez bei der Planung des Films beeinflußt: "Wenn du die Wahrheit
beschreiben
willst,
dann hämmere dir eins ein: die Welt ist ein großer Puff. Die Menschen denken nur
an
eins,
nämlich ans Vögeln, und die, die es nicht tun, sind verloren. Sie ersticken im
Brackwasser der
Gefühle." Renoir räumt ein, daß dies eine sehr persönliche Sicht der Dinge ist, aber
die
Grundidee des Films war geboren, es fehlten nur noch die Schauspieler und die
Geschichte.
Die Spur führt
zurück
USA 1989 137 Min.
R.: Jack Nicholson
D.: J. Nicholson, Harvey Keitel, Meg Tilly, Madeleine Stowe, Eli Wallach
Nach langen Querelen um Regie und Drehbuch einer Fortsetzung von Polanskis
"Chinatown"
hat Nicholson sie schließlich selbst inszeniert. Entstanden ist dabei eine gradlinig
erzählte
Kriminalgeschichte, in der er selbst wieder den Detektiv Jake Gittes spielt;
angenehmerweise
kommt er diesmal ganz ohne seine sonst üblichen manirierten Mätzchen aus.
Ach ja, es geht um Mord und sehr, sehr viel Geld. Ein Krimi ist ein Krimi, ist ein
Krimi..
Die Stille um
Christine M.
NL. 81 97min R: Marleen Gorris D: Cox Habbema, Nelly Frijda, Henriette
Tol,
Edda Barends
Drei sich völlig unbekannte Frauen begehen gemeinsam einen Mord an einem
Boutiquenbesitzer. Wieso, warum fragt sich alle Welt und speziell eine
Gerichtspsychologin
die mit der Erforschung der Hintergründe beauftragt ist.
Es gibt halt nur das Problem, daß die Frauen sich für ihre Tat nicht rechtfertigen
wollen.
Sehr
ironisch und zu Anfang auf jeden Fall recht makaber.
Die Strategie
der Schnecke
Kolumbien 1993 116 Min
R., B.: Sergio Cabrera
D.: Frank Ramirez, Fausto Cabrera, Florina Lemaitre
Die geplante Entmietung ihres Hauses bringt die Bewohner, Anarchisten, Pater,
Revolutionäre, Transvestiten, Scheintote, was halt so in Häuseren lebt, derart in
Rage,
das sie
einen teuflischen Plan gegen die Willkür entwickeln. Sie entdecken die `Strategie
der
Schnecke'.
"Es ist eine komische und schreckliche Geschichte, eine kolumbianische
Geschichte,
reich an
utopischen Elementen, eine Solidaritätserklärung, ein Bericht über Ausbeutung und
Zivilcourage, aber nicht im Stil einer Wahlveranstaltung. Es ist ein poetischer und
politischer
Film im besten Sinne des Wortes, und es ist vor allen Dingen Kino."
(Luis Alberto Alvarez)
Das Mädchen aus
der
Streichholzfabrik
- Tulitikkutehtaan tyttö -
Finnland 89 70min O.m.U. R: Aki Kaurismäki D: Kati Outinen, Elina Salo, Esko
Nikkari
Dies ist wohl der schönste Film von Aki Käurismäki. Kurz, knapp und heftig. Iris ist
eben
jenes Mädchen aus der Streichholzfabrik die Tag für Tag am Band steht und die
Etiketten
der
Päckchen kontrolliert. Ein Mauerblümchen, von aller Welt ausgebeutet und in die
Ecke
geschoben. Ein trügerisches Bild und Iris ist auch nicht die Frau die sich einfach
ihrem
Schicksal fügt. Jeder hat ein Recht darauf einmal 'Königin der Nacht' zu sein. Iris ist
die
Königin dieses Films, auch wenn es zu Anfang gar nicht so scheint.
Die Totale
Erinnerung
Total recall
USA 1990 100min
R.: Paul Verhoeven
D.: Arnold Schwarzenegger, Sharon Stone
70 Mio Trash - aber mit mehr Idee dahinter als bei ähnlichen Produktionen (wobei
wir uns durch allzu laute Knochenbrüche und diverse andere kleinere
Ungereimtheiten nicht das Vergnügen trüben lassen). Um was es geht? Um Fiktion
und Wirklichkeit (so ist halt Film). Arnold läßt sich seine Urlaubserinnerungen
künstlich einpflanzen, und so spielt der größte Teil des Films auf dem Mars (oder im
Traum? - ...ich weiß im Studio, aber...) und Schwarzenegger ist manchmal gleich
doppelt vertreten (oder doch nicht?).
Die Truman Show
" Seit seiner Geburt wird Truman Burbank, ohne es zu wissen, von 5000
versteckten
Kameras beobachtet. Ein Leben als Daily Soap, rund um die Uhr live ausgestrahlt.
Als
durchaus reele Medienmetapher ist Weirs Film die intelligenteste
Hollywoodproduktion
des
Jahres 98, " meint der TIP.
USA 1998, 103 Min., R. Peter Weir, D. Jim Carrey, Ed Harris, Laura Linney
Die Überlebenden
BRD 1994, 90 Min.
R. Andres Veiel
'Aus Gesprächen mit Klassenkameraden, Eltern und Kollegen rekonstruiert Andres
Veiel
die
Geschichte dreier Selbstmörder. Thilo, Tilmann und Rudi wollten ausbrechen aus
der
schwäbischen Hausordnung, weg von der erstickenden Spießerstimmung, die in
den
Wohnzimmern der interviewten Eltern lauert. Es entsteht das Bild einer
Zwischengeneration,
die in den trostlosen Endsiebzigern nicht mehr den subversiven Schub im Rücken
hatte,
und
noch weit entfernt war vom skrupellosen Popperspaß der 80er. Versagensängste,
Einsamkeit,
neurotische Depressionen - sobald man sich auf der Fährte zum Freitod glaubt,
zweigt
Veiel
ab. Diese Verweigerung von Erklärungsmustern und vermeintlicher Folgerichtigkeit
ist
vielleicht die größte Leistung seines Films.
( Katja Nicodemus )
Die
unheimlichen Frauen
BRD 1992 63 Min. R.: Birgit Hein
"Von Anfang an sind Frauen auch Täterinnen. Sie sind so mutig und tapfer wie die
Männer,
sie können genauso grausam und verbrecherisch sein und natürlich auch so geil.
Dennoch
existiert bis heute das Idealbild von Weiblichkeit 'aggressionslos-friedfertig-
asexuell',
mit
dem die Frauen Jahrhunderte lang unterdrückt wurden.
Der Film zeigt Soldatinnen, Partisaninnen, Aufseherinnen, Verbrecherinnen und
gebären
de,
betrunkene, onanierende, starke Frauen, aber auch die beschnittenen, operierten
und
zerstückelten Opfer, die zahlen müssen für die Angst, die Frauen bei Männern
auslösen."
(Birgit Hein)
Die Aufführung dieses Films löste bei der letzten Berlinale Anfeindungen von Frauen
gegen
Frau Hein aus. Ihnen war die Zerstörung des Mythos von der aggressionslosen Frau
denn
wohl doch zu starker Tobak, hatten Männer und Frauen sich doch spätestens in den
siebziger
Jahren darauf geeinigt, daß die Frau grund sätzlich von Natur aus fried fertig ist, und
Aggression und Gewalt Männerdomänen sind. Seht selbst.
Die
Verachtung - le mépris
F/I 1963 95min
B.+R.: Jean-Luc Godard
D.: Brigit Bardot, Michel Piccoli, Jack Palance, Fritz Lang, Georgia Moll
Kultfilm -oder nicht?- egal, Godard erzählt uns hier was übers Filmemachen + sich
verkaufen müssen (die ihm vom Produzenten aufgedrängte Nacktszene Brigit
Bardot's zeigt's sozusagen hautnah). Überdies läßt er Fritz Lang so herrliche Sätze
sagen wie: "Cinemascope ist nur was für Schlangen" und für alle, die immer noch
nicht wissen, ob dies der Film ist, den Sie meinen, nur dies: Das ist der Film mit
dieser Wahnsinnsvilla=Wahnsinnstreppe am Meer
Die
Verurteilten - The Shawshenk Redemption
USA 1994,142 Min, R : Frank Darabont, B : Frank Darabont, nach Stephen
Kings
Kurzroman, K : Roger Deakins, M : Thomas Newman, D : Tim Robbins, Morgan
Freeman,
Bo Gunten
Ein unaufgeregter Gefängnisfilm, der damit der ewig langen Zeitspanne, die er
behandelt,
seine Referenz erweist. Freundschaft und Hoffnung stehen Gewalt und Sadismus,
Bigotterie,
Abhängigkeit - sogar vom Gefängnisleben- und vor allem der nicht enden wollenden
Zeit
gegenüber, so daß das unwahrscheinliche Happy-End verzeihlich ist.
Die Viererbande
Frk./ CH. 88 160min R: Jacques Rivette D: Bulle Ogier, Benoit
Regent,
Laurence Cote, Bernadette Giraud
Vier Schauspielschülerinnen bewohnen zusammen ein Haus in einem Vorort von
Paris. Ihre Freundin Cecile, die den selben Unterricht besucht, ist gerade aus dem
Haus weggezogen, ohne zu sagen, wohin. Die Andeutungen eines merk würdigen
Fremden, der sich an die Frauen heranmacht, lassen sie vermuten, das Cecile sich
in Gefahr befindet. Sie versuchen sie zu schützen. Ein Film voller Rätsel (wie immer
bei Rivette), die die Zuschauer am Ende lösen müssen - soweit das möglich ist.
Die Welt erkennen
UdSSR, 1978
(Poznavaia belyj svet) O.m.Üb., 90 min
R.: Kira Muratowa, D.: Kira Muratowa, Grigori Baklanow, K.: Juri Klimenko, D.:
A.
Sharkow, L. Gurtsenko, N. Ruslanowa, S. Popow, P.: Lenfilm
Muratowas Lieblingsfilm. "Auf der einfachsten und banalsten Dreiecksgeschichte
zwischen 2
Fahrern und einer Putzerin baute die Regisseurin eine erstaunliche Parabel auf
fertige
und tote
Lebensformen, die die Menschen zögernd übernehmen, wissend um die
Unmöglichkeit,
in
der reichen Spontanität des Unabgeschlossenen zu bleiben. (O. Bulgakowa)
Die Wunderbaren
Männer mit der
Kurbel
CSSR 1978 84min
R.: Ji i Menzel
B.: Old ich Vl ek
D.: Rudolf Hru insk , J.M., Bla ena Holi ová
Ein nostalgischer Blick auf die Anfänge des Kinos und eine Reflexion über die
Zugeständnisse, die das Medium meist so trist erscheinen lassen.
Die Zeit nach
Mitternacht
USA 1985 100min
R.: Martin Scorsese
D.: Griffin Dunne, Rosanna Arquette, John Heard
Ein Yuppie verliert sich auf Abenteuersuche ins nächtliche New York. Abseits seiner
Umgebung wird er zum Spielball merkwürdiger, zwielichtiger Gestalten, schlittert
langsam
durch einen Alptraum und statt seines Rendevous bekommt er es mit Horst zu tun.
Die
zwei Leben der Veronika
F/Polen 1991 92 Min. erster Teil untertitelt, zweiter synchronisiert R.:
Kzysztof Kieslowski D.: Ir ne Jacob, Jerzy Gudejko, Philippe Volter
Wir alle sind ja nun mindestens zwei, doch nur eines kann man wirklich leben. Ihr
wißt, wie sehr das manchmal schmerzt.
Die zwei Veronikas entscheiden sich. Die eine für die Kunst, die andere für die
Liebe. Doch überkommt beide manchmal eine große Sehnsucht nach dem anderen
Leben. Ein Film über "entweder-oder". Für mich übrigens der schönste des Jahres
'91.
Diebe der Nacht
F 1996, 117 Min.
R.: André Techiné
D.: Catherine Deneuve, Daniel Auteuil, Laurence Cote, Benoît Magimel
Eine Menage trois in einem Gangsterfilm, eine Familientragödie, ein Melodram
über Generationsprobleme, aus der Sicht der Protagonisten in verschachtelten
Rückblenden erzählt. Die Begegnung mit Juliette scheint Alex noch einmal aus der
Grauzone seines Einzelgängerdaseins zu befreien. Während Vater und Bruder
hehlen & stehlen, ist er Polizist geworden, Abgrenzung von anderen als Prinzip der
(Nicht)existenz, um die eigene Identität zu spüren. Marie, die als Professorin in ihren
Seminaren "Der Mensch ist des Menschen Wolf" Geschichten erzählt, hat ebenfalls
eine Liaison mit Juliette, wärmer als Alex Polizistenliebe, aber auch akademisch
geordnet (sie zeichnet Juliettes Leben auf). "Diebe der Nacht" erzählt die
Geschichte der Erwachsenen, Marie und Alex, zärtlich aber ohne
Hoffnungsschimmer, denn der Chance, sich näher zu kommen, entziehen sie sich
letztendlich beide.
Dieses
obskure Objekt der Begierde
Fra. 1977
R.: Lois Bunuel
D.: Fernando Rey, Carole Bouquet, Angela Moulina
Armes Junges Mädchen macht reichen alten Mann, der ihren Körper begehrt, nach
allen Regeln der Kunst, zum Hampelmann. Ebenso kunstvoll und mit sichtbarem
Vergnügen demontiert Bunuelexemplarisch den gesamten kultivierten Habitus des
Großbürgers.
Distant
Voices - Still Lives
GB 88 O.m.U. 85 Min.
R: Terence Davies
D: Freda Dowle, Pete Postlethwaite, Angela Walsh, Dean Williams,
"Distant Voices, Still Lives" ist ein filmisches Fotoalbum von Davies' Jugend in
Liverpool Anfang der fünfziger Jahre. Das Portrait einer Arbeiterfamilie zwischen
Reihenhaus und Pub. Zwischen dem ersten Teil (Distant Voices) und dem zweiten
(Still Lives) macht die Erinnerung einen Schnitt, hakt sie mit dem Tod des Vaters
und der Hochzeit seiner Lieblingstochter Eileen einen Teil der Familiengeschichte
ab: den jähzornigen, gewalttätigen, ungerechten Vater, den schrecklichen,
hemmungslos prügelnden Familienpatriarchen, der sein eigenes Leiden am Leben
nicht anders zu artikulieren versteht als in der Gewalt, die er seiner Frau Nellie und
den Kindern Tony, Eileen und Maisie antut. Wie dieser erste Teil immer wieder
zurückkommt auf die zentralen Bilder vom Sterben und Tod des Vaters sowie von
Eileens Hochzeit, so findet der zweite Teil immer wieder zu der Familienfeier im Pub
zurück, zur Hochzeitsfeier von Tony.
Don Juan De
Marco
USA 1994 94min
R: Jeremy Leven
D: Johnny Depp, Marlon Brando, Faye Dunaway und über tausend Frauen
Der Titel ist Programm. Es geht um Don Juan, der Welt größter Liebhaber. Liebe,
Leidenschaft, Sehnsucht und Tod. Vor der Kulisse einer modernen Welt spielt
Johnny Depp, eben diesen größten Liebhaber der Welt historiengetreu seiner
Außenwelt vor und überzeugt nicht nur durch seine Geschichten.
Ein wunderbar schönes Märchen über die Liebe dem selbst ein übergewichtiger
Marlon Brando erliegt.
Double
Happiness
Kanada 1994 90 Min OmU
R + B : Mina Shum K : Peter Wunstorf D : Sandra Oh, Alannah Ong,
Stephen
Chang, Frances You, Callum Rennie
Jade Li ist in Hongkong geboren, in Kanada aufgewachsen und 22Jahre alt. Als ihre
kleine Schwester Pearl am Essenstisch die Tatsache verkündet, daß Frauen, die mit
22 noch nicht verheiratet sind, keinen Mann mehr bekommen, steht für ihre Eltern
fest : es ist an der Zeit! Vielversprechende, unverheiratete, chinesischst mmige
junge M nner werden sortiert und erste Treffen vereinbart. Viel lieber als nach einer
soliden Ausbildung einen der Auserwählten zu heiraten, möchte Jade Li jedoch
Schauspielerin werden und ihren weiteren Lebensweg selbst bestimmen.
Gleichzeitig will sie ihren Eltern aber nicht vor den Kopf stoßen oder gar, wie ihr
älterer Bruder, verstoßen werden.
Mina Shums Film ist autobiographisch gefärbt, weshalb sie wohl genau weiß sowohl
um die vielen komischen Aspekte, die dieser Konflikt in sich birgt, als auch um die
Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen. Es gelingt ihr, diese Geschichte zu
erzählen, ohne eine der Seiten zu denunzieren.
Down by Law
USA 1986 106 Min O.m.U.
R., B.: Jim Jarmusch
D.: John Lurie, Tom Waits, Roberto Benigni
Zwei sehr unterschiedliche Männer, Roberto Benigni auf der einen, Tom Waits und
John Lurie auf der anderen Seite, prallen im rustikalen Landgefängnis im Süden
aufeinander. Obwohl sie sich nicht ausstehen können, was Benigni wegen seiner
ständigen Quassellei nicht merkt, brechen sie gemeinsam aus und paddeln durch
die malerische Sumpflandschaft Louisianas in die Freiheit.
Drei D
BRD 1988 50min (+Vorfilm: Fotofinish)
B+R.: Sönke Wortmann
D.: Michael Schreiner, Katharina Müller-Elmau, Vadim Glovna, Willi Tomszyk
Sönke Wortmanns Abschlußfilm an der HFF München über einen Filmstudenten,
der seinen Abschlußfilm über einen Filmstudenten, der seinen Abschlußfilm dreht,
dreht. Und da sich nun eine ganze Horde Kamerateams auf der Leinwand
tummeln,werden die Dreharbeiten, welche auch immer, höchst Pannenintensiv,
zumal der Hauptregisseur in seine Hauptdarstellerin verliebt ist, die zwar kein
Talent, aber einen festen Freund hat. Außerdem hat der Hauptregisseur, wie man in
diversen Einblendungen sehen kann, eine schwere Kindheit und eine harte
Aufnahmeprüfung hinter sich. "Besser eine Komödie als garkeinen Film"
Drei Farben: Rot
F 1994, 97 Min., R.: Krzysztof Kieslowski, D.: Ir ne Jacob, Jean-Louis
Trntignant, Frédérique Feder, Jean-Pierre Lorit
Alter, misanthropischer Knurrhahn wird von junger Idealistin in's Leben
zurückbugsiert. Bei dieser Geschichte könnte ein ziemlich kitschiger Film drohen.
Kieslowiski macht daraus ein kompliziertes Beziehungsgeflecht in parallel
zueinander verlaufenden Geschichten, flott erzählt, und eine Liebeserklärung an die
Farbe Rot. Außerdem enthält der Film mit der Szene, in der die beiden Helden in
einem leeren Theatersaal bei ungenießbarem Kaffee und heftigem Sturm vor der
Tür miteinander reden, eine der schönsten und zärtlichsten meiner Filmgeschichte.
Drei Tage
Trys Dienos
Litauen 1991 76min O.m.U.
R+B.: Sarunas Bartas
D.: Katerina Golubeva, Rima Latypova, Arunas Sakalauskas, Audrius Stonys
'Permanent Vacation' in Kaliningrad.
"Zwei (wohltuend mundfaule) Jungen fahren nach Kalinin grad, begegnen zwei
fertigen Mädchen mit fettigen Haaren, lungern in verschiedenen Kombinationen auf
einem zerbrakelten Platz rum, kauern in verdreckten Gewölben und schleichen über
die Dächer eines schäbigen Hotels. Sie haben es aufgegeben, Über gänge zum
nächsten zu suchen. Das macht sie konzentriert in ihrer Lähmung. Sie frösteln
nebeneinander, aber nicht aneinander vorbei, schlafen ohne sich auszuziehen, egal
ob allein oder miteinander. Sie kommen und gehen." (Silke Panse in SPEX 4/92
Seite 71)
"Das schwierigste war das Drehbuch. Das Drehbuch war mit Dialog. All diese
Szenen hatten ursprünglich Dialoge, aber sie blieben am Ende auch ohne Dialoge
dieselben. Verstehst Du mich, nein? Da ist ein Raum, ja? Und im Drehbuch, das ich
schrieb, waren Dialoge. Aber in diesem Raum mit diesen Leuten und in den
Dialogen war etwas, das danach, nach dem Drehen, ohne Dialoge war. Wenn es
möglich war, mußte der Schauspieler dieselbe Szene ohne Dialog spielen, aber mit
demselben Gefühl natürlich. Sie müssen das Drehbuch lesen, die Dialoge regen die
Phantasie an. Und im Kino, im Film habe ich ein Bild statt Worten."
-Dein Ziel ist also, soviel Worte wie möglich zu tilgen.
"Ja, und einige von denen, die am wichtigsten für mich waren, hab ich im Film
gelassen." ( Sarunas Bartas im Dialog mit Silke Panse)
Droit de Cite
(Citizen Rights 58)
Frankreich 1988 1Std.
R.: Marie-Ange Beauce und Philippe Percebois
Leben auf der Straße, Liebe und Tod. Ein einfühlsamer und klarer Blick in die Welt
der Clochards, in der der Tod näher als das Leben ist - die Liebe anders funktioniert,
und Gesetze nicht den Dreck unter den Fingernägeln wert sind. Die Kamera scheint
ein guter Bekannter zu sein, so ungehemmt wird vor ihr erzählt und agiert -
unkommentiert, denn diese Menschen sprechen für sich selbst.
Duck Soup - Die Marx Brothers im Krieg
USA 1933 65min
R.: Leo McCarey
D.: G.,H.,C.,+Z. Marx, Margaret Dumont
Groucho als Rufus T. Firefly, dem Marionettenpresidenten des bankrotten
Kleinststaates 'Freedonia'. "Was hat einen Rüssel, wiegt 2ooo Pfund und lebt im
Zirkus ?"-" Das ist irrelefant." Der einzige Marx Brothers Film garantiert ohne Klavier-
oder Harfensolo.
Dust
Belg./Fra. 1984, 87min, engl. Originalfassung, B+R.: Marion Hänsel,
D.:
Jane Birkin, Trevor Howard, J. Matshikiza, N. Uwampa
In der Wüste irgendwo in Südafrika leben Vater und Tochter zusammen auf einer
Farm. "Zusammenleben ist ein wenig gestrunzt, denn ihr Verhältnis ist, um es
vorsichtig auszudrücken, ziemlich ungleichgewichtig. Er benutzt seine Tochter als
Magd, und sie ist vollständig abhängig von ihm. Zwischen Aggression und
Regression hin- und hergerissen, will sie sich aus dieser Beziehung befreien, und für
einen kurzen Augenblick scheint alles möglich zu sein...
Das süße Jenseits
Kanada 1997 110 Min.
R. & B.: Atom Egoyan
Romanvorlage: Russel Banks
D.: Ian Holm, Caerthan Banks, Sarah Polley
Nachdem die Kinder eines kleinen Ortes bei einem Busunglück umgekommen sind,
erscheint der Anwalt Mitchell, um die Dorfbewohner zu einem
Schadensersatzprozeß
zu überreden. Er gibt sich als Racheengel aus, der die Trauer mildern kann, indem
er
sie in Wut verwandelt. Der Schmerz darüber, daß er seine eigene Tochter verloren
hat,
die Unmöglichkeit, zu verstehen, wann und warum ihm alles aus den Händen
geglitten
ist, das Unvermögen, etwas als unwiderruflich geschehen zu betrachten, macht ihn
zum Rattenfänger. Denn das im Zuge des Prozeßes eine Schlammschlacht
ausgelöst
wird, die die Gemeinde völlig auslöscht, liegt für ihn außerhalb seiner
Verantwortung.
Egoyans Film ist düster, komplex und außergewöhnlich schön.
Die Blume der
Hausfrau
Angefangen hat alles damit, daß Massimo mir einen Staubsauger verkaufen wollte...
Das hat zwar nicht geklappt, dafür haben wir dann zusammen einen Film gedreht:
DIE BLUME DER HAUSFRAU ist eine Erzählung aus der Provinz. Sie handelt von
deutschen Werten, als da sind: Sauberkeit. Das eigene Heim. Und natürlich: Der
Kobold. Massimo und seine Kollegen Salvatore, Angelo, Maurizio und Steffen
arbeiten als Staubsaugervertreter bei der Firma Vorwerk in Stuttgart: Vier
schwäbisch sprechende Sizilianer und ein Sachse im Land der Kehrwoche.
Ausgebuffte Jungs, die genau wissen, wie sie schwäbischen Hausfrauen den Traum
von Sauberkeit und Glück verkaufen können. Aber was passiert, wenn das Bild vom
erfolgreichen ,,Businessman" auf einmal Risse bekommt, wenn der Kampf gegen
den Dreck unvermittelt zum eigenen Überlebens-kampf gerät? Wer nichts verkauft,
verdient auch nichts. Das schadet nicht nur der eigenen Moral, son-dern auch dem
Teamgeist. Ist es tatsächlich so: ,,Es gibt nur Gewinner und Verlierer. Die Verlierer
bleiben auf der Strecke, und die Gewinner ziehen weiter"? Darüber hinaus erzählt
DIE BLUME DER HAUSFRAU auch vom Geschäft mit der Sauberkeit, von der
Organisation eines Unterneh-mens, das im letzten Jahr mit dem Direktvertrieb von
Staubsaugern einen Rekordumsatz in Milliardenhöhe gemacht hat. (Dominik
Wessely)
D 1998, 93 Min.
R.:Dominik Wessely
DIEU SEUL ME VOIT
Im Zentrum dieser witzig-ironischen französischen Komödie steht der unfreiwillige
Verführer von nebenan. Der zaudernde Albert Jeanjean, ein Versailler Woody
Allen", verstrickt sich in drei Liebesgeschichten. Leicht und intelligent webt Bruno
Podalydes wunderbare Situationskomik in ein beispielhaftes Panorama über den
heutigen Durchschnittsbürger. Albert, Toningenieur und temporärer Stimmenzähler,
weiß nie, was er will. Soll er die Strasse überqueren oder nicht? Wem die Stimme
geben? Welche Frau wählen? Während einer Reportage in der Provinz trifft er eine
Krankenschwester, zurück in Paris eine junge Polizistin und zuletzt eine
aufstrebende Regisseurin. Die Frauen scheinen alle seinem Charme und seiner
Hilflosigkeit zu erliegen. Umso komischer wird es, als Albert unschlüssig und
zögernd wie ein aufgeregtes Huhn zwischen den drei Frauen hin und herläuft. Beim
Vernehmen amouröser Zutraulichkeiten aus dem Mund einer Frau packt ihn akuter
Brechreiz. Dann steht er plötzlich nach einem mehr oder weniger zufälligen
Zusammentreffen mit allen dreien ganz alleine auf einem großen Platz...
Frankreich 1998, 120 min., OmU, Regie: Bruno Podalydes, Darsteller: Denis
Podalydes, Jeanne Balibar, Isabelle Candelier, u.a.
Die Farbe der Lüge
Ein Mädchen wird tot in einem Wald nahe der bretonischen Küste
aufgefunden. Tatverdächtig ist der erfolglose, hinkende Maler René Stern. Chabrol
geht es nur in zweiter Linie um die Krimihandlung. Im Vordergrund steht das
komplizierte Abhängikeitsverhältnis Sterns zu seiner Frau, der Ärztin Viviane, deren
Techtelmechtel mit einem geschwätzigen und selbstherrlichen Journalisten und das
offensichtliche Unbehagen der ermittelnden Kommisarin, (großartig besetzt mit
Valéria Bruni-Tedeschi) im Privatleben der Dorfbewohner, deren verlogener
Moralismus in einem Film von Chabrol ja eigentlich gar nicht mehr erwähnt werden
muß, herumschnüffeln zu müssen.
Frankreich 1998, 108 Min., R.: Claude Chabrol, D.: Sandrine Bonnaire,
Jacques Gamblin, Valéria Bruni-Tedeschi
Der Apfel
Der Film beruht auf einer wahren Geschichte. Ein Elternpaar hält seine beiden 12
jährigen
Zwillingstöchter seit ihrer Geburt im Haus eingesperrt. Eine von Nachbarn alarmierte
Sozialarbeiterin versucht nun die Eltern davon zu überzeugen, dass es so nicht geht.
Erzählt
wird diese tragische Geschichte wie ein Märchen, leicht und humorig und natürlich mit
einem
glücklichem Ende. Und einem Apfel kommt auch eine besondere Bedeutung zu. Mehr
darf
man eigentlich nicht verraten ohne den einzelnen Situationen ihre Komik zu nehmen.
Ein
Film, der so wohl nur im Iran entstehen kann.
„Eine 18jährige Frau filmt eine Frau, die zwei 12jährige „kleine Frauen" befreit (im Iran
gilt
ein
Mädchen mit achteinhalb Jahren vor dem Gesetz als Erwachsene). Ist DER APFEL
von
Samira
Makhmalbaf, wie die Inhaltsangabe nahelegt, nur ein weiterer feministischer Film? Er
ist
mehr als
das. Diese außergewöhnliche, feminine „Nahaufnahme" ist vor allem ein ganz und gar
humanistischer Film. Die junge Filmemacherin fällt kein Urteil über die Eltern, die ihre
Töchter
einsperren. Sie zeigt eine auch im Haus stets tief verschleierte Mutter (ihr Gesicht wird
im
Film nie
sichtbar), die von Natur aus blind ist, und einen Vater, den seine elende Lage und die
starren Regeln
einer patriarchalischen Kultur blind gemacht haben. Der alte Mann wiederholt stumpf,
was
ihn die
traditionelle iranische Gesellschaft gelehrt hat: „Meine Töchter sind wie Blumen. Sie
dürfen nicht ins
grelle Sonnenlicht, sonst verwelken sie..." Wir müssen „unsere Schwestern" schützen,
intoniert der
männliche islamische Chor. Sie müssen daher Schleier tragen, damit sie nicht der
aggressiven
„Sonne" ausgesetzt werden. Wenn man den Tschador im Iran abschaffen würde, wäre
die islamische
Republik in der Gesellschaft nicht mehr sichtbar. Die Verschleierung der Frauen
erlaubt
die Illusion
die Fiktion - aufrechtzuerhalten, daß der Iran tatsächlich ein islamisches, von Männern
kontrolliertes
Land ist. Als die blinde Mutter mit ihren Töchtern am Ende in den Räumen der
Sozialbehörde wieder
zusammentrifft, ist ihre erste Sorge, den Kindern die Kopftücher zurechtzurücken. Sie
glaubt
tatsächlich, sie müsse die Mädchen einsperren und verschleiern, um sie zu „schützen".
Die große
Stärke von DER APFEL liegt darin, daß er filmisch den neuen Geist der Emanzipation
einfängt, der
den iranischen Frauen Energie verleiht. Die Sozialarbeiterin und die Nachbarinnen
zwingen den alten
Mann, sich selbst mit der Eisensäge aus seinem eigenen Gefängnis zu befreien, und
es
ist eine der
beiden Töchter, die am Schluß in einer gewaltigen inneren Anstrengung den Schlüssel
im
Schloß
herumdreht, und ihren Vater herausläßt. Die Tochter befreit ihren Vater, der sie
gefangen
hielt. Was
für ein Finale! Iran ist ein junges, weibliches Land. ... Im Iran von heute sind es die
Frauen, die die
Zukunft der Männer bestimmen."
Shahala Mossavar-Rahmani
Iran/Frk 97, OmU, 85 Min.
R.:Samira Makhmalbaf, D.:Massoumeh Naderi, Zahra Naderi, Ghorbanali Naderi,
Azizeh
Mohamadi, Zahra Saghrisaz
Die Blüten der Calendula
Alles wie bei Tschechow, nur nach dem Zerfall der Sowjetunion: Drei
Schwestern,
ein Haus, ein
großer Garten und die ewige Frage : Wie soll man weiterleben? Die Mutter der drei will
das Haus aus Geldnot
verkaufen, die Großmutter will es in ein Museum zu Ehren ihres verstorbenen Gatten,
eines berühmten Dichters,
verwandeln. Der Traum der Töchter jedoch ist es, entweder in die USA auszuwandern,
oder, gegen jede Vernunft,
alles beim Alten zu lassen. Und während man sich bei den Vorbereitungen zur
Geburtsatgsfeier der Großmutter
herrlich gemein streitet und sogar Pläne schmiedet, diese umzubringen, verirren sich
passenderweise zwei
Immobilienhaie ins Haus und quartieren sich ein. Erst versuchen sie die Situation
auszunutzen, beim finalen
Kostümfest jedoch sind sie kaum wiederzuerkennen.
Die Vorlagen für diesen Film waren Tschchows ‘Drei Schwestern' und ‘Der
Kirschgarten',
laut Sneshkin
sogenannte russische ‘Datschendramen', Kammerspiele für eine Datsche. Der Ort
symbolisiert eine Auszeit vom
Alltäglichen, aber auch ein Niemandsland und eine Zwischenzeit, in der Weichen
gestellt
werden können.
Auszug aus einem Interview mit dem Regisseur:
Galina Antoschewskaja: Die Menschen, vor denen man vor sieben Jahren Angst hatte,
sind heute Helden Ihres
Films geworden. Was bedeuten diese Menschen für Sie?
Sergej Sneshkin: Ich möchte damit anfangen, daß ich alle Personen von ZWETY
KALENDULY liebe. Sowohl die
Figuren, als auch die Schauspieler, die sie spielen. Mir gefällt auch dieses Land,
dieses
Leben. Das bedeutet nicht,
daß ich nicht alles verstehe. Ich kann alles sehr gut sehen – sowohl die positiven
Eigenschaften dieses Volkes, als
auch seine Gemeinheiten und kleinen Bosheiten. (...) ZWETY KALENDULY ist ein
Film
über die Liebe zu all
dem, was meine Existenz ausmacht. (...)
G.A.: Das Drehbuch haben Sie in Zusammenarbeit mit Michail Konowaltschuk
geschrieben. Wie ist die Idee
entstanden?
S.S.: Ich habe alles in Gang gesetzt. Es fing damit an, daß Moskau mit Hilfe von
Satelliten vier neue Fernsehkanäle
einrichten wollte. Es wurden frische Film und Fernsehproduktionen benötigt. Sie hatten
bei Mosfilm und Lenfilm
lokale soap-operas bestellt. Da ich keine ‘soaps' mag, kann ich auch keine produzieren
und werde dies niemals tun.
Das habe ich laut gesagt und gleich hinzugefügt, daß ich gern etwas in der Art der
‘Forsythe Saga' inszenieren
würde. So ist eine Familiengeschichte entstanden – die ‘Protassow-Saga'. ...
G.A.: Zu welchem Genre gehört Ihr Film?
S.S.:ZWETY KALENDULY kann man nicht einem konkreten Genre zuordnen. (...) Das
Wichtigste in diesem Film
ist die Verflechtung einer Unzahl von Motiven, aber diese Vielschich-tigkeit bleibt
durchsichtig und filigran. Aus
der Verflechtung der uns psychologisch erkennbaren Motive entsteht keine einzelne
Idee.
Dieser Film will
nachdenklich machen und zu Fragen anregen: Wer sind wir heute und wohin gehen
wir?
Was ist unsere Heimat,
und wie haben wir geschaffen, was jetzt um uns ist? Dieses Thema beschäftigt und
quält
jeden Menschen in diesem
Land – das heißt also, es ist ein Film für das breite Publikum. Hier gibt es keine
Bewertungen, keine feststehenden
Urteile, keinen Wunsch, gewisse Erscheinungen des sozialen Lebens zu kritisieren. Es
gibt nur Überlegungen.
Eines noch zum Schluss : der elegante Name ‘Calendula' bedeutet, ganz prosaisch,
‘Ringelblume'.
>Zwety Kalenduly< Russland 1998 120 Min. OmU
R : Sergej Sneshkin, B : S.S., Michael Konowaltschuk
K : Artur Melkumjan, Alexander Ustinow D : Era Siganschina, Marina Salopschenko,
Ksenija Rappoport, Julija
Scharikowa, German Orlow, Sergej Donzow-Dreyden
Das Leben, ein Pfeifen
Drei Menschen in Havanna, die alle ihre höchst eigenen Merkwürdigkeiten haben. Ein
leicht
abgedrehter, vollgepackter Film über das Leben in Kuba.
Aus einem Interview mit Fernando Pérez:
Man wird «La vida es silbar» gewiß auch als polemischen Film zur Situation in Kuba
sehen.
„So mag man das meinetwegen sehen, denn es ist auch ein Film über Havanna heute.
Doch
scheint mir dies nicht das eigentliche Thema. Für mich geht es um die Suche nach
Glück, um
den Sinn des Lebens, um ein universelles Thema also, betrachtet im Kontext des
heutigen
Havanna. Hier lebe ich. In Bezug auf Kuba interessiert mich ein anderes Thema mehr:
Es ist
unser Gefühl von Nationalität – ein Wort, das mir sehr großspurig daherkommt, eher
meine ich
unsere Wurzeln. Elpidio ist mit diesem Land sehr verbunden, und dies geht vielen
Kubanern so.
Warum lebt jemand hier, was hält ihn hier? Ich selber kann nicht außerhalb von Kuba
leben. Mehr noch:
Ich bin in Havanna verwurzelt, mir gefällt diese Stadt wegen allem, was ich hier gelebt
habe und noch
erleben werde. Natürlich ist ein Thema des Films ein besonders aktuelles, denn die
Emigration ist in der
kubanischen Realität ständig präsent – wer geht, wer bleibt, wer ging und weshalb, wer
verliert seine
Wurzeln und wer behält sie selbst im Ausland? Wer ist hier und hat doch keine
Wurzeln mehr? Was mich
an Elpidios Geschichte am meisten interessiert, ist die Beziehung zu seiner Mutter, die
Cuba heißt. Es ist
eine widersprüchliche Beziehung, aber es ist eine Liebesbeziehung und wie alle
Liebesbeziehungen bestückt
mit Momenten der Begegnung, des Auseinandergehens, der Auseinandersetzung.
Beide können sie ohne
einander nicht leben. Dies ist für mich das Wichtigste. „
Also sind die universellen Themen in «La vida es silbar» auch kubanische – geht es
damit nicht auch um
eine Kritik an der kubanischen Gesellschaft?
„Ausgangspunkt des Filmes ist, wie der Einzelne sein Leben lebt. Hier in Kuba wie
anderswo kann man sich
dem direkt oder ausweichend stellen. In allen Gesellschaften gibt es Opportunisten,
Karrieristen,
Bürokraten, Korrupte, Diebe. Sie haben Angst vor Ideen, und wenn sie sich der
Wahrheit stellen müssen,
zittern ihnen ihre Beine, fallen sie in Ohnmacht. Woran übt der Film also Kritik? An
jenem Teil der
Menschheit – oder wohl eher des Menschen, denn all dies ist auch ein Teil von uns.
Es gelingt ja nicht
immer, die Probleme so anzugehen, wie wir das tun sollten. Deshalb möchte ich nicht
nur die politische
Ebene betrachtet wissen, mich interessiert etwas Umfassenderes. Wer sich in seinem
Leben mit der
Wirklichkeit auseinandersetzt, der tut dies in der Politik, in seinen Liebesbeziehungen,
in der Familie, in
allem. Mit der Zeit spürt man immer deutlicher, was man liebt und was man im Leben
benötigt. Ich habe in
meinem Leben vieles gewollt und geliebt, habe aber auch gelernt, mich mit dem zu
begnügen, was ich am
meisten liebe – und dazu gehört das Filmen. Hier in Kuba zu filmen, mit meinen
Kindern in der Nähe, dies
ist für mich das Entscheidende. „
Kuba 98, 110'; OmU, R.: Fernando Pérez,
D.: Luis Alberto Garcia, Isabel Santos, Coralia Veloz
De grote vakantie
Johan van der Keuken wird mitgeteilt,daß er wegen einer Krebserkrankung nur noch kurze Zeit zu leben hat.
Daraufhin beschließt er das zu tun, was er sein Leben lang immer getan hat, nämlich einen Film zu machen: Er
reist mit seiner Frau in viele Länder, häufig einfach um zu beobachten, genauer hinzusehen, Menschen zu begegnen
und dabei Überlegungen über seinen bevorstehenden Tod oder seine Weltsicht zu formulieren. Die bewegensten
Momente sind z.B. die Treffen mit seinem Arzt, den er auf direkte und offene Art über den Verlauf seiner Krankheit
befragt, oder wenn die Beziehung zu seiner Frau thematisiert wird.Und immer ist die Kamera dabei. Das hat nichts
von Exhibitionismus oder Sentimentalität. Johan van der Keuken schafft es durch seine Offenheit und seine
spezielle Art der Betrachtung - sagen wir mal - eine distanzierte Intimität dem Zuschauer zu vermitteln.
- Die großen Ferien-, Nl. 1999., O.m.U., 145 Min., R.+K.: Johan van der Keuken, Sprachen: niederländisch,
tibetanisch, englisch, französisch, sonray, moree